Freund weg, Fitnessstudio geschlossen und die Familie im Nacken - das wurde einer 19-jährigen Schülerin aus Kulmbach zu viel. Sie ließ sich bei der Geburtstagsparty ihrer Freundin mal so richtig volllaufen.

Kurz nach zwei Uhr am frühen Morgen des 18. Oktober wurde sie in der Oberen Stadt im Freien schlafend, leicht bekleidet und mit rund zwei Promille Alkohol im Blut angetroffen und ermahnt, doch schnellstens nach Hause zu gehen.

Zu viel Alkohol: Auf offener Straße eingeschlafen

Die junge Frau ging aber nicht nach Hause. Zwei Stunden später kam die Polizei wieder vorbei, erneut mussten die Beamten feststellen, dass die 19-Jährige schon wieder auf offener Straße eingeschlafen war. Zu ihrem eigenen Schutz wollten die Beamten sie nun in Gewahrsam nehmen. Schließlich war die Herbstnacht bereits empfindlich kühl und die Frau hatte nur wenig an.

Als sie das mitbekam, rastete sie allerdings völlig aus, wehte sich mit Händen und Füßen, schlug wild um sich und traf dabei auch mehrfach die Beamten. Die Polizei musste die Frau sogar mit vereinten Kräften gewaltsam zu Boden bringen, um ihr Handschellen anlegen und sie mit auf die Wache nehmen zu können.

Wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte in mehreren Fällen musste sich die angehende Pflegehelferin jetzt vor dem für Jugendsachen zuständigen Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner verantworten. Ja, sie habe sich damals massiv gewehrt, dabei sei die polizeiliche Maßnahme ja nur zur ihrem eigenen Schutz gewesen, zeigte sie sich mittlerweile einsichtig. Sie habe sich auch sofort danach bei den Beamten entschuldigt. Die Angeklagte räumte auch ein, zuvor den 21. Geburtstag ihrer Freundin gefeiert zu haben. Bei der Party sei wenig gegessen, dafür umso mehr getrunken worden. Vor allem sie selbst habe dem Alkohol zugesprochen, weil sie auch noch kurz zuvor ihr Freund verlassen hatte und sie unter Liebeskummer gelitten hatte. "Unter normalen Umständen wäre das alles gar nicht passiert", so die 19-Jährige.

19-Jährige steht nicht zum ersten Mal vor Gericht

Ein gänzlich unbeschriebenes Blatt war die junge Frau allerdings nicht. Schon vor zwei Jahren musste sie sich wegen Körperverletzung verantworten und kam damals mit einer kleinen Geldauflage davon. Auch diesmal sei das Geschehen wieder jugendtypisch, sagte Stefan Fürst von der Jugendgerichtshilfe. Die Angeklagte habe völlig unüberlegt und enthemmt gehandelt und dabei alkoholbedingt über die Stränge geschlagen.

Als Hintergrund vermutete er, dass die Pandemie wohl Spuren bei der Angeklagten hinterlassen habe. Sie habe ihrem Hobby nicht nachgehen können, weil die Fitnessstudios geschlossen hatten, war monatelang in der elterlichen Wohnung zum Homeschooling gezwungen und habe dann auch noch unter dem Frust mit dem Freund gelitten.

Richter Berner und der Vertreter der Staatsanwaltschaft kamen deshalb auch schnell überein, das Verfahren gegen eine Arbeitsauflage einzustellen. "Mitte Oktober draußen zu übernachten, das ist ein Zeichen, dass sie völlig von der Rolle waren", sagte Berner zu der jungen Frau. Sie muss nun 40 Stunden gemeinnützige Arbeit nach näherer Weisung der Geschwister-Gummi-Stiftung ableisten.