Hat der Geschäftsführer der Mainleuser Firma Maintal-Druck seine Geschäftspartner im Unklaren über seine finanzielle Situation gelassen und so Lieferungen ergaunert, die er nicht bezahlen konnte? Hat er, als längst abzusehen war, dass sich das Unternehmen in finanzieller Schieflage befindet, den Insolvenzantrag hinausgezögert? Oder hat er vielmehr auf schlechte Berater vertraut? Das Steuerschöffengericht am Amtsgericht Hof unter dem energischen Vorsitz von Richterin Anke Schattner hat derzeit eine wahre Sisyphus-Arbeit zu leisten. Nach zwei Verhandlungstagen sind Dutzende von Zeugen vernommen. Weitere sollen bei einem dritten Verhandlungstermin Anfang Juli folgen. Dann gilt es, zu sichten und zu bewerten: Lässt sich die Insolvenzverschleppung belegen? Lassen sich alle Betrugsvorwürfe - rund 20 listet die Anklageschrift auf - aufrecht erhalten?

Letzteres wohl nicht. Bei der Firma Maintal-Druck kriselte es schon lange, bevor der Geschäftsführer im Frühsommer 2008 den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellte. Eine Mitarbeiterin der Kriminalpolizei hat akribisch aufgelistet, wann das Unternehmen flüssig und wann es in der Klemme war. Dabei hat sie festgestellt, dass bereits ab August 2006 immer wieder Mahnungen und Zahlungsaufforderungen eingingen. Mit der Zeit häuften sich die Zahlungsvereinbarungen mit Lieferanten. "Von Januar bis Dezember 2007 wiesen die Konten eine durchgehende Unterdeckung auf", sagte die Ermittlerin als Zeugin vor Gericht.

Zumindest bei einigen Geschäftspartnern des Unternehmens waren diese Zahlungsschwierigkeiten ein offenes Geheimnis. Dass man Zahlungsziele nach hinten verschob, fällige Beträge stundete und Vereinbarungen darüber schloss, wie die ausstehenden Summen in Teilbeträgen abgestottert werden sollten, lag wohl zum einen an den steten Versicherungen des 45-jährigen Geschäftsführers, dass es sich um eine momentane Durststrecke handle. Zum anderen aber scheinen solche Vereinbarungen in der Branche durchaus üblich zu sein.


Vielen ging es nicht so gut



Es sei in jenen Jahren vielen Betrieben nicht gut gegangen, schilderten übereinstimmend mehrere Geschäftspartner. Die Zulieferer hätten es nicht nur im Falle des Mainleuser Kunden stillschweigend akzeptiert, dass Rechnungen spät oder nicht komplett bezahlt wurden. "Hätten wir unsere Forderungen alle eingetrieben, hätten wir das Unternehmen in die Insolvenz getrieben - und ganz als Kunden verloren", so einer der Zeugen.Richterin Anke Schattner signalisierte bereits am Montag, dass vor diesem Hintergrund etliche der Betrugsvorwürfe wohl hinfällig werden.

Fest steht hingegen, dass der Insolvenzantrag vom Geschäftsführer viel zu spät gestellt, die Insolvenz also zum Schaden der Gläubiger verschleppt wurde. Die bleiben nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf insgesamt rund 300.000 Euro sitzen. Aber auch hier deutet sich einiges an, das den Angeklagten entlasten könnte: Ganz offensichtlich hatte er wiederholt schlechte Berater gehabt. Klare Ansagen zur desolaten Situation gab es von keinem von ihnen. Der Unternehmer selbst hat wohl die Augen vor der Realität verschlossen - ebenso wie manche seiner Mitarbeiter, die von den Zahlungsschwierigkeiten zwar wussten, aber immer noch hofften, dass es irgendwie weitergehe.


Alte Belegschaft, neue Druckerei



Für einige von ihnen ging es nach der Insolvenz im Jahr 2008 tatsächlich weiter. Der Angeklagte gründete eine neue Druckerei namens "Gallus" und versuchte, mit einem Teil der alten Belegschaft und Kunden aus dem alten Stamm weiterzumachen.

Weil auch das neue Unternehmen bald nach der Gründung weder Rechnungen noch Miete oder Löhne zahlte, für die Zeit ab Januar 2009 keine Buchhaltung mehr vorlegen konnte und im Mai ebenfalls in die Insolvenz ging, sitzt nun neben dem Geschäftsführer von Maintal-Druck auch dessen Ehefrau auf der Anklagebank. Die nämlich war Geschäftsführerin des neuen Unternehmens. In Geschäftsverhandlungen spielte sie allerdings keine Rolle, hatte auch, wie ein ermittelnder Polizist feststellte, keinen Einblick in geschäftliche Vorgänge. Zum nächsten Verhandlungstermin sollen weitere Zeugen geladen werden. Ob dann bereits ein Urteil fällt, ist noch nicht klar.