Mit Fäusten brutal zu Boden geschlagen und dann mit Füßen "wie gegen einen Fußball" gegen den Kopf des Opfers getreten - die Vorwürfe gegen zwei jeweils 32 Jahre alte Männer wiegen schwer. Beide müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Kulmbach verantworten.

Zum Prozessauftakt verweigerten beide die Aussage. Allerdings gab es einige Zeugen, die sie schwer belasteten. Das eigentliche Opfer gehört seltsamerweise nicht dazu.

Kulmbach: Männer prügeln vor Lokal brutal auf Brüder ein

Der Vorfall hatte sich am 9. Oktober des vergangenen Jahres kurz vor Mitternacht in der Oberen Stadt vor dem Lokal "Pina" ereignet. Die beiden Angeklagten sollen grundlos auf zwei Brüder losgegangen sein, einen von beiden mit Fäusten zu Boden geschlagen und danach mehrfach gegen Kopf und Rumpf getreten haben. Die beiden Brüder erlitten bei der Schlägerei Verletzungen, der am Boden liegende soll eine blutende Wunde davongetragen haben. Sogar eine Fensterfront des gegenüberliegenden türkischen Kulturvereins soll bei der Auseinandersetzung zu Bruch gegangen sein.

Nun müsste man meinen, dass die beiden Brüder ein Interesse daran haben, dass die Schuldigen auch entsprechend bestraft werden. Doch Fehlanzeige. Der eine Bruder kam trotz Zeugenladung gar nicht, der andere konnte oder wollte sich an nichts mehr erinnern.

Einer ihrer beiden Söhne lebe mittlerweile in Österreich, erklärte die Mutter, die plötzlich im Gerichtssaal aufgetaucht war. Das ändere nichts daran, dass er als Zeuge vor Gericht erscheinen muss, antwortete Richterin Sieglinde Tettmann. Anstatt die Mutter anzurufen, hätte der junge Mann ja auch im Gericht anrufen und sich entschuldigen können. Mögliche Konsequenzen ließ die Richterin erst einmal offen.

20-Jähriger: "Ich weiß gar nichts mehr, ich war so betrunken"

Der andere Bruder, ein 20 Jahre alter Bauhelfer aus Kulmbach, wurde aus der Justizvollzugsanstalt vorgeführt, wo er sich derzeit in Untersuchungshaft befindet. "Ich weiß gar nichts mehr, ich war so betrunken", sagte der Zeuge. Tatsächlich hatte er rund 2,5 Promille Alkohol im Blut. Auch Drogen soll er vorher konsumiert haben.

Die beiden Angeklagten kannte er nicht. Schmerzen hatte er am nächsten Tag schon verspürt, doch wo die herkamen, konnte er sich nicht erklären. Die Aussage stand im eklatanten Widerspruch zur Aussage einer Bekannten der beiden Brüder. "Er war nicht betrunken", behauptete die 19-Jährige aus Helmbrechts. Sie sei damals mit den beiden Brüdern unterwegs gewesen, als einer der Angeklagten im "Pina" plötzlich angefangen habe zu stänkern. Die Brüder seien dann mit dem Störenfried ins Freie und als sie dazukam, sei die Schlägerei schon in vollem Gange gewesen. Einen der beiden Angeklagten beschrieb sie als sehr aggressiv, deshalb sie auch die Polizei gerufen, die gleich darauf mit Blaulicht in die Obere Stadt kam.

Ein weiterer Zeuge, ein Anwohner, hatte das Ganze von seinem Wohnzimmerfenster aus beobachtet und zumindest teilweise mit dem Handy gefilmt. "Die Lärmkulisse war extrem, deshalb bin ich ja auch wach geworden", sagte der Zeuge. Er konnte die Angeklagten eindeutig als die Schläger identifizieren. Die Verhandlung wird fortgesetzt.