Zunächst war es die Schule und das Abitur, womit sie fertig werden musste, auf einmal sind es zwei aufgeweckte Kinder im Alter von drei und sieben Jahren, um die sie sich kümmern muss - eine ziemliche Umstellung für die 19-Jährige Miriam Geißler aus Kulmbach. Der Traum vieler junger Mädchen ist es, als Au pair in ein fremdes Land zu reisen, wo sie dann in Gastfamilien untergebracht werden. Dort kümmern sich die Au Pairs hauptsächlich um die Betreuung der Kinder und um den Haushalt. "Es ist für mich aufregend zu sehen, wie die Kids neue Dinge lernen und Fortschritte machen", sagt Miriam Geißler.

"Ich wollte mir eine Pause vom Alltagsleben in Deutschland gönnen", erzählt die 19-Jährige. Seit September vergangenen Jahres ist sie jetzt schon in Chicago, lebt in einem Vorort namens Inverness. "Ich lebe hier sozusagen in einer umzäunten Nachbarschaft", sagt Miriam Geißler.
"Chicago ist mit dem Zug aber innerhalb von einer Stunde relativ leicht zu erreichen."

Für die USA hat sich die Abiturientin vor allem aufgrund der amerikanischen Lebensweise entschieden, die sie unbedingt näher kennen lernen wollte. "Aber eigentlich habe ich mir Chicago nicht direkt ausgesucht. Das hat sich durch meine Entscheidung für meine Gastfamilie so ergeben", erzählt die Kulmbacherin. "Trotzdem bin ich froh hier zu sein, denn Chicago ist eine tolle Stadt mit vielen spannenden Möglichkeiten."

An einem Au Pair-Jahr findet Miriam Geißler besonders gut, dass man viel mit Kindern zu tun hat. Die Möglichkeit dies auch noch mit dem Entdecken einer anderen Kultur zu verbinden - das war der ausschlaggebende Punkt für sie als Au Pair nach Chicago zu reisen.

Die Stadt selbst beschreibt die Abiturientin als sehr sauber, ordentlich und nicht zu laut. Die Menschen in Chicago seien sehr stolz auf ihre Stadt, insbesondere auch auf ihre Sportteams. "Man kann nicht durch die Stadt laufen ohne Leute mit T-Shirts, Jacken oder Baseballcaps mit den Logos der Sportmannschaften zu sehen", erzählt sie.

Per Bewerbung ins Ausland

Miriam Geißler ist über eine Organisation als Au Pair unterwegs, die sich Aupaircare nennt. Zunächst musste sie eine Online-Bewerbung ausfüllen und hinreichend Erfahrung in Sachen Kinderbetreuung nachweisen: Etliche Babysitter-Jobs, die sie hatte, waren da ideal. Die Bewerbung war dann für die Gastfamilien auf einer Online-Plattform sichtbar, so dass die Familien mit den Au Pairs in Kontakt treten konnten. "Nach einigen E-Mails und Telefonaten habe ich mich dann für meine Gastfamilie hier in Chicago entschieden" sagt Miriam Geißler. "Danach musste ich ein polizeiliches Führungszeugnis, Reisepass, sowie mein Visum beantragen und dann auch zur amerikanischen Botschaft nach München fahren."

Familie aus dem Pakistan

Nachdem das ganze Prozedere überstanden war, kam die Kulmbacherin schließlich bei einer Familie mit pakistanischen Wurzeln unter. "So habe ich die Möglichkeit, auch noch etwas über diese Kultur zu erfahren", sagt sie. In der Gastfamilie muss sie sich vor allem um das Wohlergehen der beiden Kinder Zara und Zohaib kümmern. Sie muss die Kleinen für die Schule und den Kindergarten fertig machen und danach auch die Hausaufgaben mit ihnen erledigen. Außerdem muss sie das Haus in Ordnung halten, Einkaufen gehen oder Wäsche waschen. "Am Wochenende habe ich dann Freizeit, die ich meistens mit Freunden hier verbringe."

Die jungen Au Pairs kommen in eine fremde Familie, müssen eine andere Sprache sprechen und sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden, verständlich also, dass Miriam Geißler vor ihrer Anreise ein wenig nervös war. "Ich hatte Angst den Anforderungen nicht gerecht zu werden", erzählt sie. Aber auch wenn zunächst vieles neu und ungewohnt war, kommt die 19-Jährige in ihrer neuen Umgebung mittlerweile bestens zurecht. Und auch die englische Sprache bereitet ihr keinerlei Probleme mehr. "Ich merke wie sich meine Sprachkenntnisse durch den täglichen Gebrauch verbessern", sagt sie.

Aufgrund der pakistanischen Abstammung der Gastfamilie, steht auf dem Speiseplan der 19-Jährigen in erster Linie orientalisches Essen. "Das bedeutet viel Reis, Hühnchen, Linsen-Gerichte und Brot. Aber es gibt natürlich auch Fast Food, wie zum Beispiel Chicago Style Pizza", erzählt die 19-Jährige. Trotzdem fehlt ihr mit der Zeit die typisch fränkische Küche. "Ich freue mich auf gutes Essen, ordentliches Leitungswasser und darauf, nicht mehr so viel Verantwortung tragen zu müssen, wenn ich wieder daheim bin", sagt sie. Ein Au Pair-Jahr kann die Kulmbacherin jedem weiterempfehlen, und auch mit ihrer Gastfamilie will sie in Zukunft Kontakt halten.

"Ich würde die Erfahrung keinesfalls missen wollen", sagt sie. "Meine wichtigste Erfahrung ist die Erkenntnis, dass man oft zu viel mehr imstande ist, als man selbst von sich erwartet. Man muss nur den Mut haben, einfach mal etwas neues auszuprobieren."