Den Landkreis Kulmbach zum Vorzeigelandkreis für die Datenversorgung der Zukunft zu machen, das ist ein Anliegen der SPD-Kreistagsfraktion mit Simon Moritzan der Spitze. Aus diesem Anlass hatte er am Donnerstagabend in den Saal des Wirtshauses "Zum Gründla" zu einem Vortrag des Experten Siegbert Reuther eingeladen.


"Glasfaser ist der Asphalt der Digitalisierung"


Unter dem Titel "Glasfaser ist Zukunft - Glasfaser in jedes Haus" erläuterte der Chef der Firma NetConsulting aus Bad Staffelstein zunächst die Gründe, weshalb diese Art der Datenübertragung in Zukunft unumgänglich sein wird. "Glasfaser ist der Asphalt der Digitalisierung", sagte er, der gesamte Wohlstand werde künftig auf dem Einsatz von Glasfaserkabeln basieren. "Kupferkabel stoßen an ihre Grenzen, riesige Datenmengen lassen sich über das vergleichsweise sehr dünne Glasfaserkabel viel effizienter transportieren."

Vor allem in Einsatzgebieten wie der Telemedizin sei die Glasfaser ein wertvolles Medium, denn sie ermögliche beispielsweise die vernetzte Kommunikation zwischen Arzt und Patienten auch unabhängig vom Internet.


Schulen sind Herausforderung


Eine weitere Herausforderung stelle die Ausstattung der Schulen dar. Das digitale Klassenzimmer solle kommen, doch ohne den entsprechenden Zugang könnten die digitalen Kompetenzen von Schülern, wie sie in zukünftigen Lehrplänen angedacht seien, nicht realisiert werden. "Die Schulen werden eine Glasfaserförderung erhalten, jedoch muss man sich bewusst sein, dass in den Schulgebäuden einiges getan werden muss, um Glasfaser in jedes Klassenzimmer zu legen", gab Siegbert Reuther zu bedenken.

Auch im Energiesektor käme die Gesellschaft nicht mehr länger an der Ausstattung mit Glasfaser vorbei. "Ein vernetztes, dezentrales Energiesystem, ein sogenanntes Smart Grid, braucht die Glasfaser", sagte Reuther. Für einen Landkreis wie Kulmbach sieht er im Glasfaserausbau viele Chancen. "Man kann den anderen Landkreisen ein großes Stück enteilen und als digitaler Landkreis die Unternehmen und Berufsbilder der nahen Zukunft anziehen", ein gutes Standortmarketing also. Dabei tut es Not, dass sich in Deutschland etwas tut, rangiere man doch in Europa in Sachen Glasfasereinsatz an vorletzter Stelle. "Hier sind aber auch die einzelnen Bürger gefragt mitzuziehen", sagte Siegbert Reuther. Denn dass die Glasfaser flächendeckend kommen wird, davon ist er überzeugt.

"Viele wehren sich derzeit aber noch, neue Kabel zu ihrem Haus legen zu lassen, selbst wenn sie keine weitere Verpflichtung eingehen und ihnen keine Kosten entstehen." Dass der ganze Vorgarten für die Verlegung aufgegraben werden müsse, sei auch eine Sache der Vergangenheit, heutzutage reichten schmale Schlitze.


Hausbesitzer blockieren


"Bei einem Pilotprojekt in Bad Staffelstein haben wir allerdings festgestellt, dass die Zustimmung der Hausbesitzer eine unerwartete Herausforderung darstellt", sagte Reuther.

Im Landkreis Kulmbach sind in allen 22 Kommunen Glasfaseranschlüsse verfügbar oder zumindest in Planung oder im Bau. Die Förderschwelle für die Glasfaseranbindung liegt derzeit noch immer bei 30 MegaBit je Sekunde. Wessen Versorgungswert darüber liegt, der kann auf einen eigenwirtschaftlichen Ausbau hoffen. Die Vorteile der Glasfaser liegen nicht nur im geringen Durchmesser des Kabels von gerade einmal zwei Millimetern, sondern es gibt auch keine Längenabhängigkeit und damit keinen Leistungsabbau. "Es wird wahrscheinlich mehr Fördergelder geben als man verbauen kann", sagte Reuther und appellierte an die Gemeinden, zusammenzuarbeiten.

"Landkreismodelle werden vom Bund gefördert, Einzelkämpfer können weniger erreichen als ein Verbund", so der Referent. Das von der Bundesregierung versprochene Gigabit-Netz für alle bis 2025 sieht er jedoch als ehrgeiziges Ziel, realistischer ist für ihn eine 100-prozentige Abdeckung bis 2028 oder 2030. "Aber auch um das zu erreichen, muss jetzt begonnen werden!"