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Kulmbach
Corona

Oberfränkin springt Tod von der Schippe - doch Corona hat ihr Leben massiv verändert

Yvonne Mager hatte sich im März mit Covid-19 infiziert. 22 Tage lang kämpfte die zweifache Mutter im Kulmbacher Klinikum um ihr Leben.
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Die Behandlung hat Spuren hinterlassen, aber Yvonne Mager freut sich, ihren Mann Bernhard wieder an ihrer Seite haben zu können.  Foto: Uschi Prawitz
Die Behandlung hat Spuren hinterlassen, aber Yvonne Mager freut sich, ihren Mann Bernhard wieder an ihrer Seite haben zu können. Foto: Uschi Prawitz
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Yvonne Mager ist dem Tod von der Schippe gesprungen. 22 Tage lag die Mutter zweier Söhne aufgrund einer Coronaerkrankung im Kulmbacher Klinikum im Koma. "Meine Lunge kollabierte zum Glück erst, als ich schon am Beatmungsgerät hing, ich schwebte wirklich in Lebensgefahr."

Es war am 20. März 2020, als Ehemann Bernhard den Notruf absetzte. "Ich habe plötzlich immer schlechter Luft bekommen", erinnert sich Yvonne Mager, habe dies aber zunächst auf ihre Vorerkrankung Asthma geschoben. Zwar befand sich die Familie wegen eines Kontaktfalls Mitte März in Quarantäne und die 43-Jährige gehörte aufgrund ihrer Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe, doch war sie es gewohnt, sich immer aus eigener Kraft zu helfen.

Plötzlich ging alles ganz schnell

Am 17. März war bei ihr ein Corona-Test durchgeführt worden, ab dem 19. März ging es ihr richtig schlecht. "Am 20. März wurde es immer schlimmer, da hat mein Mann Bernhard erneut beim Gesundheitsamt angerufen." Der richtige Weg. "Ich habe Herrn Mager darauf hingewiesen, dass ich keinen Arzt schicken könne, weil mir als Amtsärztin hierfür die Weisungsbefugnis fehlt", erklärt Nataša Luz vom Kulmbacher Gesundheitsamt. Daher habe sie die Hausärztin der Patientin kontaktiert und den Ehemann gebeten, sich wieder zu melden, sollte der Zustand sich weiter verschlimmern.

Als das Antibiotikum, das Yvonne Mager von ihrer Hausärztin erhielt, auch nichts half, sah Ehemann Bernhard schließlich keinen anderen Weg mehr als den Rettungsdienst zu rufen. "Als ich im Klinikum ankam, ging dann alles ganz schnell", erinnert sich Yvonne Mager. Dort habe es die Alternative Maske oder Koma gegeben, wobei ihre Sauerstoffwerte dann nur ein künstliches Koma zuließen. Sie wolle noch kurz etwas schreiben, habe sie gesagt. "Dann war ich auch schon weg - aber ich habe im Koma alles um mich herum mitbekommen."

Besonders schlimm sei es für sie gewesen, als sie wieder aus dem Koma erwacht sei, da war es nachts, dunkel, und sie war ans Bett gefesselt. "Das wird gemacht, dass man sich nicht aus Versehen den Tubus aus dem Hals zieht." Selbst in den Folgewochen, in denen sie zwar wach war, aber immer noch den Tubus trug, durfte sie nicht losgebunden werden. "Ich hatte in der Zeit so viele Schmerzen und fühlte mich ausgeliefert, aber ich würde es wieder durchmachen, für meine Familie."

Fast fünf Wochen intubiert

Fast fünf Wochen war sie intubiert, Zunge und Gaumen verletzt, regelmäßig musste der Tubus von einem Lungenflügel zum anderen verlagert werden, sie hatte einen Schlitz in der Zunge. Zehn Coronatests musste sie über sich ergehen lassen, denn nach sechs Wochen trug sie den Virus immer noch in sich.

Knapp sechs Wochen war sie auf der Intensivstation, dann weitere zwei Wochen auf der Covid-Station, dann nochmals zwei Wochen auf der normalen Station. "Ich bin den Ärzten und dem Pflegepersonal sehr dankbar, sie haben um mein Leben gekämpft", sagt Yvonne Mager.

Jetzt, nachdem alles vorbei ist, sitzt Yvonne Mager auf dem Marktplatz vor der Eisdiele -endlich mal wieder draußen! Erst seit kurzem ist sie wieder zu Hause. Darüber freut sie sich, aber nichts ist wie zuvor. Ein Spaghetti-Eis steht verlockend vor ihr auf dem Tisch, aber die Erdbeersauce schmeckt nach Medizin, das Eis selbst nur süß. "Seien Sie froh, dass Sie überhaupt etwas schmecken", hatten ihr die Ärzte gesagt, sie will geduldig sein.

Im Rollstuhl

Der Geschmacksverlust gehört noch zu den geringsten Problemen der 43-Jährigen aus dem Landkreis Kulmbach. "Ich habe Nervenschäden an der Wange und in zwei Fingern, die auf nichts reagieren", erklärt sie. Außerdem sitzt sie im Rollstuhl, kann inzwischen zehn Meter am Stück gehen, "lange Strecken werde ich aber wohl nicht mehr laufen können, sagte man mir".

Im Alltag ist sie stark auf die Hilfe ihres Mannes und ihrer beiden Söhne angewiesen, aber sie macht mit, so viel sie kann. "Dann dauert das Schneiden einer Tomate halt mal fünf Minuten", sagt sie. Schwer zu verkraften für eine Frau, die immer alles angepackt hat, sich auch ehrenamtlich engagierte.

Es sei ein Wunder, dass sie noch lebe, das habe sie mehrfach gehört in den letzten Wochen. Sie werde wütend, wenn sie sehe, wie unvorsichtig viele mit der Corona-Situation umgehen und wie sie die Gefahr herunterspielen.

Wie ein Forschungsobjekt

Ein wenig fühlt sie sich heute wie ein Forschungsobjekt, weil in ihrem Fall so viele Besonderheiten auftraten. Anfangs bekam sie zu Hause noch Panikattacken, wenn etwa ihr Kind draußen unterwegs war, mit Bangen denkt sie an den Schulanfang im September. "Ob ich jetzt gegen Covid-19 eine Immunität entwickelt habe, kann mir keiner so genau sagen", erklärt sie. Jeder sage hier etwas anderes, zwischen drei Wochen und drei Jahren sei alles dabei. "Ich freue mich heute, dass ich wieder mal aus dem Haus komme, bekomme aber Panik, wenn mir Menschen zu nahe kommen." Die Angst, sich erneut angesteckt zu haben, schwingt immer mit.

"Wir verstehen, dass die Menschen gerne wieder feiern oder sonstige Veranstaltungen durchführen wollen, und dass die vielen Regelungen oft zu Verwirrung führen können", sagt Oliver Hempfling, im Landratsamt für die öffentliche Sicherheit zuständig. Daher empfiehlt er jedem, bei Bedarf nachzufragen. Die dafür extra eingerichtete E-Mail-Adresse laute ausgangsbeschraenkungen@landkreis-kulmbach.de.

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