15 Jahre lang haben Sie die Geschicke des Vereins Nepalhilfe Kulmbach geleitet. Voller Enthusiasmus und mit großem persönlichem Einsatz haben Sie sowohl Vorstandskollegen und Vereinsmitglieder, aber auch Sponsoren motiviert, sich ebenfalls zu engagieren. Wer kam denn eigentlich auf die Idee, den Verein zu gründen und was war der Anlass?
Peter Pöhlmann: Als ich 1992 zum ersten Mal zu einer Trekkingtour in Nepal war, hat mich die fantastische Landschaft begeistert, aber auch die Armut und der Hunger der Menschen dort schier überwältigt. Wieder zu Hause, habe ich meinen Freunden Sonja Promeuschel und Hans Hunger davon erzählt - und bald haben wir uns zu dritt nach Nepal aufgemacht. Hans hatte kurz darauf seinen 60. Geburtstag und wünschte sich keine Geschenke, sondern Spenden für eine Schule in Nepal. Die Resonanz war grandios, es kamen 16.000 Euro zusammen - unser Startkapital für eine erste Hilfsaktion.

Sie wollten also helfen. Wie wollten Sie dabei vorgehen, was waren Ihre konkreten Ziele?
Nach kurzer Überlegung war uns klar, dass wir einen gemeinnützigen Verein gründen wollten, um effektive Hilfe leisten zu können - und das haben wir dann mit immerhin 27 Mitgliedern gemacht: den Nepalhilfe Kulmbach e.V. - heute haben wir aktuell 352 Mitglieder.

Wir wollten aber nicht einfach Geld verschenken, sondern vielmehr Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die Menschen sollten im Idealfall dazu angeregt und befähigt werden, sich selbst zu helfen bzw. sich selbst Hilfe zu organisieren. Am sinnvollsten schien uns, den Kindern Bildung zu geben und ihnen so einen Weg aus der Armut zu zeigen.

Welche konkreten Projekte haben sich bei der Umsetzung Ihrer Ziele herausentwickelt?
Zuerst haben wir etwas für die Kinder gemacht und für die Tillingathar-Schule in Kathmandu und für die Grund- und Hauptschule in Malekhu Schulräume gebaut, Sanitäranlagen und eine Wasseraufbereitungsanlage. Für die Grundschüler der Malekhuschule haben wir eine tägliche Schulspeisung eingerichtet (für 380 Kinder) - das ist für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig - für viele ist es die einzige warme Mahlzeit am Tag.

Außerdem sind Zuschüsse für notwendiges Lernmaterial und eine Ausrüstung mit EDV-Anlage geflossen.
Dann haben wir in der Malekhuschule (für insgesamt 1200 Grund- und Hauptschüler) eine Gesundheitsstation mit Krankenschwester eingerichtet und haben alle Grundschüler mit Zahnbürsten ausgestattet.

Da der Staat bedauerlicherweise nicht in der Lage ist, genügend Lehrer zu stellen, beschäftigen wir sechs Privatlehrer.
Besonders dankbar bin ich für die verschiedenen Einsätze von Ärzten, Zahnärzten und zahnmedizinischen Angestellten aus unserer Region, die für alle Kosten, die sich daraus ergeben, selbst aufkommen. Wie das übrigens auch alle unsere Mitglieder tun. Bisher musste noch kein Cent der gespendeten Gelder für Reise- oder Verwaltungskosten ausgegeben werden, sondern fließt alles direkt in die Hilfsprojekte.

Wir haben aber auch an die Senioren gedacht und unterstützen das einzige staatliches Altenheim Nepals mit 250 Bewohnern.
Im Laufe der Zeit haben sich weitere Projekte herausentwickelt, wie zum Beispiel die Vergabe von Mikrokrediten, was den Leuten helfen soll, wirtschaftlich auf eigene Füße zu kommen. Wir ermöglichen so etwa den Kauf einer Ziege oder eines Schweins, das die Kreditnehmer dann aufziehen und (im glücklichsten Fall mit Nachwuchs) wieder verkaufen. Oder wir helfen bei der Gründung eines kleinen Geschäftes, wie zum Beispiel einer Schneiderei oder eines Kiosk. Auch bei Gemüse- und Obstanbau haben wir schon mit Minikrediten erfolgreich aus den Startlöchern geholfen.

Zuletzt möchte ich noch an das Siddhi-Memorial-Hospital in Bhaktapur erinnern, das sich durch Spenden aus aller Welt finanziert und die Ärmsten der Armen (vor allem Muttis) kostenlos behandelt und versorgt. Wir haben das Hospital bei diversen Neubauten, (zum Beispiel Frühchenstation) und der Beschaffung von Instrumenten und Geräten (zum Beispiel Röntgengeräte und -tisch, Laboreinrichtung und Apotheke) unterstützt.

Das ist ja eine beachtliche Auflistung. Was lag Ihnen persönlich dabei besonders am Herzen?
Es war mir immer eine große Freude, in einem der zehn ärmsten Länder der Welt die Not zu lindern und vor allem Kinder zu unterstützen. Vielen konnten wir eine schulische und manche sogar eine akademische Laufbahn ermöglichen. So haben wir auch eine Krankenschwester und einen Allgemein- und Kinderarzt ausgebildet.

Welche der Projekte haben sich für Sie im Rückblick besonders bewährt?
Da denke ich vor allem an die Patenschaften und an die Schulspeisung. Durch die Patenschaften haben sich persönliche Bindung zu den Kindern aufgebaut, die meistens über die Sorge um die Schulbildung hinaus bestehen. Häufig führt es in eine Unterstützung der Berufsausbildung. Mit der Übernahme einer Kinderpatenschaft geben wir den Patenkindern die Chance auf eine selbstbestimmte Kindheit und eine bessere Zukunft. Und wir unterstützen nicht nur das Leben eines einzelnen Kindes, sondern fördern auch die Familien und Gemeinden in unserem Wirkungskreis. Wir tragen dadurch dazu bei, die ganze Region zu verändern. In Malekhu kann man das schon deutlich sehen.

Und mit der Schulspeisung sorgen wir dafür, dass viele Kinder wenigstens eine warme Mahlzeit (vielleicht sogar die einzige überhaupt) bekommen. Schätzungsweise fünf Millionen Menschen in Nepal sind unterernährt. Als Folge der chronischen Unterernährung sind über 40 Prozent der Kinder zu klein für ihr Alter - fast ein Drittel ist untergewichtig.

Können Sie mir aus dem Stand ein paar Höhepunkte aus Ihrer Arbeit als Vereinsvorsitzender nennen?
Was mich mit besonderer Freude erfüllt, ist der Bau von drei Schulen (der Schule in Kathmandu und der Grund- und der Hauptschule in Malekhu). Die Schulen von Malekhu, Bezirk Dhading, wurden übrigens von der nepalesischen Regierung als beispielhaft ausgezeichnet.

Herausragend war für mich auch nach dem verheerenden Erdbeben vor zwei Jahren der Schulterschluss mit der Adalbert-Raps-Stiftung und der Firma Dechant. Die haben uns auf ihre Kosten Mitarbeiter mitgeschickt, um für die Familien unserer Patenkinder die zerstörten Häuser erdbebensicher wieder aufzubauen bzw. zu ersetzen. Inzwischen sind von den geplanten 30 Häuschen bereits 22 fertig. Wir haben die Häuser zum größten Teil finanziert - jetzt werden sie noch mit Sanitär- und Solaranlagen ausgerüstet.

Und besonders hat mich auch gefreut, dass es gelungen ist, die "Sternstunden" als Finanzier für den Wiederaufbau der zerstörten Grundschule in Malekhu zu gewinnen. Die haben sogar ein Fernsehteam vor Ort gehabt, das dann über unser Projekt berichtet hat. Für die Hauptschule, die ebenfalls teilweise zerstört wurde, haben wir für einen Ersatzneubau eine Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Lions Deutschland geschlossen.

Wo sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer weiteren Arbeit für den Verein?
Gerne möchte ich meine Erfahrungen und Verbindungen weiter einbringen zur Unterstützung des engagierten Teams um Sonja Promeuschel.

Zum Schluss würde ich gerne noch Ihre Wünsche für den Verein wissen.
An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei allen ehrenamtlichen Helfer, Mitgliedern, Vorständen und Beiräten für die Unterstützung meiner Arbeit bedanken. Insbesondere denke ich da an überaus engagierte und fleißige Sonja Promeuschel, an Gaby Philipp, die sich besonders um die Gesundheitsstation und die Mikrokredite in Malekhu gekümmert hat, den Schatzmeister Stefan Fechner, den Schriftführer Andreas Rebhahn, das aktive Mitglied Gerhard Weith und meinen alten Freund Hans Hunger. Aber auch an Walter Niemann, der viele Jahre die Nepalnachrichten gestaltet hat und Uschi Erbacher, die vor allem die Patenschaften der Tillingathar-Schule betreut hat. Ich wünsche und hoffe, dass der Verein weiter lebt und gedeiht. Sigrid Daum

15 Jahre Nepalhilfe Kulmbach - nachhaltige Entwicklungsförderung

Nach 15 Jahren hat der Verein 352 Mitglieder. Rund 1,75 Millionen Euro an Spendengeldern sind in nachhaltige Projekte geflossen:

1. Neubau und Förderung der Shree-Bageshwaree-School in Malekhu im Bezirk Dhading für 450 Grundschulkinder und 1000 High-School-Schüler. Zusätzlich Bau von Toilettenanlagen und einer Wasseraufbereitungsanlage sowie Photovoltaikanlagen und Warmwassersolaranlagen und eine Gesundheitsstation mit einer Zahnbehandlungseinheit.

2. Erweiterungsbau und Förderung der Tilingatar-Secondary-School in Kathmandu. Zusätzlich Bau von Toilettenanlagen und einer Wasseraufbereitungsanlage.

3. Förderung des Siddhi-Memorial-Hospital in Bhaktapur und des Karmalaya Altenheim im Pashupatinath.

4. 160 Patenschaften

5. Über 200 Mikrokredite

Alle Vorstandsmitglieder arbeiten zu 100 Prozent ehrenamtlich, jeder Cent geht nach Nepal. Flug und Unterkunft wird selbst gezahlt.

Mindestens einmal im Jahr reisen die Vorsitzenden Sonja Promeuschel und Peter Pöhlmann nach Nepal, um sich mit den nepalesischen Mitarbeitern auszutauschen und vor Ort die Projekte voranzubringen. Die wöchentliche Kommunikation via E-Mail auf Englisch ist unabdingbar, aber nicht ausreichend, um die Qualität der Projekte aufrechtzuerhalten.

Im gesamten Land sieht man immer wieder Schulen von europäischen Spendern - leider oft geschlossen. Es nützt nichts, eine Schule zu bauen, ohne für die laufenden Kosten, Reparaturen und für qualifizierte Lehrer zu sorgen; und all diese Maßnahmen auch regelmäßig vor Ort zu prüfen. Nur so werden Missstände erkannt und die Qualität der Entwicklungshilfe nachhaltig gesichert.

Die Anstellung von Lehrern stellt eine besondere Herausforderung dar. Jeder nepalische Lehrer möchte in Kathmandutal bleiben, weil es dort die einzig akzeptable Infrastruktur in Nepal gibt. Also muss man die Tätigkeit auf dem Land attraktiv machen.

In Malekhu hat der Verein zu den staatlichen Lehrern noch fünf Privatlehrer eingestellt, die besser ausgebildet sind als staatliche Lehrer und denen auch ein etwas höheres Gehalt gezahlt wird als staatliche Lehrer erhalten.

Das größte und wichtigste Projekt ist der Bau und die Förderung der Schule in Malekhu. Malekhu liegt im mittleren Bergland an der Nationalstraße zwischen Kathmandu und Pokhara. Diese Region gilt als besonders arm. Oder um in Worten der Weltgesundheitsorganisation zu sprechen: Hier lebt ein Mensch von weniger als zwei Euro pro Tag (angepasst an das Bruttoinlandsprodukt). Eine Familie hat im Schnitt 2,2 Kinder. Unter fünf Jahren sterben dort vier Prozent der Kinder. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 70 Jahren. Auf einen Arzt kommen 20.000 Menschen.

2002, bevor die Nepalhilfe nach Malekhu kam, hatte die Grundschule von der 1. bis zur 5. Klasse 100 Schüler. Das Schulgebäude bestand aus Lehmwänden und einem Wellblechdach. Das Gebäude hatte keine Fenster, der Boden war ebenso aus Lehm - und in der Trockenzeit staubig und in der Regenzeit nass. Die Schüler saßen auf wackligen Bänken, es gab keine richtige Tafel, keine Schulkleidung und keine Bücher.

Wie die Einrichtung war auch die Qualität der Lehre und der Lehrer schlecht. Alles schien hoffnungslos und ohne Aussicht auf Verbesserung. Doch das Jahr 2002 sollte zum Glücksjahr für Malekhu werden! Professor Dr. Upreti, Geologe und einer der sehr geschätzten Mitarbeiter in Nepal, machte den Verein auf die Not in Malekhu aufmerksam.

Nach der Gründung des Vereins im Jahr 2002 wurde noch im selben Jahr mit dem Bau der Grundschule begonnen.

Durch ein beispielloses Spendenaufkommen in der Kulmbacher Bevölkerung konnte im Oktober 2002 nach kurzer Planungsphase der erste Bauabschnitt mit vier Klassenräumen errichtet werden.

In mehreren Abschnitten gelang es in den folgenden Jahren bis 2005, eine dreigeschossige Grundschule mit Kinderspielplatz, Schulhof, Toilettenanlagen, Trinkwasseraufbereitung und Erschließung einer Quelle und letztendlich einer Photovoltaikanlage zu errichten, in der heute mehr als 380 Grundschüler in 15 Klassenzimmern unterrichtet werden.

Im Jahr 2005 begann die Nepalhilfe mit der Schulspeisung für alle Grundschulkinder. Das Essen besteht aus Reis, Linsen, Bohnen, Gemüse und einem Ei. Nach der Einführung der Mittagsmahlzeit stieg die Zahl der Schüler in der Grundschule von 100 Kindern auf 380.

Die Kinder, die eigentlich zu Hause für die Arbeit gebraucht wurden, durften nun dank des freien Mittagessens zur Schule gehen. So gab es bis vor einigen Jahren viele Schüler aus sehr armen Familien, die ihre einzige Mahlzeit des Tages in der Schule bekamen. Dort waren Schüler mit einem durchschnittlichen Alter von zwölf Jahren, die dem körperlichen Entwicklungsstand eines Sechsjährigen entsprachen, oft mit aufgetriebenem "Hungerbauch". All dies deutete auf eine starke Unterernährung hin.

Heute, nach fast zwölf Jahren Schulspeisung, hat sich der Gesundheitszustand der Schüler drastisch verbessert. Anzeichen von Unterernährung sind eine Seltenheit geworden!

Das Essen wird in den Klassenräumen eingenommen, da es keinen Speisesaal in der Schule gibt. Die Küche liegt ca. 100 Meter von der Schule entfernt. Dort wird noch über offenem Feuer gekocht, das nächste Frischwasser ist 100 Meter entfernt in der Schule. Ein Vorratsraum zum Kühlhalten der Speisen existiert nicht. Die Küche ist ein lohnendes Renovierungsprojekt der kommenden Jahre.

Die High School (6. bis 12. Klasse) liegt ca. 400 Meter von der Grundschule entfernt und war 2002 in ebenso baufälligem Zustand wie diese. Von einer japanischen Hilfsorganisation wurde 1995 ein Schulgebäude mit drei Räumen gebaut. 1999 wurde ein zweistöckiges Gebäude mit sechs Räumen errichtet.

Die Nepalhilfe baute 2004 erstmals Sanitäranlagen in Form von Latrinen und Waschbecken mit fließendem Wasser für beide Schulgebäude. Da die Qualität des Trinkwassers sehr schlecht war, wurde 2008 auch eine Wasseraufbereitungsanlage für beide Schulen installiert.

Die Klassenzimmer wurden von der Nepalhilfe mit richtigen Bänken und Tischen ausgestattet. Der Pausenhof der High School und zwei Jahre später auch der Pausenhof der Grundschule wurden gepflastert.

Seit 2002 ist die Nepalhilfe Kulmbach maßgeblich an dem Erweiterungsbau der High School beteiligt. Dieser wird auch vom Staat unterstützt. Heute bietet sie Platz für über 1000 Schüler von der 6. bis 12. Klasse. Diese Schule wurde von der Nepalhilfe mit 20 Computern und Lehrräumen für naturwissenschaftliche Fächer ausgestattet.

Durch immer bessere Ergebnisse bei den Prüfungen nach der 10. Klasse wurde Malekhu erlaubt, eine 11. und 12. Klasse einzurichten mit naturwissenschaftlichem Zweig. Dies war für die Lehrerschaft und den Direktor eine große Ehre. So etwas gibt es nur sehr selten auf dem Land in Nepal. Nach der 12. Klasse können die Schüler nun die Hochschulreife erreichen.

Da die Stromversorgung sehr rudimentär war mit nur maximal drei Stunden Strom am Tag, hat der Vereine eine 1200-Watt-Photovoltaikanlage an der Grundschule und eine 600-Watt-Photovoltaikanlage an der High School gebaut. Damit wurde erreicht, dass das Licht in den Klassenräumen, die Computer und das Internet ohne Unterbrechungen funktionieren. Die Photovoltaikanlagen werden auch für die Wasserpumpen und die Wasseraufbereitungsanlagen verwendet. Zu Stromausfällen kommt es dank der vielen Sonnenstunden in Malekhu fast nie. Die jährliche Wartung der Anlage erfolgt durch die Solarfirma in Kathmandu, die die Anlagen gebaut hat.

2008 hat die Nepalhilfe Kulmbach an der Grundschule eine kleine Gesundheitsstation inklusive einer zahnmedizinischen Behandlungseinheit eingerichtet. Diese wird von einer Krankenschwester, Schwester Ranjeeta, betreut.

Die Aufgaben der Krankenschwester sind vielfältig. Sie misst und wiegt die Kinder jährlich - und die Unterstützer aus Kulmbach erfahren dadurch, welche Kinder unterernährt sind. Sie führt Sehtests durch und die Nepalhilfe erfährt, welche Kinder Brillen benötigen. Durch diese Maßnahme wurden einzelne Kinder mit erheblichen Sehschwächen gefunden, die durch die Brillen jetzt enorm in der Schule aufholen konnten.

Befreundete Optiker aus Bamberg engagieren sich in Malekhu und haben bereits über 60 Kindern Brillen angepasst. Die Krankenschwester wurde von den Optikern angeleitet, wie man Brillen reparieren kann.

Nach der Empfehlung der WHO sollen alle Kinder in den Entwicklungsländern halbjährlich entwurmt werden mit einer Tablette Albendazol, zudem sollte bei vorwiegend vegetarischer Ernährung regelmäßig ein Eisenpräparat und Vitamin A gegeben werden. Alle nicht geimpften Schulkinder sollten gegen Masern, aber auch Wundstarrkrampf, Diphterie, Keuchhusten und Kinderlähmung geimpft werden. Dies alles setze die Nepalhilfe mit ihrer Krankenschwester um.

Zudem wurden für die medizinische Betreuung im Einzelfall auch Schmerz- und fiebersenkende Mittel, Antibiotika, Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial bereitgestellt.

Selbst in Nepal hätte die Beschaffung dieser Medikamente über 1000 Euro pro Jahr gekostet. Dies wäre für die Organisation eine große finanzielle Belastung gewesen. Zudem hätte sie die angekauften Medikamente überprüfen lassen müssen, denn gerade in den Entwicklungsländern wie Indien und Nepal wird mit gefälschten Medikamenten ein schwunghafter Handel getrieben.

Deshalb wurde die Organisation Action Medeor gebeten, dem Verein die notwendigen Medikamente als Spende zu überlassen.

Medeor ist ein deutsches Medikamentenhilfswerk und versorgt rund 10.000 Gesundheitsstationen mit Arzneimitteln und medizinischen Geräten in 140 Entwicklungsländern der Erde.

Die Nepalhilfe bat die Organisation Action Medeor, ihr beim Aufbau der Gesundheitsstation in Malekhu zu helfen. Nachdem nachgewiesen war, dass in der Nepalhilfe Kulmbach keinerlei Verwaltungskosten entstehen und jeder Cent der Spender zu den Bedürftigen nach Nepal geht, war für Action Medeor klar, das Projekt zu unterstützen. Sie sagten unter der Voraussetzung, dass die Verwaltungskosten weiter so niedrig bleiben, ihre zeitlich unbegrenzte Unterstützung zu. Seit 2008 wurden von Action Medeor Medikamente und medizinische Geräte in Höhe von 10.000 Euro zu dem Projekt in Malekhu versandt!

Das große Augenmerk der Nepalhilfe liegt aber nach wie vor auf der Prävention von Krankheiten: Tägliches Händewaschen vor dem Mittagessen wird von der Krankenschwester ebenso mit den Grundschulkindern eingeübt wie das tägliche Zähneputzen nach dem Mittagessen. Außerdem hält Schwester Ranjeeta auch vor den Müttern Vorträge über Hygiene, Zahnhygiene und richtige Ernährung für die Familie.

Deutsche Zahnärzte aus Franken, aber auch aus anderen Teilen Deutschlands fahren immer wieder allein oder mit dem Vorstandsgremium nach Malekhu und behandeln die Kinder. Durch die vorhandene zahnmedizinische Behandlungseinheit können nicht nur Zähne gezogen werden, sondern auch zahnerhaltend Füllungen gemacht werden. Die Arbeit in der kleinen Gesundheitsstation ist oft nicht einfach, aber macht den Zahnärzten viel Freude.

So gibt es schon einige "Wiederholungstäter", einige Zahnärzte waren bereits mehrfach in Malekhu, wie zum Beispiel Dr. Heilmann aus Würzburg, Dr. Gambal aus Hannover, Dr. Feldmann aus Stuttgart oder Dr. Thomas aus Bayreuth. Aufgrund der schlechten Zahnhygiene im Kleinkindesalter und der Süßigkeiten, die dank der Globalisierung auch in Malekhu verfügbar sind, ist die Karies ein weit verbreitetes Problem der Grundschulkinder. Selbstverständlich tragen auch die Zahnärzte die Kosten für Anreise und Unterkunft selber.

Ein wichtiges Programm ist die Vergabe von Mikrokrediten. Auch das wird von Schwester Ranjeeta betreut.

Mikrokredite wurden bereits vor 150 Jahren in Deutschland von Friedrich Wilhelm Raiffeisen gewährt. Seit 1976 hat Muhammad Yunus in Bangladesch an Millionen von Frauen Mikrokredite vergeben, und erhielt dafür 2006 den Friedensnobelpreis.

Diese Idee hat sich die Nepalhilfe Kulmbach zunutze gemacht und vergibt an die Eltern der ärmsten Kinder kleine Kredite von 30 bis 100 Euro, die von den Familien genutzt werden, um Land zu pachten für Gemüseanbau oder auch für andere Kleinprojekte, wie den Kauf eines Ferkels oder eines Zickleins, das nach erfolgreicher Mast einen guten Verkaufswert hat.
Der entscheidende Faktor des Mikrokredits ist, dass es ein Kredit ist, also nach zwei Jahren an die Nepalhilfe zurückgezahlt werden muss. So entsteht bewusst ein gewisser Druck, mit dem Geld sinnvoll zu wirtschaften. In Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Missernte, wird der Kredit natürlich erlassen.

Die Mikrokredite die die Nepalhilfe vergibt, unterscheiden sich von den großen Mikrokreditgebern, wie zum Beispiel der Grameen-Bank, wesentlich. Die Nepalhilfe nimmt keine Zinsen. Mikrokredite sind in Verruf gekommen, weil teilweise hohe Zinsen verlangt werden, das Geld mit harschen Mitteln wieder eingetrieben wird und auch auf eventuelle Versager keine Rücksicht genommen wird. Da kommen manche Mikrokreditnehmer in große Schwierigkeiten.

Aber das Programm der Kulmbacher ist von Erfolg gekrönt. Fast 90 Prozent der Familien zahlen ihren Kredit pünktlich zurück und beantragen wieder einen neuen. Insgesamt wurden bisher über 200 Mikrokredite vergeben. Das System funktioniert!

Einige Beispiele von Mikrokrediten sollen das verdeutlichen:
Budhdhiman Tamang ist der Großvater eines der Patenkinder des Vereins. Der Junge lebt bei seinem Großvater, die Eltern sind bei einem Unfall ums Leben gekommen. Er hat 2011 insgesamt 50 Euro bekommen und dafür Land gepachtet für Gemüseanbau. Er konnte das Gemüse auf dem Markt für insgesamt 400 Euro verkaufen! Er zahlte den Mikrokredit 2013 zurück und bat erneut um einen Kredit von 100 Euro. Jetzt konnte er das Land kaufen und noch mehr Gemüse anbauen. Im diesem Jahr erwirtschaftete er 800 Euro. Ein echter Erfolgsschlager!

Pampha Margar hat 2012 einen Kleinstkredit von 100 Euro von der Nepalhilfe bekommen. Sie ist 21 Jahre, verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von sechs und zwei Jahren. Die Familie lebt in einem kleinen Lehmhaus zur Miete. Ihr Wasser müssen sie aus einer öffentlichen Wasserstelle im Dorf holen, sie haben nicht einmal eine Latrine, sondern verrichten ihre Notdurft in der Natur hinter ihrem Haus.

Das Zweijährige ist unterernährt, die Mutter kann keine ausgewogene Nahrung kaufen. Sie hat ungefähr 30 Euro im Monat zur Verfügung. Für die 100 Euro Mikrokredit hat sie nun sechs Ropani Land gepachtet, das entspricht 0,3 Hektar - und das will sie bewirtschaften und die Überschüsse auf dem Markt verkaufen. So wird sie durch den Mikrokredit nachhaltig für sich und ihre Familie besser sorgen können und ihre Kinder müssen nicht mehr Hunger leiden.

Die Mikrokredite sind ein sehr anschauliches Beispiel für nachhaltige Entwicklungshilfe, echte "Hilfe zur Selbsthilfe". 100 Euro reichen, um aus dem Teufelskreis des Hungers herauszukommen.

Diese Menschen mit einem mittleren Verdienst von 30 bis 60 Euro im Monat, die am Existenzminimum leben, können nichts zurücklegen, sie können nichts sparen, sie brauchen ihr gesamtes Geld für ihr tägliches Überleben. Sie leben von der sprichwörtlichen "Hand im Mund".

Ein Kilogramm Reis kostete 2007 ungefähr 40 Cent, heute das Doppelte, ein Kilo Linsen über einen Euro. Für diese Grundnahrungsmittel gibt eine vierköpfige Familie bereits über 60 Euro aus im Monat. Das bedeutet, dass die Familie gerade ihre Grundnahrungsmittel kaufen kann.

Auch nur einen Euro zu sparen, kam für diese Familien nie infrage. Erst der Mikrokredit verschaffte ihnen die Möglichkeit eines kleinen Einkommens. Es ist das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Geld übrig haben, mit dem sie etwas anschaffen können, in etwas investieren können, was über das tägliche Überleben hinausgeht.

Was plant die Nepalhilfe für die Zukunft?

Das Siddhi-Memorial-Hospital in Bhaktapur hat viele andere Spender gefunden, die das Hospital unterstützen, so dass die Unterstützung nicht mehr dringend notwendig ist.

Die Tilingatar-Schule in Kathmandu steht in der Zwischenzeit so gut da, dass genügend Kinder aus besseren Familien, die Schulgeld zahlen können, die Schule besuchen und für den Unterhalt sorgen.

In Malekhu gibt es außer der Nepalhilfe keine Hilfsorganisation, die die Schulen unterstützen. Die Nepalhilfe sieht sich hier in der Verantwortung, weiterzuhelfen.

Malekhu wurde hart vom Erdbeben 2015 getroffen - auch die Schulen wurden beschädigt und müssen teilweise abgetragen werden. So hat die Nepalhilfe mit Hilfe des Lions-Club Deutschland und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungsförderung beide Schulen für 150.000 Euro renoviert.

Auch die "Sternstunden", die bereits zum Grundschulaufbau geholfen haben, haben jetzt nach dem Erdbeben wieder 150.000 Euro gespendet, so dass sechs neue Klassenräume gebaut werden konnten.

Kulmbacher Bürger spendeten über 300.000 Euro für die Erdbebenopfer in Malekhu. Dafür baut die Nepalhilfe zurzeit Wohnhäuser für die Patenfamilien, deren Häuser durch das Erdbeben zerstört wurden. Das Geld wird verwendet für 30 Häuser, die auch mit einer Sanitärzelle und einer Photovoltaik-Anlage bestückt werden. 22 Häuser sind bereits fertig.

Natürlich wird der Verein die Patenschaften beibehalten und künftig noch mehr auf die Berufsausbildung Wert legen. Die Berufsausbildung in Nepal ist nicht mit der in Deutschland vergleichbar. Gute Berufsausbildungen gibt es nur in Berufsschulen wie die Balaju-Schule in Kathmandu. Dort werden vor allem Handwerker ausgebildet. Das Schulgeld ist für nepalische Verhältnisse sehr hoch und die Familien in Malekhu können sich das nicht leisten. Also bemüht sich der Verein, dass die Pateneltern eine Berufsausbildung bezahlen. Falls diese das Geld für die Berufsschule nicht aufbringen können, zahlt es die Nepalhilfe.

Berufsausbildungen sind im Gegensatz zum Schulabschluss ein Garant für eine gute Arbeitsstelle. Es gibt leider viele Schulabgänger, die trotz der guten Schulbildung in Malekhu keine Arbeit finden. Die Absolventen der Balaju-Schule haben alle gut bezahlte Arbeit gefunden.

Die Mikrokredite werden weiter ausgeweitet, da sie ein wirklicher Erfolgsschlager sind. Mikrokredite fördern die Eigeninitiative und machen unabhängig. Das soll für viele Menschen in Malekhu erreicht werden.

Weiter will der Verein bei den jährlichen Besuchen feststellen, wo Renovierungsarbeiten an den Schulen und an den Häusern notwendig sind und dort helfen. Gaby Philipp