Die Häuser sind dunkel oder nur wenig beleuchtet, die Kreisstraße ist gesperrt. Ein ganzes Dorf strömt zum Wirtshaus, um zu feiern. Dort, wo sonst Autos fahren, steht ein Zelt, wird getanzt. Es herrscht ausgelassene Stimmung. Das Tanzlinden-Juwel Langenstadt machte mal wieder seinem Namen als Kerwa-Hochburg nach alter Tradition alle Ehre.


Elf Pärchen am Start

Und das Remmidemmi über ein ganzes Wochenende hat ein Gesicht: die Ortsburschen und Ortsmadla des schönen Ortes im Rotmaintal und aus Buch am Sand. Elf Pärchen, alle unverheiratet - sie im Dirndl, er in wießem Hemd, schwarzer Hose, Schürze und Zylinder, kamen jauchzend die Dorfstraße entlang zum "Runterspielen", voraus der Trommler und der Mann mit dem Akkordeon. Und die Bier-Gießkannen-Trägerinnen.

Dann hinauf die Stufen zur Tanzlinde und und gedreht im Kreis zu Walzer, Polka und Hopperer. Sprüchla machen die Runde, "Wer hod Kerwa? Mir hom Kerwa! Wer hod Doschd? Mir hom an Saudoschd" hallt es weithin, tiefe Züge aus dem Bierkrug. Ein ständig wiederkehrendes Ritual, so lautstark, dass sich bis zum heutigen Montag oft nur noch ein Krächzen bemerkbar macht.


Kondition ist gefragt

Kondition brauchen sie schon die Kerwamacher, denn sie sind vier Tage ständig unterwegs, schlafen wenig. Zweimal "Runterspielen" und einmal "Rumspielen" durch den ganzen Ort und bis nach Buch am Sand und Rottlersreuth, das kostet Kraft. Auf sie wird schon gewartet, der Tisch im Garten, neben der Scheune, oder in der Hofeinfahrt ist reich gedeckt. Die Bum und Madla werden am heutigen Montag wieder bestens verköstigt, erhalten kleinere Geldbeträge für ihre Tänze und frische Bauerneier. Die noch am Abend in einer großen Pfanne gebraten und gemeinsam verspeist werden. "Da kommen schon etwa 100 Stück zusammen, das schmeckt prima", lacht der Oberortsbursch Florian Förster.

Gestern wieder Tanz im Blättergrün, die Pärla schreien im Stakkato aus der Kehle: "Kinderwagen, Kinderwagen, schieb, schieb, schieb..., Schwiegermütter, Schwiegermütter, fürchtet Euch nicht". Die Arme in die Höhe gereckt, der Gießer leert sich. Die "Wiesenthaler Musikanten" spielen auf, das Publikum schunkelt, jetzt ist Kerwa pur. Mit vertrauten Weisen für das fränkische Gemüt. Das Dorf ist in Bewegung.

Aber es war auch der Gegensatz, der die Kerwa vor allem für die jungen Leute so anziehend machte: Heiße Rhythmen der "5 Star" im Zelt auf der Kreisstraße und gleich neben der Linde mit "Feedback by Uod B". Kerwa up to date, Party, Höllenspektakel, alle ein bisschen high. Die Jugend rockte, flippte etwas aus, Kerwa ist schließlich nur einmal im Jahr.

Der Montag bündelt nochmals alle Kräfte, nach dem "Rumspielen" der große Absacker im Wirtshaus. Nochmals Schlachtrufe, schon mit heiserer Stimme, leichtes Torkeln, sich in die Arme sinken. Es ist vollbracht, die Kerwa rum. Ehe noch Hobby-Musiker den Abend verschönern mit Songs aus früheren Jahrzehnten. An der Gitarre, auf dem Akkordeon und der Geige. Musik spontan, handmade, die Gäste singen dann immer mit. Und fast hätten wir es vergessen: Da gab es ja erstmals die Möglichkeit, im Felsenkeller neben der Linde, wo früher Bier gelagert wurde, die Bar zu besuchen. Die bis nach Mitternacht begehrter Anziehungspunkt war.

Das Kerwa-Fußballgaudispiel der Ledigen (Ortsburschen) gegen die Verheirateteten, das Bürgermeister und Jurist Harald Hübner akribisch leitete, endete übrigens 6:10.


Die Neue im Team

Erschöpft, aber glücklich, dass alles so gut funktionierte, zeigte sich Julia Dauer, die Neue im Langenstädter Kerwa-Team. Die 22-jährige pharmazeutische Assistentin hat ihr Freund Daniel zum Mitmachen bewegt. "Lampenfieber habe ich nicht, ich bin ja auf vielen Kerwas unterwegs", verrät sie und nimmt ihren Liebling in den Arm zum nächsten Schwoof. Fügt noch an, "durch die Kerwa sind wir uns vier Tage ganz nah", das sei doch schön. Das Langenstadter Großereignis hat viele Facetten.