Bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) am Mittwoch in Berlin wurde Hans-Peter Hubmann aus Kulmbach zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Zu den Aufgaben des DAV gehören die Wahrnehmung und Förderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Interessen der Apothekerschaft, insbesondere der öffentlichen Apotheken. Dem Vorstand des DAV gehört Hubmann bereits seit 2012 an. Seit 2008 ist er Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbandes.

Nach seiner Wahl bekräftigte Hans-Peter Hubmann seine Forderung, den Versandhandel mit Arzneimitteln auf das europarechtlich vorgegebene Maß zu beschränken. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 19. Oktober müssen sich Arzneimittel-Versandhändler aus dem EU-Ausland nicht an deutsches Recht halten, wenn sie rezeptpflichtige Medikamente nach Deutschland schicken. Sie umgehen die staatlich festgelegte Preisbindung, die einst eingeführt wurde, um die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu sichern.

"Das zerstört das Solidarprinzip der Gesetzlichen Krankenkassen", sagt Hubmann. "Um Schaden von der Krankenkasse und letztlich der Gesellschaft abzuwenden, müssen wir das verhindern. Wir kämpfen dafür, dass die einheitlichen Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel erhalten bleiben. Die einzig sinnvolle politische Lösung ist nun die Beschränkung des Versandhandels auf rezeptfreie Arzneimittel". In drei Viertel der EU-Mitgliedsstaaten bestehe diese Einschränkung des Arzneimittelversands bereits.

Nach dem Urteil des EuGH sei folgendes Szenario nicht zu verhindern: Wenn ein zuzahlungsbefreiter Patient bei einer ausländischen Versandapotheke ein Rezept einreiche, müsse er keine Zuzahlung leisten und erhält einen Bonus. Dieser Patient würde also zusätzlich zum Medikament, das die Krankenkasse in voller Höhe bezahle, einen geldwerten Vorteil erhalten. Hubmann: "Damit würden zuzahlungsbefreite Patienten nicht nur komplett auf Kosten der Solidargemeinschaft versorgt, sondern sie könnten durch das Einlösen eines Kassenrezepts auch noch Geld verdienen. Das wäre eine völlige Verdrehung des Systems, das dafür sorgt, dass jeder Kranke unabhängig von seinem Einkommen die notwendigen Arzneimittel aus der Apotheke seiner Wahl erhält."

Zum Hintergrund: Die Kosten für Arzneimittel werden nach dem Sachleistungsprinzip von der GKV erstattet. Versicherte bezahlen in der Regel nur eine Zuzahlung in Höhe von zehn Prozent des Arzneimittelpreises - maximal zehn Euro. Die Zuzahlung wird von Apotheken eingezogen und in voller Höhe an die Gesetzliche Krankenversicherung abgeführt. Es gibt bundesweit rund 6,7 Millionen gesetzlich Versicherte, die durch ihre jeweilige Krankenkasse von der Zuzahlung befreit sind. Hubmann: "Es ist richtig, dass chronisch Erkrankte von der Zuzahlung befreit werden können. Das schützt den Einzelnen vor Überforderung."

Sinkende Apothekenzahl

Nach dem Urteil seien die inhabergeführten öffentlichen Apotheken in Deutschland nun einem Verdrängungswettbewerb mit ausländischen Konzernen ausgesetzt. Dabei seien deutsche Apotheken gesetzlich verpflichtet, kostenintensive Leistungen zu erbringen wie Nacht- und Notdienst, Herstellung individueller Rezepturen und Vorratshaltung wichtiger Arzneimittel für den Akutbedarf.

Aufgaben, die Versandhändler nicht leisteten. Durch verschiedene politische Eingriffe und andere Faktoren sei die Anzahl der Apotheken in den vergangenen Jahren auch in Bayern bereits zurückgegangen. Aktuell gebe es im Freistaat 3215 öffentliche Apotheken, 2009 seien es noch 3447 gewesen. In der gleichen Zeit sei die Anzahl der Apotheken in Oberfranken von 337 auf 310 gesunken. "Bayernweit verlieren wir durchschnittlich mehr als 33 Apotheken pro Jahr. Das EuGH-Urteil würde diesen Trend noch befeuern!", so der Verbandsvize Hubmann. Dabei mache das flächendeckende Apothekennetz in Deutschland gerade einmal 2,3 Prozent der Gesamtkosten der gesetzlichen Krankenversicherungen aus.