Dieser Ladendiebstahl war an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Drei Männer betraten den Edeka-Verbrauchermarkt am Goldenen Feld, wählten in der Spirituosenabteilung seelenruhig die edelsten und teuersten Schnäpse, Brände und Champagnersorten aus und fuhren mit zwei Einkaufswagen schnurstracks bei der Eingangstür wieder hinaus. Einfach so, ohne zu bezahlen.

Einer aus dem Trio, ein 35-jähriger polnischer Staatsangehöriger aus Hamburg, musste sich jetzt wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten. Weil er nicht vorbestraft war und mittlerweile einer geregelten Arbeit nachgeht, kam er mit einer Geldstrafe von 85 Tagessätzen in Höhe von 25 Euro (2125 Euro) davon.

Erst wollte er den Diebstahl bestreiten und ließ über seinen Verteidiger Oskar Derkacz aus München eine entsprechende Erklärung verlesen. Dann legte das Gericht die DVD mit den Aufnahmen aus der Überwachungskamera ein. Auf dem Großbildschirm war praktisch die gesamte Tat aus verschiedenen Perspektiven gestochen scharf und in Farbe zu sehen.

Eifrig füllten die drei Täter ihre beiden Einkaufswagen randvoll, unter anderem mit 13 Flaschen vom teuersten Champagner, 42 Flaschen Jack Daniels und vielen weiteren alkoholischen Getränken im Gesamtwert von 2285 Euro. Danach spazierten die beiden anderen seelenruhig zurück in Richtung Eingang, schlenderten durch die Obstabteilung und fuhren mit den Wagen unbemerkt von den Passanten einfach nach draußen.

Auch in Wuppertal straffällig

Der Angeklagte fungierte dabei als eine Art "dritter Mann", der voranging und schaute, ob die Luft rein ist.

Die Polizei konnte aufgrund der hervorragenden Qualität der Aufnahmen die drei Ladendiebe schnell ermitteln. Dabei stellte sich auch heraus, dass gegen die drei in Wuppertal ebenfalls ein Verfahren wegen gemeinsamen Ladendiebstahls anhängig ist. Die Tatausführung dort war nahezu identisch; allerdings ließen die Männer dort ihre Wagen mit Waren im Gesamtwert von rund 1800 Euro stehen. Offenbar waren sie gestört worden.

Nach langem Hin und Her und einem ausführlichen Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen kamen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht überein, dass der Angeklagte die Tat doch zugibt und seinen Einspruch gegen einen entsprechenden Strafbefehl auf die Rechtsfolge beschränkt.

Angeblich auf dem rechten Weg

Das heißt: Während in dem Strafbefehl noch von einer Geldstrafe mit über 100 Tagessätzen die Rede war, wurde ihm im Falle seines Geständnisses nun eine niedrigere Strafe in Aussicht gestellt. Und Geldstrafen von unter 100 Tagessätzen erscheinen außerdem nicht im polizeilichen Führungszeugnis.

Der Vorfall tue seinem Mandanten sehr leid. Er habe sich von seinem bisherigen Umfeld losgesagt und ein neues Leben begonnen, ließ der Angeklagte nun über seinen Verteidiger erklären.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung plädierten nun auf die letztlich auch verhängten 85 Tagessätze zu jeweils 25 Euro. Dabei kam unter anderem zur Sprache, dass der Mann nicht vorbestraft war, dass er jetzt angeblich auf dem rechten Weg sei und für Frau und Kinder zu sorgen habe.

Nachweisbar wäre ihm die Tat auch so gewesen, sagte Richterin Sieglinde Tettmann während der Urteilsverkündung: "Der Angeklagte ist als der dritte Mann identifiziert." Ob die beiden Mittäter schon verurteilt wurden, kam in der Verhandlung nicht zur Sprache.