Am 6. November 1965 wird im Kulmbacher Rathaussaal eine brisante Pressekonferenz angesetzt. Eben ist ein weiterer Pockenfall bekannt geworden. Die Bevölkerung ist geschockt, Veranstaltungen werden verboten, Massenimpfungen laufen an. In der Berufsschule wird für 84 Seuchenverdächtige eine Isolierstation eingerichtet.
Kurz vor der Pressekonferenz, bei der sich Bürgermeister Max Beyerlein, Stadtrechtsrat Herbert Heinritz und weitere Behördenvertreter des Krisenstabs eingefunden haben, platzt OB Wilhelm Murrmann völlig aufgelöst in die Runde: "Der Hundt is gschtorm. Des is ja furchtbar. Was mach mern mit der Beerdigung? Es herrscht ja Versammlungsverbot?"

Der anwesende Karl Aleis, Medizinalreferent bei der Regierung von Oberfranken, nimmt Paul Freidank, den Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts, zur Seite.
"Wissen Sie, Herr Kollege", raunt er ihm ins Ohr, "ich bin ja auch tierlieb, aber was Ihr OB für ein Theater um seinen Hund macht, finde ich schon etwas übertrieben."
Die Episode, die ihm sein Vater erzählt hat, treibt dem Kulmbacher Apotheker Werner Freidank noch heute das Wasser in die Augen.


Die Nachkriegszeit geprägt

Der Tod des 67-Jährigen wird von den Kulmbachern als großer Verlust empfunden. Der allgegenwärtige Max Hundt mit blitzenden Augen und Feuerzunge war eine lokale Größe. Als Heimatforscher, Pädagoge und Schulpolitiker hat er zwei Jahrzehnte Nachkriegsgeschichte geprägt wie sonst nur noch Georg Hagen. Sein Nachruf in der Tageszeitung, in Festschriften und Jubiläumsbeiträgen ist überwältigend. Ausgezeichnet war er mit der Goldenen Bürgermedaille und dem Bayerischen Verdienstorden. Doch die Ehrung, die ihn gewiss am stärksten berührt hätte, erfolgt erst posthum: die Umbenennung der "Reformschule Mangersreuth" in Max-Hundt-Schule (1966).


Kriegstrauma

Im Leben Max Hundts gibt es zwei Schlüsselerlebnisse: die Fronterfahrung des Ersten Weltkriegs und die Behandlung durch die Nazis nach der Machtübernahme. Mit der Materialschlacht an der Westfront wird er ab März 1917 konfrontiert. Er erlebt die Hölle von Verdun, wird danach in die Champagne verlegt. Dort wird er am 1. Oktober 1918 schwer verwundet. Der Oberarm wird zerfetzt, die Lunge durch einen Steckschuss dauerhaft geschädigt. Die traumatischen Erfahrungen bindet er später in Gedichte wie die "Schlacht im Westen", "Dem toten Freunde", "Vision auf Posten" oder "Vor Douaumont".

Dann die Nazis: Als bekannter SPD-Mann und Lehrer steht Hundt ganz vorne auf der Abschussliste. Am 11. März 1933 wird er auf Befehl des Stadtkommissars und SS-Standartenführers Kurt Wittje mit weiteren SPD-Funktionären in "Schutzhaft" genommen. Mit Matthäus Schneider wird er in einem Abstellraum der Polizeiwache im Rathaus eingesperrt. Bei Eiseskälte müssen sie auf dem blanken Boden nächtigen. Erst früh bringt man ein Schrankbett und einen ungefüllten Strohsack herein, ohne Decke. Hundt bleibt demonstrativ liegen und verweigert jede Nahrungsaufnahme.


Strafversetzung

Nach seiner Entlassung berichtet Hundt, schwer erkältet, seiner 7. Klasse an der Oberen Schule von der Schikane und meldet sich anschließend krank. Als Wittje das zugetragen wird, lässt er die Schüler reihenweise vernehmen. Danach stellt er gegen Hundt beim Landgericht Bayreuth Strafanzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung. Er interveniert bei Schulrat Langheinrich, der bei der Regierung von Ansbach seine Strafversetzung erwirkt.



Spektakuläre Grabungen

Hundts Antwort auf die Schikanen heißt: Flucht in die Archäologie. Politisch hält er sich völlig zurück. Die örtlichen Machthaber lassen ihn graben, ja, er wird sogar vom Reichsarbeitsdienst unterstützt - kann man doch seine Erfolge an die eigene Fahne heften.
Und Hundt gräbt wie besessen. Er ist wie eine Fackel, die an beiden Enden brennt. Nicht selten verblüfft er die Fachwelt: In Neudorf (bei Kasendorf) legt er ein schnurkeramisches Hockergrab frei - die erste Bestattung dieser Art in Oberfranken. Bei einer Notgrabung in Tannfeld 1934 birgt er wertvolle Arm- und Halsringe aus der älteren Eisenzeit. Jahrelang beteiligt er sich bei der Kampagne auf dem Kasendorfer Turmberg/Magnusberg - neben dem Staffelberg und der Ehrenburg der bedeutendste Fundort Frankens - und dem Pfarrholz. Dort legt er eines der 78 Hügelgräber aus der Hallstattzeit frei mit einer reichen Keramikausstattung.
1936 gelingt ihm eine Sensation: Bei Felkendorf-Kleetzhöfe entdeckt er das erste Reihengräberfeld Oberfrankens aus karolingischer Zeit und legt 80 Gräber aus dem 8./9. Jahrhundert vollständig frei. Die Ergebnisse dieser Grabung kann er erst nach dem Krieg veröffentlichen. Der Grund: die braunen Machthaber sabotieren den für 1937 geplanten Druck.


Fundstücke sind auf der Burg

Die Fundstücke wandern ins damalige Luitpoldmuseum und zählen zu den Highlights der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung. Heute befinden sie sich in mehreren Schauräumen des Landschaftsmuseums Obermain auf der Plassenburg. Dieter Schmudlach, der beste Kenner von Hundts Arbeit, hat sie anschaulich und zeitgemäß präsentiert.