Der Landkreis Kulmbach wird zur Filmkulisse - zumindest bis zum Frühjahr 2022. Das Team des Kulmbacher Filmwerks rund um Axel Klawuhn will das Leben Fritz Hornschuchs im großen Stil verfilmen und auf die Kinoleinwand bringen. Da der Film zeitlich zwischen 1900 und 1945 spielt, braucht es zahlreiche Requisiten aus dieser Zeit, vor allem Automobile. "Fritz Hornschuch war ein Autonarr", erklärt Wolfgang Krebs, der nicht nur für die Organisation der Fahrzeuge verantwortlich ist, sondern im Film auch die Rolle des Chauffeurs spielen wird.

Erste Anlaufstelle war für das Filmwerk der Oldtimer-Stammtisch Kulmbach mit Ehrenvorsitzendem Walter Schaller. "Wir waren gerne bereit zu helfen, wobei es fast unmöglich ist, Fahrzeuge von 1900 bereitzustellen", erklärt der Oldtimer-Fan. Zusagen gebe es zum Beispiel schon für Audi DKW oder Ford, "einen Horch oder Maybach aus den 20er oder 30er Jahren aufzutreiben, ist nicht das Problem, jedoch würde der mit seinem Wert von um die 800 000 Euro den finanziellen Rahmen sprengen."

Auf der Suche nach Oldtimern

Im Film wird Wolfgang Krebs den Industriellen Hornschuch voraussichtlich in einem Ford von 1928 herumkutschieren, bereitgestellt von dessen Besitzer Robert Gutgesell. "Wir versuchen, die Automobile vorwiegend aus dem nordbayerischen Raum zu beschaffen, damit die Bereitstellungskosten möglichst niedrig bleiben", erklärt Walter Schaller, der sein gesamtes Netzwerk abgeklopft hat. Es mache keinen Sinn, einen 1908er Peugeot aus Bad Doberan herbeizuschaffen. Insgesamt werden etwa 15 bis 20 Fahrzeuge benötigt, die voraussichtlich von ihren Eigentümern selbst im Film gesteuert werden. Für seine Rolle wird Wolfgang Krebs in das Oldtimerfahren eingewiesen, und er ist schon sehr gespannt. "Die Autos haben natürlich keine Servolenkung, man spürt die ganze Technik und muss konzentriert fahren", sagt Walter Schaller.

Ganz schön anspruchsvoll, wenn man dabei auch noch schauspielern muss. Aber: Jeder, der Autofahren könne, könne auch lernen, einen Oldtimer zu steuern. "Wir werden bevorzugt auf nicht so dicht befahrenen Strecken drehen, die dann kurzfristig abgesperrt werden", erklärt Krebs.

Auch Militärfahrzeuge aus dieser Zeit müssen beschafft werden, hier wurde der Schauspieler unter anderem in Bayreuth fündig. "Da gibt es eine Truppe, die alte Militärjeeps sammelt, auch die zugehörige Montur können sie beisteuern und werden sie im Film selbst tragen", so Klawuhn. Sogar drei bis vier Frauen in Soldatenuniform seien dabei. "Die Jeeps brauchen wir für die Belagerung der Hornschuchvilla durch die Amerikaner, die dort ihr Hauptquartier einrichteten und die Verhöre durchführten."

Fliegerangriff wird nachgestellt

Sogar den Fliegerangriff, den es auf Mainleus gab (die Einschusslöcher sind noch in der Spinnerei zu sehen), will Axel Klawuhn mit seinem Team nachdrehen. Co-Produzent Kay-Uwe Rott, der über viele Jahre für die Bavaria Film in München produzierte, ist für die Beschaffung des Flugzeuges zuständig. "Das Flugzeug wird allerdings am Tag vor dem Dreh in Bayreuth und nicht in Kulmbach landen, denn die Landebahn ist hier zu kurz", erklärt Axel Klawuhn.

Am Drehtag selbst werde der Luftangriff dann direkt von Bayreuth aus auf Mainleus geflogen. "Hier wird auch geschossen, weshalb wir einen professionellen Waffenmeister organisiert haben." Der Experte aus München bedient und bestückt die Waffen und instruiert die Schauspieler. Die historischen Waffen selbst stammen von einer Firma aus Österreich, "das wird ein beeindruckendes Motiv und in Mainleus sicher für Gesprächsstoff sorgen", sagt Klawuhn.

"Das passt wie die Faust aufs Auge"

Darüber hinaus ist es dem Filmemacher wichtig, möglichst viele regionale Unternehmen in den Filmdreh mit einzubeziehen. Die Kostüme für die Darsteller und Komparsen kämen zwar großteils aus den Bavaria Filmstudios, aber: Die Hauptdarsteller werden von der Schneiderei Högen in Kulmbach nach Maß eingekleidet. "Es freut uns, dass Axel Klawuhn die Region unterstützen will. Für uns ist das eine ganz besondere Aufgabe, die in der Pandemie zur rechten Zeit kommt", erklärt Inhaberin Tanja Schneider.

Ihr Sohn Nico ist für Schnitt und Anfertigung zuständig, was den jungen Schneider begeistert, denn: "Mein Interesse für Anzüge beginnt in den 20er Jahren, das passt wie die Faust aufs Auge." Die verschiedenen Zeitepochen spielten bereits in seiner Schneiderausbildung im Fach "Modekunde" eine große Rolle und das kommt ihm jetzt zugute. "Wir haben in der Ausbildung gelernt, was und wie es getragen wurde. Jetzt suche ich mir Bilder aus der Zeit und stelle die Schnitte selbst her."

100 Stunden für Maßanfertigung

An einem ersten Kleidungsstück arbeitet er bereits, nämlich an der Chauffeursuniform für Wolfgang Krebs. "Eine solche Maßanfertigung verschlingt etwa 100 Arbeitsstunden, vielleicht ein bisschen mehr." Es werde traditionell handwerklich und viel mit der Hand genäht. Natürlich würden er und seine Mutter sich freuen, für das Filmprojekt auch namhafte Schauspieler einkleiden zu dürfen, aber das sei nicht das Wichtigste.