An Zeiten großer Not und des folgenden wirtschaftlichen Aufschwungs erinnern einige Jahreszahlen über einem Schaufenster der Metzgerei Lauterbach am Marktplatz. Der Siegeskranz, der das Ganze krönt, zeugt vom starken Willen der Kulmbacher Bevölkerung, auch in schwierigen Zeiten "in die Hände zu spucken" und anzupacken.
Dieses Schaufenster war früher einmal die Eingangstür. Was bedeuten nun die Zahlen? Was geschah in jenen Zeiten?
1457/63 erinnert an den Wiederaufbau nach dem Hussiten-Einfall. Die Hussiten verwüsteten 1430 auch Teile von Kulmbach. Aus der Chronik der Stadt wird berichtet: "1439 im Juni begann der Bau der hiesigen Hauptkirche. Vermutlich wurde sie im Hussitenkrieg niedergebrannt.


Fürst liebte Kulmbach

1440 starb Markgraf Friedrich I. Dieser Fürst scheint eine Vorliebe seiner Vorfahren für Kulmbach geteilt zu haben. Er hielt sich, wie aus Urkunden ersichtlich, öfters hier auf. Auch war einer seiner tüchtigen Räte, der Doktor der geistlichen Rechte und Domprobst Friedrich Sesselmann zu Lebus und Konstanz, in Kulmbach geboren. Unter Friedrichs Sohn, Markgraf Johann der Alchimist, der nun die Regierung des Oberlandes übernahm, wurde die Plassenburg wieder Residenz.
1457 trat Markgraf Johann nach einer 17 Jahre dauernden, segensreichen Regierung die Herrschaft des Oberlandes an seinen Bruder, den Markgrafen Albrecht Achilles zu Ansbach, ab. Johann verließ die Plassenburg und zog sich in das nur noch als Ruine erhaltene schöne Schloss Scharfeneck bei Baiersdorf zurück, wo er sieben Jahre später starb. Auch er zählte zu seinen vornehmsten Beamten einen Kulmbacher. Es war dies der Kanzler Imhof.


Wiederaufbau begann

1463 wurde das Anwesen am Marktplatz neu errichtet, 1553 bei der Vernichtung der Stadt durch die Bundesstände zerstört. 1554, nachdem die feindlichen Truppen abgezogen waren, fingen die Überlebenden allmählich wieder an, sich zu sammeln und auf den Fundamenten ihrer eingeäscherten Häuser hie und da neue Gebäude zu errichten. Für den Wiederaufbau erhielten sie eine finanzielle Unterstützung des neuen Landesherrn, Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg Ansbach/Kulmbach.
Das Jahr 1555 brachte einige Erholung, obwohl es mit einem schauerlichen Ereignis begann. Am Lichtmesstag stürzten nämlich das Gewölbe und die Pfeiler der Peterskirche, die bei der Zerstörung durch die Flammen ihr Dach verloren hatte, unter entsetzlichem Krachen zusammen.
Unter dem Markgrafen Georg Friedrich, der das Land aus den Händen der Bundesstände zurück erhielt, brachen bessere Zeiten für die zumeist noch in Trümmern liegende und gänzlich verarmte Stadt an.
Ungeachtet aller Anstrengungen vergingen aber noch etliche Jahre, bis der Wiederaufbau abgeschlossen war. So haben die Kulmbacher eine Stadt im Stil der Renaissance erhalten.
1947, im Jahr der Not, folgte der Wiederaufbau. Der Neubeginn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und die Entwicklung der Stadt waren geprägt vom Willen, die Versorgungssysteme wieder in Gang zu bringen, vor allem mit Lebensmitteln. Dramatisch war das Flüchtlingsproblem, da zu den vorhandenen Evakuierten viele Vertriebene aus dem Sudetenland und den Ostgebieten kamen.


Viele Vertriebene

1947 dürften zeitweise etwa 20 000 Vertriebene in der Stadt gelebt haben. Dass es bis 1951 gelang, dank vieler Neubauten die Lager aufzulösen, ist ein großer Erfolg der Verantwortlichen. Und auch der politische Neubeginn wurde vorangebracht: 1947 sprach der spätere Bundespräsident Theodor Heuss in Kulmbach, ebenso wie der in Lichtenfels geborene, spätere Bundesvorsitzende der FDP, Thomas Dehler. In dem Haus Marktplatz 7 wurden in diesem Jahr das Erdgeschoss und der Laden umgebaut.
Georg Heinlein baute den Werkzeugschmiedebetrieb zum Großhandelsunternehmen aus. 1904 war Heinlein als Lehrling in das 1842 von Traugott Wilsdorf gegründete Unternehmen zur Herstellung und zum Verkauf von eisernen Werkzeugen eingetreten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Heinlein dessen Inhaber.
Seit Ende der 40er Jahre hat sich daraus zunehmend ein florierender Großhandel entwickelt, dessen Expansion 1959 einen Umzug an den heutigen Standort an der Lichtenfelser Straße mit sich brachte.
Das heutige Unternehmen leitet der Enkel Georg Heinleins, Peter Heinlein.