Den Namen der Johann-Völker-Straße hat fast jeder Kulmbacher schon mal gehört. Die meisten wissen auch noch, dass diese Straße bei der Nikolai-Apotheke vom Friedhofsberg abzweigt. Aber wer war der Namensgeber, wer war Johann Völker?


Dienstknecht aus Melkendorf

Sein Grab befindet sich - unweit der Straße - im alten Friedhof. Johann Völker, 1785 geboren und 1807 gestorben, war ein Dienstknecht aus Melkendorf und ein Lebensretter. Die Geschichte des Mannes, der seine mutige Tat mit dem eigenen Leben bezahlte, erzählte Horst Hohenner bei der 50-Jahr-Feier des Rotary-Clubs Kulmbach im Achat-Hotel: "Johann Völker arbeitete nahe der Steinernen Brücke am Grünwehr, als der vierjährige Junge eines Maurergesellen ins Wasser fiel und vom starken Hochwasser mitgerissen wurde. Ohne zu zögern sprang Johann Völker in die Fluten und rettete den Knaben. Er selbst wurde abgetrieben und konnte nur noch tot aus dem Main geborgen werden." Auf dem alten Friedhof erinnere eine abgebrochene Säule an seinen Tod und an "seine unsterbliche That".

Solche Grabstätten gebe es viele auf dem alten Friedhof, sagte Hohenner. Sie erinnern an historische Figuren in Kulmbach, deren Bedeutung man heute kaum mehr kennt. Hier wolle der Rotary-Club aus Anlass seines Jubiläums Abhilfe schaffen und den alten Friedhof zu einem Park der Geschichte aufwerten.

In Abstimmung mit Stadtarchivar Hermann Müller habe man eine Auswahl aus Ehrenbürgern, Fabrikanten, Kaufleuten und Namensgebern von Straßen getroffen, wie Hohenner ausführte. An 16 einzelnen Grabstellen werde auf Infotafeln die Geschichte des Verstorbenen und dessen Bedeutung für die Stadt Kulmbach informiert.


Faltblatt und QR-Code

Ergänzend gebe es ein Faltblatt mit einer Auflage von 10.000 Stück, das im Tourismusbüro der Stadt sowie in der Nikolaikirche ausgelegt werde. Auch die Digitalisierung, so Hohenner, habe man nicht außer Acht gelassen. So sei der historische Rundgang auch im Internet unter www.alter-friedhof-kulmbach.de zu finden, und auf der Infotafel am Haupteingang des alten Friedhofes befinde sich ein QR-Code, der es dem Besucher ermöglicht, über sein Smartphone vor Ort zusätzliche Informationen zu den Grabstellen zu bekommen.

Hohenner erklärte: "Der Rotary-Club Kulmbach will damit - neben seinem sozialen Engagement - nachhaltig die Kulturlandschaft in unserer Stadt fördern." Der alte Friedhof, idyllisch gelegen am Friedhofsberg, sei bisher ein Geheimtipp für Insider. Hier seien Kaufleute, Handwerksmeister, Müller und vor allem Brauereibesitzer begraben, die mit ihrem Bier Kulmbachs Ruf weit ins Land hinaustrugen und den Aufstieg zur Industriestadt förderten.


Ein Freilichtmuseum

Durch das Projekt des Rotary-Clubs "verwandelt sich die Parkanlage nunmehr in ein Freilichtmuseum für Besucher und einen Ort zur Erkundung der Kulmbacher Stadtgeschichte. Hier lernen wir wichtige historische Persönlichkeiten kennen."

Oberbürgermeister Henry Schramm freute sich über die Initiative der Rotarier. "Möge dieser historische Rundgang mit seinen Informationen die Bürger und Gäste unserer Stadt bereichern, indem sie einen Ort erleben, der die Geschichte wachhält, die Verstorbenen ehrt und nicht vergessen lässt", sagte er.


Rotary steht für Hilfsbereitschaft, Anstand, Aufrichtigkeit und Freundschaft

Der Rotary-Club Kulmbach kann stolz sein auf das ehrenamtliche Tun und Wirken seiner Mitglieder und damit auch stolz auf sein 50-jähriges "selbstloses Dienen", stellte der Kulmbacher Rotary-Präsident Peter Bastobbe fest. Bei der Jubiläumsfeier im Achat-Hotel erinnert er daran, dass der Rotary-Club Bayreuth die Kulmbacher Vereinigung am 23. Mai 1966 aus der Taufe gehoben habe. Die Zahl der rotarischen Freunde von anfangs 23 sei stetig gewachsen - auf inzwischen 57. Mit Wolfgang Kretzschmar war ein Mitglied schon damals und auch am Samstag mit dabei.

Bastobbe betonte, dass bei den Rotariern damals wie heute dieselben Werte gelten. "Alles wird schnelllebiger und unpersönlicher. In einer Zeit zunehmender Verrohung, Gewalt und Werteverlusts bleibt Anstand und Aufrichtigkeit immer häufiger auf der Strecke", stellte Bastobbe fest. Bei Rotary lebe man in einer Wertegemeinschaft, in der Anstand, Aufrichtigkeit, Fairness, Freundschaft und soziales Engagement einen hohen Stellenwert haben.

In den wöchentlichen Treffen würden Freundschaften gepflegt und intensiviert. Durch Vorträge aus unterschiedlichsten Themenbereichen trage man dazu bei, Wissen zu erweitern und Diskussionen anzustoßen.


Seit kurzem auch offen für Frauen

Nachdem 1991 die ersten Frauen in deutschen Rotary-Clubs aufgenommen wurden, so Bastobbe, habe man sich vor zwei Jahren auch in Kulmbach entschlossen, sich für Frauen zu öffnen. Dies sei ein schwieriger, aber gewinnbringender Weg gewesen.

50 Jahre Rotary-Club Kulmbach heiße auch 50 Jahre soziales Engagement, Dienst für den Nächsten und Engagement für das Gemeinwesen. "Seit 1966 wurden über den Club und das Hilfswerk mehr als 750 000 Euro für soziale und kulturelle Projekte gespendet", sagte Bastobbe. Exemplarisch nannte er die Mithilfe beim Erhalt des Mehrgenerationenhauses durch eine auf fünf Jahre verteilte finanzielle Zuwendung von 50 000 Euro oder die Finanzierung des weltgrößten Zinnfiguren-Dioramas zum Conraditag im Deutschen Zinnfigurenmuseum auf der Plassenburg.


OB: Kulmbach profitiert

Oberbürgermeister Henry Schramm dankte auch namens des anwesenden Landrats Klaus Peter Söllner den Kulmbacher Rotariern für ihren Einsatz in Stadt und Landkreis: "Sie überlassen das Helfen nicht anderen, sie werden selber aktiv und sind für ihre Mitbürger da." Jeder stehe in der Verantwortung, anderen Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht, sagte der Oberbürgermeister. "Dieser Verantwortung stellt sich der Rotary-Club Kulmbach seit nunmehr einem halben Jahrhundert auf beeindruckende Weise. Mit Tatkraft und Herzblut engagiert sich der Rotary-Club für die Stadt Kulmbach. Schramm: "Die Bürger profitieren sehr von Ihrem Einsatz, sei es im kulturellen, sozialen oder im touristischen Bereich."

Der Governor des Distrikts 1880, zu dem Kulmbach gehört, Franz Merl aus Regensburg, forderte die Kulmbacher Rotarier auf, weiter erfolgreich am rotarischen Rad zu drehen. Weitere Grußworte sprachen die Präsidenten Ulrich Graf vom RC Bayreuth und Walter Edinger vom RC Kufstein sowie Präsidentin Genevieve Beltzung vom RC Mulouse-Vosges. Die musikalische Umrahmung übernahm das Blechbläserensemble "QuintEssenz".


Rotary - die Organisation

International Rotary bildet ein weltweit aktives, sozial engagiertes Netzwerk. Rotary-Clubs gibt es in 166 Ländern mit 1,2 Millionen Mitgliedern. Humanitäre Dienste, Einsatz für Frieden und Völkerverständigung sowie Dienstbereitschaft im täglichen Leben sind deren Ziele. In Deutschland gibt es über 1032 Clubs mit 53 000 Mitgliedern.

Gründervater Die ersten Rotarier schlossen sich 1905 in den USA zusammen. Der Rechtsanwalt Paul Harris
(1868 - 1947) hob den Club in Chicago aus der Taufe. Rotary ist unter den Service-Clubs weltweit der älteste und einer der größten.

Namesgebung Die Bezeichnung Rotary - englisch für rotierend, drehend - erwuchs ursprünglich aus dem wöchentlich wechselnden Treffpunkt der Mitglieder. Heute pflegt man den Brauch, die meisten Ämter im Club jährlich neu zu besetzen. Quelle: Wikipedia