Wenn wir über Kulmbacher Haussteine berichten, darf auch das Gebäude an der Ecke Kressenstein/Hans-Hacker-Straße nicht fehlen. Neben dem sechszackigen Stern auf der Seite zur Hans-Hacker- Straße hin befinden sich noch andere Symbole, das bayerische Rautenwappen, das Stadtwappen, das Brauer- und Mälzerwappen, ein Maskenstein und das Familienwappen der Petz.
Der Familie gehörte die gleichnamige Petz-Bräu. Ursprünglich stand diese an der Feuergasse zur Langgasse, heute befindet sich dort die "Woolworth"-Filiale.

Unter der Leitung des mit der Petztochter Adelheit verheirateten Wilhelm Müller wurde vor den Toren der Stadt ein Brauereineubau mit einem Verwaltungsgebäude errichtet.


Weder Juden, noch Freimaurer


Verschiedentlich wird der Stern, um den es nun geht, auch als Judenstern oder Freimaurersymbol bezeichnet. Als Judenstern kann er aber nicht entstanden sein, denn dieser besteht aus zwei ineinander verwobenen gleichseitige Dreiecke.

Das nach unten weisende Dreieck besagt, dass der Mensch sein Leben von Gott erhalten hat. Das nach oben weisende Dreieck steht dafür, dass der Mensch zu Gott zurückkehren wird. Die zwölf Ecken des Sterns sollen die zwölf Stämme Israels darstellen, außerdem stehen die sechs Dreiecke für die sechs Schöpfungstage und das große Sechseck in der Mitte für den siebten, den Ruhetag.
Dieses wichtige religiöse Symbol des Judentums mit verwobenen Dreiecken hätte der ansonsten sehr schön und genau arbeitende Steinmetz hier mit Sicherheit detailgetreuer dargestellt.


Hochburg der NSDAP


Sollte es also ein Freimaurer-Symbol sein? Kommerzienrat Müller soll als begeisternder Freimaurer auch der Kulmbacher Loge angehört haben. Das normale in unserer Gegend verwendete Freimaurer-Symbol besteht aus einem Zirkel und einem Winkel. Tatsächlich sind in der Form der beiden Freimaurerwerkzeuge die beiden ineinandergreifenden Dreiecke einfach zu erkennen.

Nachdem Kulmbach aber eine Hochburg der NSDAP war und mit Alfred Rosenberg einen hier gerne gesehenen prominenten geistigen Führer dieser Partei als Gast hatte, kann davon ausgegangen werden, dass der Stern als Freimaurerzeichen das Dritte Reich nicht überlebt hätte. Rosenberg nämlich stand in schärfster Gegnerschaft zur Freimaurerei und schrieb unter anderem: "Die deutsche Freiheitsbewegung (N.S.D.A.P.) hat der Freimaurerei den Kampf angesagt. Gegensätze dürfen nicht überkleistert, sondern müssen bis zur Entscheidung durchgekämpft werden."


Auch Zoiglstern genannt


Was den Kulmbacher Stern angeht, bleibt also nur der Schluss, dass es sich hier um den Brauerstern handeln muss. Dieser wird auch sehr gerne als Zunftzeichen der Brauer und Mälzer verwendet. In der Oberpfalz ist er als Zoiglstern bekannt sowie als Hinweis auf die Ausgabestelle des Haustrunks.
Der sechszackige Stern aus zwei ineinandergesteckten Dreiecken symbolisiert die drei am Brauen beteiligten Elemente Feuer, Wasser und Luft und anderseits die schon im Mittelalter bekannten Zutaten Wasser, Malz und Hopfen. Die Hefe war damals noch nicht bekannt.

Bereits 1425 wird in einem alten Hausbuch ein Bierbrauer an einem Sudkessel mit Brauerstern abgebildet. Das Zeichen wird mit der Braugerechtigkeit verbunden, das heißt, mit dem Recht, Bier zu brauen.


Wahrzeichen der Brauer und Mälzer


Als Schankzeichen wurde er aufgehängt, wenn frisches Bier ausgeschenkt wurde. Der Stern diente im Mittelalter einer Bevölkerung, die nicht lesen und schreiben konnte, als Wegweiser zum Bier. Ein roter Stern verkündete den Ausschank von dunklem Bier, ein heller Stern versprach helles Bier.
Der Stern wird auch gerne als Schutzsymbol gegen Feuer und Dämonen verwendet. So soll damit auch Unheil von der Braustätte abgewendet werden.

Auch heute sehen wir den Stern in der Kulmbacher Gruppe, die Würzburger Hofbräu verwendet diesen.

Den Kulmbacher Stern sehen wir aber an diesem Gebäude noch ein zweites Mal. Ganz oben am Eckerker in einer Bierkaraffe ist er mit gutem Auge oder einem Fernglas wahrzunehmen. Hier grüßt er seit 1896 die Besucher unserer Bierstadt als unser Wahrzeichen der Brauer und Mälzer.