Kulmbach
Vorfall in Discothek

Vergewaltigungs-Vorwurf: Was geschah auf der After-Bierwochen-Party?

Das Kulmbacher Amtsgericht sollte klären, was genau sich 2019 bei einer After-Bierwochen-Party in der Toilette einer Kulmbacher Diskothek abgespielt hat.
 
Vergewaltigung oder nicht? Diese Frage sollte das Amtsgericht klären. Symbolfoto: Tinnakorn/Adobe Stock
Vergewaltigung oder nicht? Diese Frage sollte das Amtsgericht klären. Symbolfoto: Tinnakorn/Adobe Stock

War es eine Vergewaltigung oder einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, der am Rande der Bierwoche im vergangenen Jahr zwischen einer 22-Jährigen aus dem Landkreis Kulmbach und einem russischstämmigen unbekannten Bierwochenbesucher stattfand? Das sollte Richterin Sieglinde Tettmann in einer Verhandlung am Kulmbacher Amtsgericht herausfinden. Auf der Anklagebank saß die junge Frau, der Vorwurf lautete Vortäuschen einer Straftat.

Zu der besagten Nacht sagte sie folgendes aus: Am 28. Juli 2019 sei sie mit Freunden auf einer After-Bierwochen-Party in der Kulmbacher Diskothek "Wings" gewesen. Ein Unbekannter habe ihr ein paar Getränke ausgegeben und mit ihr getanzt. "Ich war betrunken und habe mich mit ihm nicht weiter unterhalten können, weil er kaum Deutsch sprach", erklärte sie. Irgendwann habe sie zur Toilette gehen müssen, und der Unbekannte sie ihr gefolgt.

Auf der Herrentoilette in eine Kabine gezogen

"Kurz vor der Toilettentür packte er mich und zog mich auf die Herrentoilette und dort in eine Kabine", sagte die Angeklagte vor Gericht aus. "Er verriegelte die Tür und ich kam nicht mehr heraus", erinnerte sie sich, sie habe mehrfach "Nein" gesagt. "Vor allem hatte ich Angst, denn im Vorraum hörte ich noch mehr russische Stimmen, und ich fürchtete, wenn ich nicht mitspiele, würde er mich umbringen."

Deswegen habe sie nach dem Akt auch die Toilette gemeinsam mit dem Unbekannten verlassen und dem Türsteher auf dessen Nachfrage zu verstehen gegeben, dass alles in Ordnung sei.

Die als Beweis vorgelegte Aufnahme der Überwachungskamera zeigte, dass die Angeklagte die Herrentoilette freiwillig betrat und auch wieder verließ.

Eindeutig begrapscht

"Draußen ist sie dann zusammengebrochen", erklärte ihr Kumpel, der sie auf die Party begleitet hatte. Er war ihr auf die Toilette gefolgt, habe einen Reißverschluss gehört, "dann war erst Mal Stille." Fünfzehn Minuten lang habe er vor der Toilette ausgeharrt und nach ihr gerufen, schließlich sogar die Security verständigt. "Mir war gar nicht wohl, als die beiden zusammen in Richtung Toilette gingen", erklärte der Zeuge, schließlich hätte der Unbekannte seine Begleiterin bereits auf der Tanzfläche ganz eindeutig begrapscht.

"Warum haben Sie denn nicht um Hilfe gerufen?", wollte Richterin Tettmann von der jungen Frau wissen. Dies begründete die Angeklagte erneut mit ihrer starken Angst. "Kulmbach ist ja keine Großstadt, ich hatte Angst, die würden mich hinterher finden und umbringen."

Richterin und Staatsanwältin waren von den Aussagen noch nicht überzeugt, für beide war die Reaktion der Angeklagten nicht ganz nachvollziehbar. Da jedoch der potenzielle Vergewaltiger unbekannt blieb, konnte auch nicht festgestellt werden, ob er die Signale der Angeklagten falsch verstanden haben könnte. "Zur Bierwoche kommen so viele Besucher in die Bierstadt, vermutlich war es jemand von auswärts", hatte der Türsteher der Diskothek im Vorfeld zu Protokoll gegeben.

Warum hat sie nicht reagiert? Nicht geantwortet, als ihr Freund sie rief und viele Personen in der Toilette aus und ein gingen? Man könne versuchen, das bis ins Detail herauszufinden, ob es gelänge, sei jedoch offen, sagte Richterin Tettmann. Ein wichtiger Zeuge war nicht zur Verhandlung erschienen, man hätte noch die Psychologin der Angeklagten befragen können, "doch ich neige dazu, das Verfahren einzustellen", erklärte die Richterin.

Der Anwalt der Angeklagten begrüßte das Vorhaben, noch dazu, da "Psychologen Frauen immer raten, sich lieber nicht zu wehren, um nicht umgebracht zu werden." Auch die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, dass das Verfahren nicht so weit getrieben werden müsse und stimmt einer Einstellung des Verfahrens zu.

"Vielleicht können Sie jetzt mit der Sache abschließen", sagte Richterin Tettmann zum Abschluss zur Angeklagten.