Der Kulmbacher Unternehmernachwuchs hatten hierzu 15 lokale Firmen mobilisiert, die sich bereit erklärten, einem Schüler Betriebsluft schnuppern zu lassen. Und die Aktion kam gut an.

"Ich fand es toll zu sehen, wie die Arbeitswelt so läuft", sagte Simon Dollhopf, der seinen Azubi-Tag bei der Firma Ago Energie und Anlagen verbrachte. Dort erhielt er Einblicke in die Tätigkeit eines technischen Systemplaners. "Beruflich würde ich allerdings am liebsten in die Automobilforschung gehen", sagte der Neuntklässler.


Crashtests mit Kindersitzen


Die Gymnasiasten tauchten in unterschiedlichste Sparten ein, durften etwa bei der Sparkasse Geld anlegen oder am Schalter Überweisungen ausführen. Sie betreuten Senioren in einem Pflegeheim, beschäftigten sich mit der Programmierung, führten Crashtests mit Kindersitzen durch oder durften mit der Flex Vierkantrohre schneiden.
Eileen Hempfling hat bereits ganz genaue Berufsvorstellungen und freute sich über den Azubitag, den sie in der Firma Meile verbringen durfte. "Vormittags hatte ich in der Administration zu tun und lernte Architektenpläne zu falten, das kann heutzutage nicht mehr jeder", verriet die Schülerin. Am Nachmittag begleitete sie dann ihren Betreuer auf eine Baustelle, wo Sanitärarbeiten durchgeführt und Rohre verlegt wurden. "Ich möchte gerne Architektin werden, diese Bereiche gehören für mich zu dem Berufsbild dazu."

Recht gute Vorstellungen gewann Maxi Hack während seines Tages in der Stadtparkapotheke: "Wir haben den größten Teil des Tages im Labor zugebracht, haben Salben oder Haarwasser hergestellt. Wenn meine Noten passen, könnte ich mir gut vorstellen, Apotheker zu werden." Für Maxi verlief der Azubitag dabei doppelt erfolgreich, denn er war auch noch der Gewinner des ausgeschriebenen Selfie-Wettbewerbs. Bei der Abschlusspräsentation im CVG konnte er einen Gutschein entgegennehmen. "Die Schüler waren aufgerufen, ein Selfie von sich und dem begleitenden Azubi im Unternehmen aufzunehmen, das originellste haben wir gekürt", erzählte Caroline Oberleiter von der IHK Bayreuth.


Firmen sind mehr denn je gefragt


Doch nicht nur für die Schüler hat sich der Tag gelohnt, auch die Unternehmen waren sehr angetan von ihren Kurzzeitazubis. "Es ist heute nicht mehr so, dass junge Leute händeringend einen Ausbildungsplatz suchen, die Firmen sind vielmehr gefragt", sagte Oberleiter.

Das Format von einem Tag sei super bei den Betrieben angekommen, zumal auch noch die eigenen Azubis mit eingebunden werden konnten. "Traditionell übernehmen die Azubis der einzelnen Firmen die Betreuung der Aktionsteilnehmer", erklärte Susi Schnedelbach von der Firma Recaro. "Dadurch werden auch sie stärker ins Unternehmen eingebunden und übernehmen Verantwortung."


Eine Win-Win-Situation


Eine Win-Win-Situation also für beide Seiten, die die Wirtschaftslehrerin der Klasse, Corinna Hörath, zu schätzen weiß. "Zunächst einmal ist es für die Schüler ein guter Einblick hinsichtlich des Pflichtpraktikums in der zehnten Klasse", sagte die Lehrerin. Sie hätten dadurch schon genauerer Vorstellungen, was sie machen wollen und was nicht. "Dann ist die Vernetzung sehr positiv, für Schüler- und Unternehmensseite gleichermaßen. Heute Vormittag blieben auch schon etliche Zehntklässler vor unserer Informationstafel im Schuleingangsbereich stehen und haben sich Firmenkontakte notiert."

Auch seien etliche Schüler an ihren Aufgaben gewachsen, hätten erfolgreich ihre Nervosität bekämpft und könnten stolz auf sich sein. "Es war ein rundum gelungenes Projekt, und wir freuen uns schon auf eine Fortführung im kommenden Jahr", sagte Corinna Hörath.