Es waren eigentlich nur kleine Mengen, wenige Gramm Marihuana oder Methamphetamin, die heute am Kulmbacher Amtsgericht Gegenstand der Verhandlung waren. Ausschlaggebend war die Frequenz der Taten und die damit verbundene Unbelehrbarkeit des Angeklagten, die am Ende eine Haftstrafe von über zwei Jahren rechtfertigten. In insgesamt 46 Fällen wurden dem Kulmbacher unerlaubtes Handeltreiben und unerlaubter Erwerb von Betäubungsmitteln nachgewiesen, in einem weiteren Fall hat er einem damals Minderjährigen Marihuana überlassen - das alles, während er unter offener Bewährung stand.

Schwierige Beweisaufnahme

Zu Beginn der Verhandlung im April war die Staatsanwaltschaft noch von über 90 Einzelfällen ausgegangen - während des Prozesses wurden viele davon nicht weiter verfolgt, weil sie keine Auswirkungen auf das Strafmaß gehabt hätten. Schon der erste Verhandlungstag hatte gezeigt, dass die Beweisaufnahme und damit auch der Tatnachweis kompliziert werden könnten. Zwar machte der Angeklagte detaillierte Angaben, zeigte sich allerdings nur in einigen Punkten geständig, während er andere Vorwürfe komplett von sich wies - nicht ohne sich dabei wiederholt zu widersprechen.

Dank umfangreichen Ermittlungen der Polizei lag dem Gericht eine Liste mit über 15 Personen vor, die in Drogengeschäfte mit dem Angeklagten verwickelt sein sollen. Allerdings laufen gegen fast alle potenziellen Zeugen bereits parallel Strafverfahren. Wie beim ersten Termin machten auch heute die meisten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten.

Wichtiger Zeuge sagt aus

Doch nicht alle schwiegen. Ein wichtiger Zeuge machte Angaben - dem damals noch Minderjährigen soll der Angeklagte Marihuana überlassen haben. Im April hatte der Beschuldigte angegeben, dass er über das Alter des Bekannten nicht Bescheid gewusst habe. Dieser sagte heute allerdings aus, sein Alter sei sehr wohl Thema gewesen - da ihn die älteren Freunde immer damit aufgezogen hätten.

Dieser Sachverhalt war am Ende auch der einzige Punkt, bei dem sich nicht alle Beteiligten einig waren - alle anderen verbliebenden Vorwürfe sahen sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidiger Andreas Piel bestätigt. Zugunsten des Angeklagten werteten beide Seiten, dass er zumindest ein Teilgeständnis abgelegt hatte. Allerdings ist der 26-Jährige einschlägig vorbestraft und hat die Straftaten in offener Bewährung begangen - das fiel schwer ins Gewicht.

Staatsanwalt Stefan Kolb berief sich zudem auf die Aussage eines Polizeibeamten. Der hatte dem Angeklagten während des ersten Verhandlungstages Unbelehrbarkeit attestiert und betont, er sei eine bekannte Kontaktperson in der Kulmbacher Szene und seit Jahren kriminell aktiv. Kolb forderte in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

"Die Bewährungsfrage stellt sich bei der Vorstrafe und der Vorgeschichte nicht", befand Verteidiger Piel - er hielt eine Haftzeit von zwei Jahren für angemessen. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Auch Richterin Nicole Allstadt sah keine Möglichkeit für Bewährung.

Gutachter Klaus-Peter Klante hatte zuvor angemerkt, der Fall sei ein Paradebeispiel für "Therapie statt Strafe". Diese Option kann vom Angeklagten angestrebt werden, nachdem er einen Teil seiner Strafe verbüßt hat. Allerdings bereitet die Staatsanwaltschaft schon die nächste Anklage gegen ihn vor.