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Neuenmarkt
Bierwoche

Kulmbacher Bierwochen-König lässt sich sein Lieblingsfest nicht nehmen

Nino Richter wird alljährlich zur Bierwoche zum Dauerzelter. Im Corona-Jahr wurde die heimische Garage zum Ersatz-Stadel.
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Gute Freunde, Bier und Musik - aus diesen Zutaten gestaltete Familie Richter ihre ganz private Bierwoche im Garagen-Stadel. Fotos: Sonny Adam
Gute Freunde, Bier und Musik - aus diesen Zutaten gestaltete Familie Richter ihre ganz private Bierwoche im Garagen-Stadel. Fotos: Sonny Adam
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Die Bierwochenzeit ist für den Neuenmarkter Nino Richter Ausnahmezustand: Urlaub, Bier in Maßen, Brotzeitplatten, Bierhaxen, Brezeln, Party-Time bis spät in die Nacht - und alles natürlich in Lederhosen und Karohemden. "Wenn man durchhalten will, dann gehst du nicht in die Obere", lacht Nino Richter und meint damit die Obere Stadt. "Wenn du nicht in die Obere gehst, dann kommst du gut durch", das sind die Weisheiten, die Nino Richter mit seinem Vater Roland (59) austauscht.

Doch was machen die Männer, wenn die Bierwoche wie in diesem Jahr ausfällt? "Klarer Fall: feiern", sagt Nino. "Wir könnten nach dem Fest zur Elfriede gehen. Das wär dann unsere Obere in Neuenmarkt", unken die beiden Männer. Aber dann werden sie doch vernünftig. Sonst halten sie nicht durch.

Ein Fest, das Glück gebracht hat

Nino arbeitet normalerweise beim Media Markt. In seiner Freizeit ist er als DJ El Nino aktiv. "Wir machen in diesem Jahr unser eigenes Bierfest. Wir feiern zu Hause, mit der Familie und den Nachbarn", sagt er.

Bislang hat die Bierwoche dem Bierfestkönig nur Glück gebracht. Denn Nino Richter hat seiner Frau Christiane auf der Bierwoche 2018 einen Heiratsantrag gemacht, und sie hat Ja gesagt. Inzwischen ist sie schwanger. Der Nachwuchs lässt noch zwei Monate auf sich warten. "Wir haben schon eine Lederhose bestellt - es wird ein Junge", sagt Bierfestkönig Nino und hofft natürlich, dass der Kleine später in seine Fußstapfen treten wird.

Ein leidenschaftlicher Fan

"Als ich ein Jahr alt war, habe ich das erste Mal am Maßkrug genippt. Mit drei Jahren war ich zum ersten Mal mit der Lederhose im Stadel", erzählt Nino Richter. "Mit 14 hatte ich meinen ersten Rausch. Mir wurde richtig schlecht", erzählt der Neuenmarkter. Doch abgeschreckt hat ihn dies nicht. "Seit meinem 17. Lebensjahr bin ich an jedem Bierfesttag im Stadel. Ich habe alle Bierfestkrüge zu Hause. Ich finde die Atmosphäre im Zelt toll. Ich mag die Musik, ich mag die Partystimmung", schwärmt er.

Normalerweise lässt sich Nino Richter die Bierwoche rund 600 Euro kosten. In diesem Jahr wurde das Geld in die ganz private Bierfestausstattung investiert. "Wir haben zwei Zehn-Liter-Fässla, zwei Dreißiger-Fässla. Bei uns sieht es aus wie in einer Brauerei", sagt Nino Richter. Doch ob die achtzig Liter reichen, konnte er kurz vor dem gestrigen Finale noch nicht sagen. Denn auch Nachbarn und Freunde kommen vorbei.

Die Verköstigung ist ebenfalls stilecht: "Ich habe eine Brotzeitplatte bestellt." Christiane Richter hat gegen die verrückte Marotte ihres Ehemannes nichts einzuwenden. "Was soll man sagen? Einmal im Jahr ist alles schon okay", sagt sie. Gefeiert wurde bei den Richters in der vergangenen Woche fast täglich.

"Wichtig ist, dass auch die Musik passt. Unser Bierfest-Ersatz fängt immer mit dem Trompetenecho und dem Böhmischen Traum an. Blasmusik gehört dazu. Erst später kommen die Hexen, wie im Stadel", erklärt Nino die Regeln.

Um alles noch ein bisschen stilechter zu machen, sind die Bierpreise des vergangenen Jahres angeschrieben. Die ganze Familie trägt Tracht. Und am späten Abend verteilt Oma Brigitte Wehner als "Schnaps-Resi" Schnäpsla.

Kein echter Ersatz

"Die Musik passt. Wir stehen auf der Bierbank, wir singen. Aber ersetzen kann unsere Feier das Bierfest nicht. Die Geselligkeit fehlt ganz arg", klagt Nino.

Dass auch Oma und Opa mit dabei sind, freut den Feierlustigen natürlich. "Aber ich bin gar nicht so verrückt. Ich trink' halt was Alkoholfreies", erklärt Opa Friedhelm Wehner (80). Am ersten Sonntag musste der Opa noch für Nachschub-Festbier sorgen. Aus Bad Berneck wurde kurzfristig ein weiteres Fässla geholt. Duchlaufkühler und Co. sind vorhanden.

Die Nachbarn machen gerne mit. "Man muss sich in diesem Jahr nicht überlegen, wie man heimkommt. Das ist gar nicht so schlecht. Aber leid tut es mir schon, dass die Bierwoche nicht ist", sagt Ronny Muranka (38), der Nachbar. Auch Sven Larch vom TIK ist mit von der Partie. "Ein gescheites Festbier lass ich mir doch nicht entgehen."

Die Richters haben vor der Partygarage sogar einen Sternla-Strand aufgebaut: mit Strandkorb und Liegestühlen. Und der Pool im Garten wurde mit einer Bierfestfahne umrahmt. Trotzdem: Ans Original kommt all das nicht heran. Alle hoffen auf 2021: Im nächsten Jahr soll doppelt gefeiert werden - mit Umzug und besonders viel Freude.

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