Spießige Kleinbürger in der Nachbarschaft, Reihenhaussiedlung mit Vorgärten, Gartenzwerg-Idylle - das ist der Stoff, mit dem uns Fitzgerald Kusz in seinem Satire-Stück "Unkraut" den Spiegel vorhält: Bedingt durch die verschiedenen Charaktere der Bewohner, die aus unterschiedlichen sozialen Schichten kommen, gehen auch deren Ansichten darüber, wie ein Garten aussehen muss, auseinander.

"Das ist kein Gras, das ist Rasen", rechtfertigt Hans alias Christl Haßfürther seinen täglichen, sogar sonntäglichen Rasenschnitt. Frei nach Schiller: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt", zieht der Bio-Garten des neu zugezogenen Lehrers Krause durch den Flug von Unkrautsamen und die Vermehrung von Maulwürfen den Zorn der Nachbarn auf sich. Wenn dann noch die "Queen Elisabeth" und "Konrad Adenauer", die Crème de la Crème in der Rosenzucht, aus dem Garten der Fleischmanns verschwinden, kommen sich sogar die befreundeten Familien gehörig in die Wolle.

Michal Sykora ist zwar mehr in den Klassikern zuhause, aber mit "Die Witwen" und "Der zerdepperte Krug" ist er auf der Naturbühne schon einmal "fremd" gegangen. Er ist bekannt dafür, neue Wege zu finden, damit die Bühne für die Leute interessant bleibt.


Text bleibt eng am Orignal



Wie weit orientiert er sich diesmal am Original? "In Bezug auf die Authentizität des Textes ist Fitzgerald Kusz sehr streng", weiß Sykora, "und erlaubt keine wesentlichen Abweichungen." Von daher bleibt ihm nicht viel Spielraum für eigene Akzente.

Aber Sykora wäre nicht Sykora, wenn er keine Mittel fände, um der Inszenierung seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. "Ich suche immer neue Möglichkeiten, damit die Leute das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Diesmal heißt sein Zauberwort "Rollentausch". In langen Diskussionen haben sich alle Beteiligten zu dieser Version entschlossen. Immer mit der Option, diese wieder zu drehen, wenn es nicht funktionieren würde. Zugegeben: Parallel zu dieser Entscheidung gab es schon Bedenken, wie das Publikum darauf reagieren wird.

Sykoras Idee, Männer in Frauen-, und Frauen in Männerkleidung schlüpfen zu lassen, ist eine Herausforderung an die Schauspieler. Nach Aussage des Regisseurs soll es keine Parodie auf die jeweils gespielte Person werden. "Der Rollentausch soll dazu dienen, eine neue Sicht vom anderen Geschlecht zu gewinnen." Die Spieler versuchen, in die Charaktere des anderen Geschlechts zu schlüpfen, ohne in die Travestie abzugleiten. Einzig ein schrulliger Witwer und eine pubertierende "Null-Bock-Göre" (Julia Królek) spielen sich selbst. Die 16-Jährige ist zum ersten Mal dabei und spult ihren Part so cool, als wenn sie nie etwas anderes gemacht hätte.


Drei Stunden mit Stöckelschuhen



Alle haben sich in ihren neuen Rollen gefunden, "auch wenn man abends, nach drei Probenstunden mit Stöckelschuhen, schon mal Krämpfe in den Beinen bekommt", wie es Brigitte alias Siegfried Küspert schmerzhaft erfahren musste. Trotzdem sind es vor allem die Männer gewesen, die mit ihren Frauenrollen am ersten zurechtkamen.

Küspert hat dafür eine ganz einfache Erklärung: "Frauen tun sich schwer, öffentlich als Mann zu agieren. Genetisch bedingt, haben sie ein Problem damit, wie ein Mann einfach mal loszubrüllen oder richtig auf den Tisch zu hauen."

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