"Su a G'schmarri - ober schee wor's!" Mit dem Fazit ging wohl jeder der rund 400 Besucher am Dienstagabend aus der Dr.-Stammberger-Halle und die zu Volker Heißmann und Martin Rassau kommen, wissen auch, dass sie nichts anderes erwartet als zwei Stunden "grad aus" lachen zu können. Das neue Programm von Frankens beliebtestem Comedy-Duo mit dem Titel "Unterhaltungsabend" bot eine über zweistündige Spaß-Revue, in der sich die beiden Fürther Urgesteine des Kabaretts mit Tempo, Witz und Charme albern durch jede Menge absurde Situationen bewegten. Vom feinen Bonmot über die skurrile Pointe bis zur beißenden Satire reichte das Repertoire der Wortakrobaten Heißmann & Rassau.
Volker Heißmann und Martin Rassau hatten sich auf Kulmbach und die Region bestens vorbereitet und wussten vor allem viele Insider-Nachrichten aus dem romantischen Luftkurort Wirsberg.
Kein Wunder, denn die beiden Komödianten sind wiederholt Gast bei Fernsehkoch Alexander Herrmann im Romantik-Posthotel. Auch im 30. Jahr ihrer gemeinsamen Bühnenkarriere verstehen es die beiden Fürther Komiker immer wieder aufs Neue, die Tücken des Alltags und die Untiefen des fränkischen Lebens zu ergründen und in ausgelassenen Sketchen zu entlarven.


Schräge Vögel

Natürlich dürfen die berühmt-berüchtigten fränkischen Witwen "Waltraud und Mariechen" nicht fehlen, die mit bissigen Kommentaren eine ganz eigene Sicht auf die Dinge haben. Aber auch zahlreiche andere kuriose Charaktere und schräge Vögel tauchen im Laufe des "Unterhaltungsabends" auf und machen die Show zu einem turbulenten Erlebnis.
Schon die erste Bühnenszene sorgte für Brüller, denn Volker Heißmann hatte sich als Fotograf in die Dr.-Stammberger-Halle begeben, um die beiden Komödianten "Rassmann und Heißau" zu fotografieren. Zwangsläufig suchte er dabei auch den Dialog mit dem BR-Mitarbeiter. Das neue Programm mit dem sinnigen Titel "Unterhaltungsabend" ist, wie Heißmann erklärte, einfach eine Reminiszenz an frühere Zeiten. "Unser Unterhaltungsabend ist mehr so ein Nummernprogramm. Sie denken jetzt an Travestie, aber es ist noch schlimmer."


Wie immer schön

Schnell stürzten sich die beiden auf Kulmbach. Martin Rassau: "Kulmbach ist so schön, da hat sich überhaupt nichts verändert. Es ist und bleibt einfach schön. Gut ich habe minus fünf Dioptrien und gehe ohne Brille durch die Stadt."
Martin Rassau gestand, dass er das Rauchen inzwischen aufgegeben hat, aber dafür hat er zugenommen: "Ich brauch' Platz für meine inneren Werte, denn die werden im Alter mehr." Rassau bedauerte, dass man den herkömmlichen Kaffee immer seltener bekommt: "Ich will doch ka Tabaks-G´schlapp, für des Du Dein halben Bausporvertroch auflösen musst, dass Du den Kaffee ibberhappt bezohln konnst." Und wie eine Dosenmilch überhaupt funktioniert, wissen die jungen Leute gar nicht mehr, weil sie nur ein Loch in die Büchse machen.
Köstlich die Gespräche der beiden in einer Partnervermittlung, im Handy-Laden oder nach der Pause, als Volker Heißmann und Martin Rassau als singende Witwen auf die Bühne kamen: "Wir sind die schönsten Frauen von Fürth, die jedem Mann den Kopf verdrehen, wir sind richtige Feger."
Immer wieder eine Klasse für sich, wenn sie als legendäres, schrulliges Rentnerinnenduo "Waltraud und Mariechen" ihre Lebensweisheiten verbreiten und die Besucher wissen lassen, dass die 100-jährige Herta Hermann in Wirsberg ihre Mitschülerin war: "Sie ist halt oft sitzen geblieben." Hier wird philosophiert, geratscht und gejammert über die Tücken des Alltags.


Winterdorf und Therme

Warum zum Beispiel schon im Frühling das Winterdorf in Kulmbach aufgebaut wird oder sich in Wirsberg die Bürger anmelden müssen, wenn sie mit dem Bus nach Neuenmarkt fahren wollen, um in der Norma einkaufen zu können. Auch das künftige Thermalbad in Weißenstadt war ein Thema. Martin Rassau: "Wenn die die neue Therme kriegen, dann wird das ein Aufschwung für Weißenstadt. Wenn die Gäste des 480 Betten-Hotels dann nach Weißenstadt reingehen und sich umschauen, dann schauen`s blöd. Ein NKD und ein Bäcker und das war`s!" Dass Kulmbach einen eigenen TV-Sender hat, ist ihnen auch nicht entgangen: "Er bringt ständig die aktuellen Nachrichten, dabei seit dreieinhalb Jahren die gleiche Nachricht: Nichts passiert!"