Die Erneuerung der Steinachbrücke bei Hummendorf beschäftigt die Untersteinacher Räte schon seit Jahrzehnten. "Ich bin 1984 hierhergezogen. Schon damals war die Brücke sanierungsbedürftig", erklärt Anwohner Klaus Fischer. "Ja, das stimmt. Zum ersten Mal wurde 1986 über eine Sanierung der Hummendorfer Brücke gesprochen", bestätigt Walter Amstätter von der Bauverwaltung in Untersteinach. Damals schon gab es Schäden an der Brücke. Doch die Situation war noch nicht so, dass dringend gehandelt hätte werden müssen. Immer wieder gab es andere Maßnahmen, die keinen Aufschub duldeten.

Sanierung wurde immer wieder verschoben

Konkreter wurden die Sanierungspläne erst 20 Jahre später. Denn 2006 stellten die Verantwortlichen fest, dass der Unterbau der Brücke sanierungsbedürftig sei. "Man hat damals in Zusammenhang mit Unwetterschäden an der Gemeindeverbindungsstraße in Gumpersdorf über eine Sanierung der Brücke gesprochen", erklärt Bürgermeister Volker Schmiechen (SPD). Allerdings wurden wieder erst die dringlichen, unaufschiebbaren Maßnahmen getätigt. Die Straße nach Gumpersdorf war eingebrochen - wieder wurde die Arbeiten an der Brücke verschoben. Schon damals war klar, dass eine Sanierung der Hummendorfer Brücke nicht ganz billig werden würde.

2009 gab es dann erste Kostenschätzungen: Sie lagen bei 330 000 Euro zuzüglich 50 000 Euro für eine Behelfsbrücke. "Bei dieser Summe waren die Ingenieurs- und Architektenkosten allerdings nicht dabei", so der Bürgermeister.

Im Gemeinderat entbrannte ein Streit über die Breite der Brücke. Denn die Fahrbahn liege bei 3,50 Meter. Im Zuge einer Modernisierung sollte die Brücke aber besser ein bisschen breiter werden. 25 Zentimeter breiter wären sinnvoll, diskutierten die Räte damals. Das Ingenieurbüro Leistner und Schiffel erstellte einen Bauentwurf. Vor fünf Jahren war dieser fertig. Die Kosten sind bereits gestiegen - auf 386 000 Euro. Doch dann verstarb der verantwortliche Planer. Ein neues Ingenieurbüro wurde eingeschaltet.

Erleichterung bei den Anwohnern

Die Brücke moderte weiter vor sich hin. Abstützungen sorgten unterdessen dafür, dass sie überhaupt noch befahrbar war. "Für uns Anwohner war das schon ein großes Problem. Denn die Brücke durfte mit maximal 2,5 Tonnen befahren werden. Wir hätten ja nichts Schweres zu uns nach Hause gebracht, keinen Sand, keine größere Lieferung, kein Baumaterial. Nicht einmal das Müllauto hätte über die Brücke fahren dürfen"; sagt Klaus Fischer. Nicht nur er ist auf die Brücke angewiesen, auch seine Schwiegermutter, seine Schwägerin. Alle wohnen jenseits der Brücke. "Wir haben es hier wirklich schön, aber wir sind sehr froh, dass die Brücke jetzt gemacht wird. Das ist einfach ein besseres Gefühl", sagt Fischer.

Summe beeinhaltet auch Anschluss und Verbindungsstraße

Die konkreten und jetzt realisierten Planungen wurden 2015 eingeleitet. Ersten Schätzungen zufolge sollte die Bausumme bei 600 000 Euro liegen. Bei dieser Summe ist allerdings auch der Anschluss und die Verbindungsstraße dabei. "Die Brücke ist jetzt vier Meter breit - eben zeitgemäß", erklärt Walter Amstätter die modifizierten Planungen. Deshalb könne man die Zahlen, die für eine Sanierung vor Jahrzehnten in den Raum gestellt worden sind, und die tatsächlichen Kosten jetzt nicht miteinander vergleichen. "Die Maßnahme hat sich hingezogen, weil wir viel wasserrechtliche Dinge und bautechnische Angelegenheiten klären mussten. Wir haben uns beispielsweise verpflichtet, eine Fischersatzbeschaffung vorzunehmen. Das ist mit dem Fliegenfischereiverein ausgemacht", sagt Amstätter. Dann wurde der Gemeinde noch eine Baugrubensohlenuntersuchung auferlegt. "Aber wir konnten die Baumaßnahme im Dezember 2017 ausschreiben. Seit Anfang April wird gebaut. Wir haben den Auftrag für eine Vergabesumme von 828 419 Euro an die Firma Dietz vergeben", so Amstätter. Im Vergleich zur alten Brücke steht die neue Brücke auf Widerlagern. In der Mitte des Flusses gibt es kein "Abflusshindernis" mehr - das ist ein Plus für die Umwelt.

Diverse Nachträge

Schon einmal musste sich der Untersteinacher Gemeinderat mit einem Nachtrag befassen. Mehr als 22 000 Euro fielen an, weil eine prüfbare Statik für das Spundwerk von der Landesgewerbeanstalt Bayern gefordert wurde. In der Oktobersitzung gab es noch einmal einen Nachtrag von knapp 2800 Euro. "Dass es bei so einer Baustelle Nachträge gibt, ist eigentlich klar. Aber wir liegen bei drei Prozent Kostensteigerungen", relativierte Bürgermeister Volker Schmiechen die Mehrung. "Wir mussten Asphalt beseitigen, der teerhaltig ist. Obwohl Probebohrungen gemacht worden sind, war das nicht vorhersehbar", erklärte Walter Amstätter von der Bauabteilung. "Eigentlich sind Kostenmehrungen von zehn Prozent normal", so Amstätter.

Bis der Nachtrag genehmigt war, ruhte die Baustelle einige Tage. Jetzt gehen die Arbeiten weiter. Die Bauarbeiter sind wieder vor Ort, werkeln.

Aktuell werden die Wasserleitungen zurückverlegt. Die Baustraße wird noch verlegt und zurückgebaut. Noch vor dem Wintereinbruch soll die Baustelle abgeschlossen werden. "Wir sind froh, dass die Brücke gemacht worden ist", fällt Anwohner Klaus Fischer ein Stein von Herzen. Froh sind die Anwohner auch, dass die Sanierung der Brücke eben kein Fall für die Straßenausbaubeitragssatzung ist. Denn die wenigen Anwohner hätten sich die immensen Kosten von mehr als 850 000 Euro sicherlich nicht teilen können. Tatsächlich lag die Preisspanne der Angebote weit auseinander. Das teuerste Angebot bei der Ausschreibung lag bei 1,2 Millionen Euro. Und auch, wenn es Nachträge gegeben hat, auf diese Summe kommt die Brücke nicht mehr.