Seit einigen Jahren gibt es im Städtebauförderungsprogramm den Sondertopf "Industriebrachenprogramm". Er wurde eigens aufgelegt, um alte Industrie-Liegenschafften, vorwiegend in Nordbayern, zu revitalisieren. Der Fördersatz schwankt hier - je nach Bewilligungsjahr - zwischen 70 und 80 Prozent.

Seit 2012 ist die Stadt Kulmbach mit der ehemaligen Spinnerei in dem Programm. Sie hat bis 2015 bereits vier Millionen Euro an Fördermitteln erhalten. Daraus wurde neben den bisherigen Arbeiten an der Spinnerei auch der erste Teil des Kaufs des ehemaligen Kaufplatz finanziert.


Schon 5,5 Millionen erhalten

Mit Eigenmitteln der Stadt und Fördergeldern Dritter war dies eine Gesamtinvestitionssumme zwischen 2012 und 2015 von 5,5 Millionen Euro.

Für 2016 wurde der Stadt Kulmbach aus dem Industriebrachenprogramm jetzt 672 000 Euro für den Restbetrag des Erwerbs des ehemaligen Kaufplatz bewilligt - damit ist der Kauf komplett abgewickelt.

Weitere 2,068 Millionen Euro erhält die Stadt für die Sanierung der ehemaligen Spinnerei. Davon werden nach Angaben der Stadt bereits laufende Maßnahmen abfinanziert - die Sanierung des Pförtnerhauses, die Umgestaltung des Vorplatzes mit Soccercourt, Spielplatz, Sitzgelegenheiten, die Rohbauherstellung sowie die statische Ertüchtigung des Turbinenhauses.

Darüber hinaus kann die Stadt neu einsteigen in den Ausbau des Kunst- und Kulturzentrums im zweiten Obergeschoss des Gebäudes, oberhalb des Jugendkulturzentrums. Auf rund 1500 Quadratmetern entstehen Räume für Künstler, Musiker, Sportler und Vereine.

Da es noch keinen offiziellen Bescheid gibt, lässt sich der Fördersatz aktuell nicht genau sagen. Mit dem Eigenanteil von Stadt und Dritten sind das 2016 nach Angaben aus dem Rathaus aber auch auf jeden Fall über drei Millionen Gesamtinvestitionssumme. Das heißt: Seit 2012 sind über das Industriebrachenprogramm 6,74 Millionen Euro an Fördergeldern des Freistaats nach Kulmbach geflossen - bei einer Gesamtinvestition von rund acht Millionen Euro.


OB sehr zufrieden

Sehr zufrieden zeigte sich am Dienstag Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU): "Vielen Dank an die bayerische Staatsregierung, dass wir auch in diesem Jahr eine solch umfangreiche Zuteilung aus dem Industriebrachenprogramm erhalten haben. Für uns sind diese Gelder enorm wichtig, damit wir die begonnenen Mammutaufgaben Sanierung Spinnerei und Abriss ehemaliger Kaufplatz gut weiterführen können. Gerade bei dem Industriedenkmal Alte Spinnerei warten noch enorme Aufgaben auf uns", unterstrich Schramm. Und weiter: "Der Gebäudekomplex, der aus Denkmalschutzgründen erhalten bleiben muss, ist sehr groß und in weiten Teilen marode. Dank der außergewöhnlichen Unterstützung des Freistaates können wir ihn nach und nach mit neuem Leben für die Kulmbacherinnen und Kulmbacher erfüllen."

Auch bei den Zuteilungen aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau-West hat die Stadt Kulmbach für 2016 umfangreiche Mittel zur Verfügung gestellt bekommen. Als erste Tranche für den barrierefreien Umbau des Zentralparkplatzes wurden für 2016 bereits 4,32 Millionen Euro bewilligt.

Insgesamt fließen nach Angaben der Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Ludwig Freiherr von Lerchenfeld (beide CSU) rund 10,9 Millionen Euro aus dem bayerischen Städtebauförderprogramm nach Oberfranken. "Schwerpunkt der Förderung sind die Landkreise Bayreuth, Kulmbach und Wunsiedel", freut sich der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel. "Für Projekte in meinem Stimmkreis stellt der Freistaat insgesamt rund 5,3 Millionen Euro zur Verfügung. Das ist ein großer Erfolg und eröffnet uns viele Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft." Der Freistaat hatte das Industriebrachenprogramm vor einigen Jahren auf Initiative der Abgeordneten Martin Schöffel und Alexander König auf den Weg gebracht.


Leerstände beseitigen

Ein Schwerpunkt der Förderung in Oberfranken ist heuer die Umnutzung von innerörtlichen Leerständen. "Ganz besonders freut mich die Förderung der ,Alten Spinnerei' in Kulmbach. Hier können wir etwas für die jungen Menschen im ganzen Landkreis tun, indem wir Räumlichkeiten für die kommunale Jugendarbeit schaffen", betonte von Lerchenfeld. Ziel der Förderung sei es, attraktive Zentren als Ankerpunkte der Daseinsvorsorge zu sichern und weiter zu entwickeln", so von Lerchenfeld abschließend.