Valentin Maiwald (16) aus Thurnau hat sich die Impfung nun geben lassen. "Ich wurde im Oktober positiv getestet, die ganze Familie war unter Quarantäne", berichtet der Schüler.

Zum Auftakt der Ferien hatte die Firma Lunamil (Ireks) - zum Auftakt der Impfaktion für Jugendliche im Kulmbacher Impfzentrum (geimpft wurden knapp 50 Jugendliche) - als Geste Gratis-Eis zur Verfügung gestellt. In den Netzwerken sorgte dies für eine kontroverse Diskussion.

Kaum Resonanz

Den nächsten Versuch, startete Michael Möschel. Er rief als Privatmann zu einer Ferienimpfaktion für junge Leute auf. Geimpft wurde auf dem Marktplatz - im Truck. Zu gewinnen gibt es einen Gutschein in Höhe von 1700 Euro für die Führerscheinausbildung beim Verkehrsinstitut Bayern. "Zum Auftakt sind acht Jugendliche gekommen. Das war schon etwas enttäuschend", gibt Möschel zu. Allerdings ist die Aktion noch nicht vorüber. Jeder, der sich bis zum 31. August die erste Spritze geben lässt und dann bis 12. Oktober die zweite Spritze bekommt, kann am Gewinnspiel teilnehmen.

Möschel hofft, dass weitere Aktionen in Kulmbach durchgeführt werden. "Dass die Impfquote bei unter 60 Prozent stagniert, ist viel zu wenig", sagt er. Und mit Blick auf die Erwachsenen fügt er hinzu: "Es ist einfach asozial, sich nicht impfen zu lassen" und ist sich bewusst, dass diese Aussage für Zündstoff sorgt.

"Wenn wir das Impfen befördern könnten oder wenn wir wüssten, wie man das schafft, würden wir es tun", sagt Oliver Hempfling, Leiter des Krisenstabes in Kulmbach. Hempfling verbietet sich jegliche Kritik an "Impfanreize". "Alles, was on top kommt, sind Privatinitiativen. Da gibt es nichts zu kritisieren. Das ist oft der Fluch der sozialen Medien", stellt Hempfling klar.

Niederschwellige Angebote

Mehr als 200 Impfwillige haben sich zum Auftakt der Ferien mit Johnson & Johnson impfen lassen und konnten im Gegenzug Hotel- und Gastrogutscheine bekommen. "Konkret planen wir keine Events, aber wir wollen schon niedrigschwellige Angebote schaffen - vielleicht auf dem Parkplatz eines Supermarktes impfen", so Hempfling.

Für die Schulen soll es Anfang September Test- und Impfangebote geben. Am Beruflichen Schulzentrum in Kulmbach, bestätigt Schulleiter Alexander Battistella, wird den erwachsenen Schülern Anfang des nächsten Schuljahres ein Impfangebot gemacht werden. In Berlin wurde dies schon durchgeführt - an einer Berufsschule, erklärt der dortige Schulleiter Ronald Rahmig. Die Resonanz war allerdings verhalten, weil der Impfstoff Moderna zum Einsatz kam.

Was klappt anderswo?

Was klappt anderswo? - In Nürnberg wurden auf dem Volksfestplatz Jugendliche und Erwachsene geimpft - mit riesigem Erfolg: 270 Impfwillige kamen und freuten sich als "Belohnung" über Volksfesttaler. Auch in Marburg fand eine Aktion in Zusammenarbeit zwischen Impfzentrum und dem Hafenfest statt. Fazit: Vom 6. bis 8. August wurden 209 Personen zwischen 12 und 15 Jahren und 13 Personen zwischen 16 und 17 Jahren geimpft sowie 782 Gutscheine an jugendliche und erwachsene Neu-Geimpfte verteilt.

Wäre so etwas auch in Kulmbach denkbar? "Wir Schausteller wären sofort dabei", sagt Brigitte Korn vom Schaustellerbetrieb Korn in Thurnau. "Gutscheine für Autoscooter, Taler oder sonst was - wir würden alles mitmachen, Hauptsache wir könnten wieder arbeiten. Wir könnten die Hygienerichtlinien einhalten,", sagt sie.

Nürnberg bietet noch mehr Event-Impfungen an: in der Islamischen Gemeinde, im Kino, in Cafeterias und Stadtforen.

Noch kein Angebot

Die türkische Gemeinde in Kulmbach hat noch kein Angebot des Landkreises bekommen. "Wir haben in Kulmbach jetzt keine Impfgegner oder nur wenige Skeptiker. Aber wenn das Landratsamt eine Aktion starten möchte, würden wir das befürworten", sagt Serkan Uzun von der türkischen Gemeinde. "Ich war selbst schon zwei Mal in Quarantäne, und als Selbstständiger muss ich klar sagen, dass jeder, der sich impfen lässt, einen wichtigen Beitrag leistet", so Uzun.

Und auch bei den Tafeln wird gepiekst. Nürnberg hat bereits im Mai damit angefangen. "Das wäre bei uns in Kulmbach auch möglich. Wenn das Landratsamt anfragen würde, würden wir sofort mitmachen", sagt Elfriede Höhn von der Kulmbacher Tafel.

Um annähernd eine Herdenimmunität zu erreichen, müsste die Impfquote bei mindestens 80 Prozent liegen. Für den Landkreis Kulmbach bedeutet dies: Noch rund 28 000 Menschen müssten sich impfen lassen. Auf die Impfteams wartet also noch eine Menge Arbeit.