Schon in Kürze werden die ersten zehn Menschen in die neue Obdachlosenunterkunft in der Schützenstraße einziehen können. Auf dem ehemaligen Gelände der Stadtwerke wurde ein Komplex mit Wohncontainern errichtet. 800 000 Euro hat Stadt dafür in die Hand genommen.

"Wir haben aber nicht nur neuen Wohnraum für Menschen in Not geschaffen, sondern ein ganz neues Gesamtkonzept umgesetzt", sagte Oberbürgermeister Henry Schramm bei einer Begehung am Freitagvormittag. Viele Menschen seien oft unverschuldet in Not geraten und bislang sich selbst überlassen gewesen - "und das teilweise mit Problemen, die sie nicht selbst lösen konnten". Das neue Konzept sehe eine psychosoziale Betreuung und Beratung durch das BRK vor, mit festem Büro und geregelten Öffnungszeiten.

Ansprechpartnerin vor Ort

"Wir wollen versuchen, die Obdachlosen darin zu unterstützen, einen Weg in ein normales Mietverhältnis zu finden", erklärte Ingrid Schweiger vom BRK. Ihre Kollegin Margita Müller wird daher als Ansprechpartnerin vor Ort sein. Bereits im November haben sie mit ihrer Arbeit begonnen und die neuen Bewohner auf deren Umzug vorbereitet. "Eine große Herausforderung für diese Menschen ist es, etwas Gewohntes aufzugeben und etwas Neues anzufangen", erklärte Müller.

Ein Neuanfang dürfte den Betroffenen jedoch angesichts der Räumlichkeiten leicht fallen. "Jede Wohneinheit hat einen eigenen Zugang, jeder Bewohner einen eigenen Briefkasten", sagte Schramm. Ein Umstand, den er für besonders wichtig hält. "Im Vergleich zu den bisherigen Unterkunftsmöglichkeiten haben wir hier eine wesentliche Verbesserung erzielt", sagte er und bedankte sich insbesondere bei Simon Ries von der Stadtverwaltung und Michael Münch, von der Städtebau, die das Projekt mit großem Engagement durchgezogen hätten.

"Wir haben Familien- und auch Einzelunterkünfte, jeweils mit Kochgelegenheit und eigenem Bad", erklärte Michael Münch. Im Erdgeschoss gebe es darüber hinaus auch Vierbett-Zimmer mit Sanitärraum für Obdachlose auf der Durchreise. Eine Nutzungssatzung soll dafür sorgen, dass die Grundregeln eines guten Miteinanders eingehalten werden.

Landkreis mit im Boot

Zur neuen Unterkunft gehören weiter eine Waschküche mit Waschmaschinen, ein Gemeinschaftsraum mit Küche und Fernseher und ein überdachter Freisitz. Für den weiteren Unterhalt inklusive Sicherheit und Reinigung rechnet die Stadt mit etwa 145 000 Euro pro Jahr.

Auch der Landkreis sitzt mit im Boot, unter anderem erhalten die Bewohner Leistungen aus dem Sozialgesetzbuch. "Uns alle hat der Gedanke bewegt, menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen", sagte Landrat Klaus Peter Söllner, mit dem neuen Drei-Säulen-Konzept Unterkunft, Satzung und psychosoziale Betreuung sei dies gelungen.

Stellvertretende Landrätin Christina Flauder, die sich seit Jahren für die Belange der Obdachlosen einsetzt, zeigte sich sehr zufrieden und hat schon die ersten gemeinschaftlichen Aktionen mit den Bewohnern geplant, etwa gemeinsames Kochen. "Vor Kurzem führte ich mit einigen Obdachlosen ein Gespräch, und einer der Betroffenen sagte mir unter Tränen, dass er sich nicht mehr als Rand der Gesellschaft sehe", erzählte sie.