Jeder dritte Deutsche leidet regelmäßig unter Kopfschmerzen. Das Spektrum reicht von lästigem Druckgefühl bis hin zu massiven Mirgäneattacken, die den Patienten für Stunden oder sogar Tage außer Gefecht setzen. Rund 200 verschiedene Kopfschmerzarten sind bekannt, sagt der Neurologe Jörg Richter, der am Klinikum häufig mit der Suche nach den Ursachen beschäftigt ist.
Kopfschmerzen sind eine Volkskrankheit. Darauf weist der heutige Weltkopfschmerztag hin. Ärzte unterscheiden zwischen primären Kopfschmerzen wie beispielsweise der Migräne, die eine eigenständige Krankheit sind, und sekundären Schmerzen, die als Folge einer anderen Erkrankung auftreten.
Was kann Kopfschmerzen auslösen? "Das ist wie beim Schwindel ein Potpourri an Symptomen und denkbaren Ursachen", sagt Richter. Herauszufinden, was im Einzelfall der genaue Grund ist, sei allerdings sehr wichtig, denn Kopfschmerzen können auch auf einen Hirntumor, eine Blutung oder einen Schlaganfall hinweisen.

Hauptsache still und dunkel


Eine häufige und sehr unangenehme Kopfschmerzerkrankung ist die Migräne. Sie ist eine neurologische Funktionsstörung. Eine Attacke dauert zwischen vier und 72 Stunden. Der Schmerz tritt einseitig auf, pulsierend und pochend, verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit. Die Betroffenen sehnen sich nur nach einem: Rückzug in eine reizarme Umgebung, einen ruhigen, abgedunkelten Raum.
Ob man Migräne bekommt, ist Veranlagungssache. Familiäre Häufungen sind typisch, sagt Jörg Richter. Wer zu Migräne neigt, erlebt seine erste Attacke in der Regel im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, jenseits der 40 sind Neuerkrankungen selten.
Oft sind es bestimmte Reize, die einen Anfall provozieren: Stress gehört dazu, ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus mit häufigen Veränderungen, aber auch Genussmittel wie Schokolade oder Rotwein.

Aktivität lindert die Beschwerden


Nicht nur Mediziner, sondern auch Physiotherapeuten werden häufig mit Kopfschmerz-Problemen ihrer Patienten konfrontiert. Haltungsfehler, schlecht angepasste Arbeitsplätze und einseitige Tätigkeiten führen zu Fehlbelastungen von Skelett und Muskulatur. "Man entwickelt ungünstige Gewohnheiten, und die führen zu Stress im ganzen Körpersystem", weiß Krankengymnastin Sonja Promeuschel.
Was hilft? Aktivität, sagt die Therapeutin. "Man muss raus aus eingefahrenen Haltungs- und Bewegungsmustern." Sie empfiehlt schonenden Ausdauersport wie Nordic Walking und Rücken- oder Kraulschwimmen.
Die Ursachen von Kopfschmerzen sind vielfältig, weiß die Therapeutin. Häufig ist das Kiefergelenk der Übeltäter. Um dem Problem auf die Spur zu kommen, ist eine ganzheitliche Betrachtung aller Faktoren wichtig - von Zahnproblemen über Unfallfolgen bis hin zu besonderen Stresssituationen. Zur Untersuchung gehört deshalb unbedingt eine ausführliche Befragung des Patienten. Um Schmerzen zu lindern oder ganz zu beseitigen, kommen dann verschiedene Therapien in Frage, von osteopathischer Behandlung über Fußreflexzonenmassage und Lymphdrainage bis hin zu gymnastischen Übungen und Entlastungtechniken wie der Behandlung am Schlingentisch.
Kopfschmerzen sind neben Gelenkschmerzen die häufigsten Schmerzen in der Selbstmedikation, weiß Apotheker Hans-Peter Hubmann. Wie wirkt eine Schmerztablette? "Sie verhindert die Entstehung der entzündungsauslösenden und schmerzvermittelnden Botenstoffe, der so genannten Prostaglandine."
Wann genügt eine Tablette, und wann sollte man lieber zum Arzt gehen? "Es gibt eine Grundregel: Nicht länger als drei Tage hintereinander Schmerzmittel einnehmen und nicht mehr als zehn Tage im Monat." Denn was viele nicht wissen: "Auch Kopfschmerztabletten können Kopfschmerzen auslösen", warnt Hubmann.
Manchmal hat ein Brummschädel ganz offensichtliche Ursachen: Nach einer Partynacht sollte ist reichlich Wasser trinken angesagt, rät Hubmann, denn alkoholbedingter Kopfschmerz ist oft auf Dehydratation zurückzuführen. Frische Luft und Ruhe sind ebenfalls hilfreich. "Wenn man schnell fit sein muss, ist auch eine Dosis Schmerzmittel in Ordnung."