Sehr viele Aktiengesellschaften hat es in Kulmbach nicht gegeben, aber umso eifriger ist Uwe Pachner dabei, die teilweise recht seltenen Aktien gerade von diesen Firmen zu sammeln. Dabei stieß er auch auf Unternehmen, die es heute nicht mehr gibt und an die sich kaum noch jemand erinnern kann. Die Firma Hero-Konserven AG ist ein Beispiel. Sie konnte sich nur etwa fünf Jahre in Kulmbach halten konnte.

Faszinierende Firmengeschichten

Mit dem Sammeln alter Aktien begann Pachner vor über 30 Jahren, als er in einer Ausstellung in Nürnberg die Optik der Papiere bewundern konnte. "Anfangs fand ich sie einfach nur schön, aber mit der Zeit faszinierten mich immer mehr die Firmengeschichten, die hinter den Anleihen steckten", sagte Uwe Pachner.

Die erste Aktie wurde beispielsweise 1604 von der Ostindischen Companie Amsterdam auf den Markt gebracht, die mit seltenen Gewürzen handelte.
Da sich das Unternehmen immer wieder Geld für Schiffe und Besatzung leihen musste, entschied man sich irgendwann, die Darlehen dauerhaft über Eigenkapital zu finanzieren - die Aktiengesellschaft war geboren.

Rohstoffe als Dividende

Anfangs wurden aber Rohstoffe als Dividende verteilt, weil das Eigenkapital nicht ausreichte. "Im Verlauf der Zeit wurden die Aktien dann optisch immer kunstvoller gestaltet, weil man sie sprichwörtlich direkt an den Mann bringen musste", ergänzte Pachner seinen Ausflug in die Historie. Heute wechseln Aktien in Sekundenschnelle nur noch in digitaler Form ihren Besitzer, da ist eine aufwendige Gestaltung des Papiers nicht mehr notwendig. "Die Fälschungssicherheit wäre heute auch gar nicht mehr gegeben", sagte Pachner, wobei es auch früher im Aktiengeschäft bereits Betrugsfälle gegeben habe.

Dass die Firmen vor rund 120 Jahren auch schon mit ähnlichen Problemen wie heute zu kämpfen hatten, wusste auch Wolfram Brehm zu berichten, der die Besucher der Vernissage im Namen der Stadt begrüßte. Als kleine Überraschung hatte er ein Unikat aus dem IHK-Archiv mitgebracht, das "Protokollbuch über die Sitzungen der Besitzgremien des Handels und Gewerkes von und zu Kulmbach von 1892 bis 1930".

"Damals waren bereits die Ladenschlusszeiten Diskussionspunkt unter den Kulmbacher Unternehmen, ging es doch darum festzulegen, ob die Geschäfte um 20, 20.30 oder 21 Uhr geschlossen werden sollten", zitierte Brehm. Auch eine gute Telefonverbindung war zu jener Zeit schon ein Thema.

Untertitel "Die Unvollendete"

In der Vergangenheit Kulmbacher Unternehmen zu stöbern ist spannend und aufschlussreich. "Aber leider ist über so manche Firmengeschichte nur wenig Material zu finden", bedauerte Hermann Müller. Er bestückte die Ausstellung mit einer Auswahl von verschiedenen Stadtansichten Kulmbachs, wobei er bei 15 000 Bildern die Qual der Wahl hatte. "Ich gebe der Ausstellung einfach den Untertitel ,die Unvollendete'", schmunzelte Müller und verwies auf die Schwierigkeiten, die Fotosammler gegenüber den Aktiensammlern haben. "Viele Fotos werden oder wurden von den Leuten einfach weggeworfen, weil sie die Personen auf dem Bild vielleicht nicht kannten und sie keinen materiellen Wert hatte." Welchen Wert aber solche Abbildungen für die Stadtgeschichte haben können, sei vielen nicht bewusst.

Die Ausstellung im Badhaus bietet einen Einblick in Kulmbach und seine Unternehmen im Wandel der Zeit. Da hängen Fotos von der Rizzi-Bräu in der Sutte, um 1900 die viertgrößte Brauerei der Stadt, neben Abbildungen des Autohotels Wiegmann oder der früheren Firma Raps am Grünwehr - deren Gebäude auch einmal als Talstation für die geplante Standseilbahn zur Burg gedacht war.

Beachtenswert die Aktie der Fränkischen Eisenbetongesellschaft Backer & Co. AG, auf der 1923 Wilhelm Meußdoerffer als Aufsichtsrat unterschrieben hat. Zahlreiche weitere Kulmbacher Unternehmen und ihre Geschichten zieren noch bis zum 23. November die Wände des Badhauses. Hermann Müller würde sie am liebsten um weitere Informationen ergänzen. "Ich finde es faszinierend zu sehen, wie sich eine Stadt im Lauf der Zeit verändert, und selbst wenn ich 50 Bilder vom Marktplatz anschaue, entdecke ich doch auf jedem Bild wieder etwas Neues", sagte der geschichtsbegeisterte Müller. "Geschichte macht irgendwann einfach süchtig."