Stephan Herbert Fuchs Gleich zweimal hatte ein 20-jähriger Auszubildender aus Kulmbach Drogen aus dem Darknet bestellt. Beide Male handelte es sich um Marihuana, in beiden Fällen waren es jeweils über 40 Gramm. Vor dem Jugendrichter kassierte der junge Mann jetzt dafür die Quittung.

Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner verurteilte ihn wegen des versuchten Erwerbs von Drogen in zwei Fällen zu einer Geldauflage von 900 Euro und zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Zusätzlich muss der junge Mann Termine bei der Suchtberatung wahrnehmen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Zweimal über 40 Gramm

Im Juni des vergangenen Jahres waren es 45,5 Gramm, im März dieses Jahres 42,5 Gramm Marihuana. Woher der Stoff genau kamen, blieb offen. Sicher ist, dass sie in die Packstation beim Real geliefert wurden.

Angeblich wollte der Angeklagte einen Teil davon verkaufen, um einen Gewinn zu erzielen, doch das konnte letztlich nicht bewiesen werden. Nicht mehr ins Gewicht sollte fallen, das der Azubi bei sich zuhause auch noch ein Gramm Marihuana aufbewahrte.

Der 20-Jährige machte zunächst keine Angaben. Das hätte bedeutet, dass bei einem notwendigen Fortsetzungstermin ein ermittelnder Polizeibeamter aus Sachsen hätte gehört werden müssen.

Der Sachbearbeiter von der Polizei in Kulmbach berichtete von einer Wohnungsdurchsuchung und von der Beschlagnahme der Post an den jungen Mann. Im zweiten Fall sei die Polizei dann schneller an der Station gewesen und habe das Rauschgift, verpackt in kleinen Tüten, in Empfang nehmen können. Als Absender habe natürlich ein Fantasiename auf dem Päckchen gestanden, weitere Ermittlungen seien in dieser Hinsicht ergebnislos geblieben, so berichtete der Beamte.

Nach langem Hin und Her und einigen Besprechungen ließ der Angeklagte dann doch über seinen Verteidiger erklären, dass er die Vorwürfe einräume, machte darüber hinaus aber auch weiterhin keine Angaben.

Allerdings war er doch kein so unbeschriebenes Blatt, wie zunächst vermutet. Bereits im Augst 2018 war er schon einmal mit einem Haschischbrocken in der Tasche erwischt worden. Damals sah die Staatsanwaltschaft noch von einer Strafverfolgung ab.

Schlussstrich gezogen

Ihm gegenüber habe der Angeklagte glaubhaft geäußert, dass er in Sachen Drogen einen Schlussstrich gezogen habe, sagte Stefan Fürst von der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Kulmbach. Der junge Mann lebe sozial angepasst, habe sein Abi in der Tasche, mache eine Ausbildung und habe eine konkrete Lebensplanung.

Trotzdem sprach sich Fürst für die Anwendung des wesentlich milderen Jugendstrafrechtes aus, weil er längst noch nicht auf eigenen Füßen stehe und in das elterliche Umfeld eingebunden sei.

Für eine Arbeitsauflage von 120 Stunden sprach sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft aus. Er wollte über die Suchtberatungstermine hinaus auch eine regelmäßige Abstinenzkontrolle und die Einziehung des Laptops, was letztlich für das Gericht aber doch nicht infrage kam. Verteidiger Volker Beermann aus Bayreuth plädierte auf die letztlich verhängte Kombination von Geldauflage und Arbeitsstunden, deren Höhe er offen ließ.

Der Angeklagte muss nun die gegen ihn verhängten 900 Euro binnen eines Zeitraums von vier Monaten an die Jugendsozialarbeit der Geschwister-Gummi-Stiftung überweisen. Im gleichen Zeitraum muss er ebenfalls nach Weisung der Stiftung die 30 Arbeitsstunden ableisten.

Die Aufarbeitung der Drogenproblematik beim Angeklagten sah Richter Berner noch nicht abgeschlossen. Deshalb schickte er den Angeklagten auch zur Drogenberatung. Seinen Laptop darf er allerdings behalten.