In der Spitalkirche hängt ein gemaltes Bildnis der Eheleute Ott. Die barocke Einfassung gibt ihnen eine würdevolle "Umrahmung". Der Text auf einer darunter befindlichen Tafel sagt uns: "Dieses sind die beyden Bildniße Johann Conrad Ottens, und seiner Frauen Catharina, gebohrenen Künethin zweyer christlicher und fleißiger Hospital Pfründtner, welche mit dem von Gott ihnen verliehenen Seegen, aus einem heiligen Gelübd diesen Tempel des Herrn Anno 1775 haben malen und auszieren lassen zu ihrem Andenken und guten Erinnerung aber in derselben aufgestellt worden sind."

Ein Kind des Frankenwalds

Gemeint sind damit die Darstellungen aus der biblischen Geschichte, die uns auch heute noch an der Empore erfreuen. Unser Wissen über das Ehepaar Ott stammt zum größten Teil von Aufzeichnungen des Kulmbacher Historikers Heerwagen aus dem Jahre 1783. Dieser hat Johann Conrad Ott noch persönlich zu dessen ungewöhnlichem Leben befragen können.

Ott war ein Kind des Frankenwalds, geboren am 8. Mai 1714 auf dem Hampelshof bei Fleisnitz (heute Gemeinde Stammbach) als dritter Sohn des Bauern Conrad Ott und seiner Ehefrau Catharina. Nach dem Tod seines Vaters arbeitete er einige Zeit bei seinem älteren Bruder, dem Hoferben und bei umliegenden Bauern. Er lernte dabei die Magd Catharina Elisabeth Küneth kennen. Sie war am 28. August 1705 als einzige Tochter des Bauers Hans Küneth in Hutschdorf geboren worden. Beide heirateten am 31. Mai 1736 in Stammbach.

Kein Ruhestand im Spital

Von dem bescheidenen Hutschdorfer Erbe kauften sie sich ein Anwesen in Hauenreuth (zwischen Bindlach und Neudrossenfeld). Mit harter Arbeit machten sie das Gütlein in 16 Jahren ertragreich. Doch nach dem Tod ihrer drei Kinder veräußerten sie alles. Mit einem Teil des Erlöses kauften sie sich, erst 43 und 52 Jahre alt, mit der Summe von 800 fränkischen Gulden ins Kulmbacher Spital ein. Zur Ruhe setzten sie sich aber nicht, sondern waren unermüdlich weiter tätig.

"Nicht nur Tags, sondern gar oft auch Nachts mit Allerlei beschwerlicher Handarbeit, sein Eheweib aber mit Spinnen und anderen weiblichen Handthierungen so viel zu erwerben und beide ihre errungenen Capitalien dergestalt zu vermehren suchten, dass sie ihrem gemeinschaftlichen Hang zu milden Stiftungen, zu jedermanns Verwunderung, ein Gelübde zu leisten noch im Stande sind", heißt es in den Aufzeichnungen Heerwagens (1783).

Der Stadt Kulmbach bewilligte Markgraf Friedrich 1737 den Neubau einer Spitalkirche, auch wurden Geldsammlungen im ganzen Fürstentum gestattet. Aber die Spenden flossen sparsam, so dass für die Innenausstattung nicht viel übrigblieb. An Altar und Kanzel fehlte die Farbe, die Emporen standen roh da.

Appelle an die Bürgerschaft zur Ausgestaltung der Kirche fanden wenig Anklang. Hier sprangen die Spitalinsassen Conrad und Catharina Ott ein. In ihrem Auftrag bemalte im Jahre 1775 der Kulmbacher Hofmaler Friedrich Müller die Empore und füllte die 47 Felder der Brüstung mit biblischen Bildern.

Orgel und Altar vergoldet

Noch war aber das Innere der Kirche nicht gänzlich würdevoll gestaltet, so standen Orgel, Kanzel, Altar und Gestühl schmucklos da. Bürgermeister Gummi klagte, dass niemand aus der Bürgerschaft dem Beispiel des Pfründners Ott und seines Eheweibes folgen wolle. Schließlich übernahmen die Otts auch die Kosten für Anstrich und Vergoldung der Orgel und des Altars.

Weitere Kirchen, die durch Spenden der Otts ausgemalt werden konnten, waren die in Himmelkron und in Stammbach. Zu danken ist ihnen auch die 1779 außergewöhnlich schön bemalte Holzdecke in Mangersreuth. Die Gemälde zeigen Jesu in Gethsemane, den auferstandenen Christus im Strahlenkranz und Szenen aus der Bibel. Nach Aufzeichnungen des ehemaligen Kulmbacher Stadtarchivars Richard Lenker hat auch hier der "Hofmahler" Friedrich Müller die Arbeiten ausgeführt. Der dankbare Mangersreuther Pfarrer wollte ein Erinnerungsbild an die Stifter aufstellen, wie in der Spitalkirche geschehen. Jedoch missverstand die Bayreuther Regierung das Gesuch als Antrag auf ein Grabmal und da die Otts noch lebten, unterblieb die Genehmigung.

Das hinderte die Otts jedoch nicht daran, weiter wohltätig zu sein. Am 6. Februar 1779 stifteten diese beiden einfachen, von ihrer Hände Arbeit lebenden Leute, der Lateinschule zu Kulmbach 300 fränkische Gulden, aus deren Zinsen jährlich Bücher für die Lehrerbibliothek angeschafft werden sollten. Über 100 Jahre bestand die Stiftung und ist schließlich ein Opfer der Inflationen geworden.

"Aus der Ottschen Stiftung"

Im Markgraf-Georg-Friedrich Gymnasium, der Nachfolgerin der Lateinschule, soll es eine Anzahl Bücher geben, die den Vermerk tragen: "Aus der Ottschen Stiftung".

Daneben gab das Ehepaar auch kleinere Zuwendungen für Mittagstische an arme Kulmbacher Lateinschüler. 1786 verfügten die Otts vermittels dreier Urkunden, dass nach ihrem Ableben aus ihrem Nachlass an das Waisenhaus zu Bayreuth, an die Armen in Kulmbach und an bedürftige Schulkinder daselbst, je 200 Gulden auszuzahlen seien.

Aber wie konnten die Otts, ein selbst für heutige Verhältnisse so großes Vermögen haben? Es ist schwierig, den Wert des Gulden in Euro umzurechnen. Geht man danach, was man kaufen konnte, wäre ein Gulden damals etwa so viel wert gewesen, wie heute 50 bis 60 Euro.

Fanatischer Arbeitseifer

Die Otts zeigten einen geradezu fanatischen Arbeitseifer, gepaart mit einen enormen Sparwillen. So sollen sie die ihnen zustehende Spitalverpflegung oft verkauft und sich mit einfacher Kost begnügt haben. Das alles haben die Otts getan, um ein gegebenes "heilig Gelübd" zu erfüllen. Johann Conrad Ott, seit 30 Jahren Hospitalpfründner, starb am 16. Februar 1787 im Alter von 72 Jahren, seine um neun Jahre ältere Witwe überlebte ihn und starb am 6. April 1788, 82-jährig. Im Kirchenbuch wird von einer "gewissen Feierlichkeit bei der Bestattung" berichtet.