Draußen zu toben gefällt allen Kindern. Besonders von Fußball sind die Kulmbacher Kinder und Jugendlichen des Rehbergheims begeistert. Mit Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, spricht die 16-jährige Tanja ausgiebig über Fußball. Malu Dreyer ist bei ihr und ihren Freunden am Rehberg zu Besuch, als sie nach Lieblingsvereinen fragt. "Der FC Bayern", ist die Antwort von Tanja. Malu Dreyer schmunzelt "das würde bei uns eher selten gesagt werden. Bei uns sind alle Fans vom FCK."

Während ihres Besuchs im Rahmen des Wahlkampfs nimmt sich Dreyer Zeit, um mit den Jugendlichen im Rehbergheim in Kulmbach zu plaudern. Das Rehbergheim ist ein 7-Tage-Internat für geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche. Insgesamt bietet es 16 Kindern und Jugendlichen Platz.
Momentan ist der Jüngste in der Einrichtung elf, aber aufgenommen werden Kinder schon ab sechs Jahren und dürfen dann bis zur Beendigung der Schulpflicht bleiben.

Haus mit Geschichte

Das Haus am Rehberg gibt es seit 1850, es wurde 1969 zum ersten Mal von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) angemietet. Einige Umbaumaßnahmen standen seither auf dem Plan, seit 2006 besteht das Haus in seiner heutigen Form. Oskar Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbandes der Awo, betont in diesem Zusammenhang, wie viele Spenden dafür eingegangen waren und dass diese ein Zeichen für das hohe öffentliche Ansehen des Rehbergheims innerhalb der Stadt Kulmbach sei.

Inklusion

Es ist nicht verwunderlich, dass Malu Dreyer die Awo-Einrichtung über den Dächern Kulmbachs besucht, setzt sie sich in ihrem Bundesland doch sehr stark für das Thema Inklusion ein. Sie selbst versteht, wie schwierig es ist, wenn man im Alltag an Grenzen stößt: Da sie an Mulitipler Sklerose leidet, ist sie auf längeren Strecken auf einen Rollstuhl angewiesen. Im Heim am Rehberg ist das kein Problem, dort ist schließlich alles barrierefrei.
Barrierefreiheit ist auch ein Thema, das beim Besuch von Malu Dreyer angesprochen wird. Das Problem der Barrierefreiheit ist nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für ältere Bürger relevant und liegt daher Dreyer besonders am Herzen.

Sie möchte mit ihrem Bundesland Vorbild für andere Regionen sein: "Versteht mich nicht falsch, Rheinland-Pfalz ist auch kein Paradies, aber wir müssen anfangen, barrierefrei zu denken." Daher sind in Rheinland-Pfalz mittlerweile alle Kulturdenkmäler barrierefrei zugänglich. Das wünschen sich Simon Moritz, SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Kulmbach, und Anette Kramme, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bayreuth, auch für Bayern.

Hauptthema ist natürlich trotzdem Inklusion und Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Auch auf diesem Gebiet kann Rheinland-Pfalz ein Vorbild für andere Bundesländer sein: Integrative Kindertagesstätten sind dort schon Standard. Außerdem gibt es viele Schwerpunktschulen, die auf den individuellen Förderbedarf der Kinder mit Behinderung eingehen. "Nicht alle Kinder sind gleich. Es besteht ein individueller Förderbedarf, egal ob mit oder ohne Behinderung", so Dreyer.

Dreyer betont auch, dass für solche Schwerpunktschulen das Land und die Kommunen zusammenarbeiten müssen, und sie stellt fest, dass Kinder, die integrativ groß geworden sind, auch im Erwachsenenalter weniger Berührungsängste mit Behinderten haben und diese häufiger Pflegeberufe ergreifen.

Ein weiteres Thema sind Integrationsbetriebe, für die auf Bundesebene noch bessere Bedingungen geschaffen werden müssen, so Dreyer. Integrationsbetriebe sind Betriebe, in denen mindestens 25 Prozent der Mitarbeiter behindert sind. Sie sind eine Mischform aus normalen Arbeitsplätzen und Behinderten-Werkstätten. Besonders wichtig ist allerdings, dass in den Integrationsbetrieben, die bisher hauptsächlich in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel vorhanden sind, die behinderten Mitarbeiter ganz normale Arbeitnehmer sind: Mit Gehalt und Sozialversicherung. Anette Kramm fasst den Besuch von Malu Dreyer in Kulmbach zusammen, indem sie sagt: "Unsere Aufgabe ist es für Inklusion zu werben, aber vor allem auch sie einzufordern."