Das Mädchen war bei den angeklagten vier Vorfällen zwischen zehn und 14 Jahren alt. Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte jede Schuld von sich gewiesen, während das heute 21-Jahre alte Opfer die Vorwürfe noch einmal wiederholte.

Nachdem eine Sachverständige der jungen Frau uneingeschränkte Glaubwürdigkeit attestiert hatte, urteilte das Gericht unter Vorsitz von Nicole Allstadt auf sexuellen Missbrauch von Kindern und von Schutzbefohlenen.

Von der Mutter geschieden

Der Angeklagte war von der Mutter des Opfers längst geschieden. Das Mädchen kam immer nur stundenweise, meist an den Wochenende, auf Besuch zum Vater. Insgesamt vier Übergriffe hatte die Staatsanwaltschaft aufgelistet, die stets nach dem gleichen Muster erfolgt sein sollen. Erst soll der der Angeklagte das Mädchen gestreichelt und geküsst haben, dann soll es zu intimen Berührungen mit sexuellen Hintergrund gekommen sein. Tatorte waren zweimal die Couch im Wohnzimmer des Mannes, einmal das Auto, ein weiteres Mal das Ehebett.

"Nichts davon ist wahr", sagte der Angeklagte vor Gericht. Weder habe er sexuelle Neigungen zu Kindern, noch habe er irgendwelches pornografisches Material auf seinem Computer oder sonst wo. Wenn ihn seine Tochter nach Jahren mit derart schweren Vorwürfen überziehe, dann könne er sich das nur mit dem aufgestauten Frust der jungen Frau erklären.

Schon in der Schule sei die Tochter als notorische Lügnerin aufgefallen.

Polizei vor Ort

Als weiteren Grund für die Vorwürfe vermutete der Angeklagte die Scheidung von seiner zweiten Frau. "Da wurde allerhand schmutzige Wäsche gewaschen", sagte er. Sogar die Polizei sei wegen angeblicher häuslicher Gewalt im Einsatz gewesen, ein Verfahren gegen ihn sei allerdings eingestellt worden.

Die Tochter aus der erster Ehe, also das angebliche Opfer, und die zweite Ehefrau hätten plötzlich einen auffällig guten Draht zueinander entwickelt, sich die ganzen Vorwürfe ausgedacht, so erklärte der Angeklagte. Die Kinder, die er mit seiner zweiten Ehefrau hat, darf er seit der Scheidung nicht mehr sehen.

Ein ganz anderes Bild ergab sich bei der Zeugenvernehmung des Opfers. Dabei bestätigte sie die Anklage in vollem Umfang. Sie sei erst über vier Jahre nach dem letzten Vorfall zur Polizei gegangen, nachdem sie sich zunächst ihrem damaligen Freund und dann der geschiedenen zweiten Frau ihres Vaters anvertraut habe. Die Frau sei es auch gewesen, die sie ermuntert habe, Anzeige zu erstatten. Hintergrund sei ihrer Aussage zufolge, dass die gemeinsame Kinder des geschiedenen Paares heute genau in dem Alter sind, in dem auch sie gewesen sei, als der Angeklagte übergriffig geworden sei.

"Komische Stimmung"

Auch die geschiedene Frau musste als Zeugin aussagen. Sie berichtete, dass beim gemeinsamen Zusammentreffen mit der Tochter meist eine "komische Stimmung" geherrscht habe. Oft sei die Laune der jungen Frau schlagartig gekippt.

Die Sachverständige, Psychologin Gabriele Drexler-Meyer aus Nürnberg, hatte dem Opfer uneingeschränkte Glaubwürdigkeit attestierte und keine Hinweise dafür gefunden, dass der Frau irgendetwas eingeredet worden sei. Deshalb forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwei Jahren und elf Monaten. Die junge Frau sei noch immer nachhaltig beeinträchtigt, sagte der Anklagevertreter. Verteidiger Frank Stübinger plädierte dagegen auf Freispruch. Sein Mandant habe die Tochter nie angefasst, sagte der Rechtsanwalt. Die Initiative zur Anzeigeerstattung sei allein von der Ex-Ehefrau gekommen.

Das sah die Schöffenkammer anders und blieb mit ihrem Urteil von zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Übergriffe seien keinesfalls im unteren, sondern eher im oberen Bereich anzusiedeln, sagte Richterin Allstadt. Sie wertete es zu Lasten des Angeklagten, dass er versucht hatte, seine Tochter als Lügnerin darzustellen.