Die Schaffung von Badestuben gehörte schon im Mittelalter zu den wichtigsten sozialen Aufgaben einer Stadt oder eines Dorfes. War eine Stadt fürstlich oder bischöflich, so machten die Herren aus den Badestuben einträgliche Einrichtungen und verliehen die sogenannte Badegerechtigkeit. Das heißt, die Stadt oder einzelne Personen konnten Badestuben einrichten, die dann verpachtet oder in Erblehen gegeben wurden.

So war es auch in Kulmbach, wo wir im 16. Jahrhundert drei Badestuben nachweisen können. Für deren Standorte war die Nähe zu einem natürlichen Wasserlauf von großer Bedeutung.

Da war die "Obere Badestube" im Oberhacken. Erstmals wird hier ein Bader bereits 1393 erwähnt. Wie man auf einem alten Stadtplan erkennt, lag die Obere Badestube an einem kleinen Bach. Das saubere Rehbergwasser versorgte die Badestube und floss in den "Kohlenbach", in den auch das Schmutzwasser geleitet wurde.

Wasser aus dem Kohlenbach

Die "Mittleren Badstuben", auch "Mittelbad" genannt, befanden sich im Unteren Stadtgässchen, dem früheren "Vogts Gässlein". Hier stammt die erste Erwähnung eines Baders aus dem Jahre 1398. Das Wasser kam ebenfalls aus dem Kohlenbach, in den wiederum das Abwasser geleitet wurde.

1398 wird auch der Bader der außerhalb der Stadtmauer gelegenen "Mainbadstube" erwähnt. Dieses Gebäude Grabenstraße 23 befand sich im Bereich der heutigen Zufahrt zur Tiefgarage unter der Stadthalle und wurde im Rahmen der Altstadtsanierung abgebrochen.

Die "Mainbadestube" erhielt das Wasser über einen vom Weißen Main abzweigenden kleinen Bach, der weiter zum in der Sutte fließenden Kohlenbach geleitet wurde. Auch das Kommunbrauhaus erhielt von diesem Bach sein Wasser.

Über der Eingangstür des abgebrochenen Hauses befand sich die Inschrift: "1750 JHM. Dieses Haus gekauft 1837 Ch.S.H." JHM steht für den Bader Johann Heinrich Meyer, 1837 kaufte Christian Siegfried Hirsch das Gebäude. Der Bader gehörte in der Gesellschaftsordnung zur untersten Schicht, zu den sogenannten unehrlichen Leuten. Missstände gab es in den Badestuben nicht selten, zum Beispiel wurde dort so gern und viel getrunken, dass der Kulmbacher Rat eingreifen musste. Tatsächlich ordnete dieser 1584 an, dem Bader wegen der vielen Beschwerden zeitweise den Bier- und Weinausschank zu untersagen.

Derbe Gebräuche

Im Mittelalter herrschten recht lockere Vorstellungen von Moral und Sittlichkeit, so badeten Männer und Frauen ohne alle Bedenken in ein und demselben Bad. Rohheit und derbe Gebräuche waren üblich und galten mithin gar nicht als anstößig.

Allerdings gab es eine Beschwerde des Pfarrers von der Petrikirche an den Magistrat: "Man möge doch mit dem Badebetrieb erst beginnen, wenn der Gottesdienst aus ist." Beim zum "Baden gehen" wurde ja oft nur ein Lendenschurz getragen, während der Kirchgang in eleganter Garderobe erfolgte.

Der Badebetrieb ist mit einer heutigen Dampfsauna vergleichbar, man goss heißes Wasser auf kalte Steine. Selbst in Dörfern und Herbergen gab es die Möglichkeit zum Besuch einer Badestube. Dort hielt man sich viel länger auf als heute, vier Stunden war durchaus üblich. Selbstverständlich wurde dabei auch gegessen und getrunken.

Der Bader pflegte ebenso die Frisur und den Bart. Der Friseurbesuch wird auch heute noch gerne mit "Ich geh a weng zum Bader" angekündigt.

Im 16. Jahrhundert schwand die Badelust und die Berührung mit Wasser, auch kamen die Badehäuser durch mangelnde Hygiene und durch auftretende Haut- und Geschlechtskrankheiten in Verruf. Durch den Rückgang des Badebetriebes verlegte sich der Bader hin zur praktischen Medizin, der niedrigen Chirurgie.

Im Frühjahr nahm der Bader Blut

Dafür benötigte er keine wissenschaftliche Ausbildung, sondern es genügte handwerkliches Geschick. Blutentnahmen im Frühjahr und Herbst gehörten schon immer zu seinen Tätigkeiten - und es war durchaus normal, ihn mit gesundheitlichen Fragen zu konsultieren.

Die Lehre von den Säften im menschlichen Körper stellte dar, dass im Körper vier Flüssigkeiten kreisen, der Schleim, das Blut, die gelbe und die schwarze Galle. War man krank, so galt eine von diesen Flüssigkeiten als unausgewogen, so dass Aderlass und Klistieren üblich waren.

Als "Wundarzt" war der Bader für Verletzungen aller Art zuständig, seien es ein Beinbruch, offene Geschwüre oder die Folgen einer Wirtshausrauferei. So half er dem Mangel an studierten Ärzten ab. Ein weiterer Grund war, dass viele Menschen auf dem Lande und auch die kleinen Leute in der Stadt finanziell nicht in der Lage waren, einen Arzt aufzusuchen und zu bezahlen. Bei den Behandlungen überschritten die Bader aber gerne ihre Kompetenzen, in Berichten aus dem 18. Jahrhundert wird von einem ungebildeten Bader erzählt. Ab 1806 ist auf der Badstube im Oberhacken kein Bader mehr nachweisbar, ungefähr um 1815 endet der Badebetrieb im "Mittelbad".

Hygienisch nicht einwandfrei

Und wie sah es nun mit der Hygiene aus? Für die häusliche Körperpflege wurden Zinkwannen zum Badetag in den Küchen aufgestellt, nacheinander benutzte die gesamte Familie die Wanne und das gleiche Wasser. Erst 1842 beschäftigte sich der Kulmbacher Magistrat wieder mit der Einrichtung eines öffentlichen Badeplatzes. Ab 1851 wurde am Weißen Main ein städtischer Badeplatz angelegt. Am 23. Juni 1873 folgte die Badeanstalt mit Schwimmschule und Umkleidekabinen, 1894 die Verlegung flussaufwärts.

Der Kulmbacher Hans Planck stiftete 1904 eine große Summe zum Bau des Planck'schen Volksbades. Einigen Kulmbachern dürfte noch in Erinnerung sein, dass die Spinnerei bis in die 1960/70er Jahre mit Warmwasser gefüllte Badewannen und Seife für ein geringes Entgelt zur Verfügung stellte.

Und heute? Ein Badezimmer ist praktisch in jedem Haushalt eine Selbstverständlichkeit, wobei die Dusche der Badewanne längst den Rang abläuft.