Bei einer Fotoausstellung sind es für gewöhnlich die Bilder, die die Blicke der Besucher auf sich lenken, diese zum Schwärmen und Staunen bringen. Das Gerät, mit dem die Aufnahmen gemacht wurden, spielt so gut wie keine Rolle. Am Mittwochabend im Kulmbacher Badhaus war alles anders, wie man am Verhalten der Besucher und deren Kommentare unschwer ablesen konnte: Ein kleines ferngesteuertes Flugerät, das wie ein Minihubschrauber aussieht, übt auf Jung und Alt eine besondere Anziehungskraft aus. "Wie man mit einem solch kleinen Gerät präzise Luftaufnahmen machen kann, das ist schon faszinierend. Es handelt sich um ein Wunderwerk der Technik", schwärmt Rainer Vießmann aus Kulmbach.

Erschaffen hat es der Fotokünstler Otmar Fugmann aus Knellendorf bei Kronach. Zu sehen ist die Drohne Marke Eigenbau mit eingebauter Digitalkamera am Mittwochabend bei der Vernissage zur Ausstellung "Neue Perspektiven - das Kulmbacher Land von oben in alter und neuer Zeit." Dazu eingeladen haben der Künstler und Tüftler aus dem Frankenwald und das Archiv der Stadt Kulmbach.

Stadtrat Wolfram Brehm begrüßt nicht nur die Ehrengäste, darunter Prinz Andreas von Sachsen Coburg-Gotha, sondern stellt auch in groben Zügen das ferngesteuerte, mit einem Elektromotor betriebene Modellflugzeug vor, das im Fachjargon Quadrocopter heißt und landläufig als Drohne bezeichnet wird. "Das selbstgebaute, 2890 Gramm schwere Modell, wurde auf den Namen Flugmann-Kopter O4 getauft."

Leidenschaftlicher Tüftler

Der Knellendorfer Konstrukteur gibt sich als leidenschaftlicher Tüftler zu erkennen, der viele Abende in seiner zur Werkstatt umgebauten Scheune verbringt. Fertige Bausätze aus Fernost gibt es inzwischen in jedem Elektromarkt für 500 Euro zu kaufen, doch Fugmann winkt ab: "Das kommt für mich nicht in Frage. Ich liebe die Herausforderung, selbst zu löten und zu programmieren."

Mit dem Akku könne man zehn bis 15 Minuten lang fliegen, erklärt der Experte. Da er das Fliegen als Hobby betreibe, fliege er rund 200 bis 300 Meter auf Sicht. Andernfalls bräuchte man eine behördliche Genehmigung, so Fugmann. Die Digitalkamera sei auf einer Halterung angebracht und lasse sich während des Fluges individuell auf ein Objekt oder einen Ort ausrichten.

Davon gibt es in Oberfranken zahlreiche. Das wird bei einem Rundgang durch die Ausstellung immer wieder deutlich. Die Feste Coburg, umrahmt vom herbstlichen Farbenspiel des Waldes und der glutrot untergehenden Sonne, die Kronacher Feste Rosenberg im Winterkleid und Kulmbach im nächtlichen Lichterglanz - das Auge kann sich gar nicht sattsehen an den wunderschönen Bildern.

Was ist für Fugmann der besondere Reize am Knipsen aus der Vogelperspektive: "Das Fotografieren von Oben herab ermöglicht einen ganz anderen Blick auf ein Motiv. Nehmen sie das Foto ‚Kulmbach bei Nacht‘. Es macht Zusammenhänge im Stadtaufbau sichtbar. Man erkennt eine gewisse Gliederung. Zugleich ist man überrascht, was sich hinter den Fassaden und auf den Dächern so alles verbirgt: Von Balkonen über Dachterrassen bis hin zu Erkern. Eine Vielfalt wird lebendig, die den Betrachter überrascht."

Vergleiche zu früher

Nicht nur Überraschungen, sondern auch Vergleiche sind bei der Bilderschau möglich. Reiner Hofmann, Leiter des Stadtarchivs, hat in seinem Bildbestand gestöbert und historische Luftbildaufnahmen ans Tageslicht gefördert, die für ihn "zum Gedächtnis einer Stadt dazugehören". Und so steht ein Luftbild der Kulmbacher Innenstadt, das Fugmann im vergangenen Jahr gemacht hat, neben einem alten Foto aus dem Jahre 1983. "Da steht ja noch das Sudhaus der ehemaligen EKU-Brauerei", entdeckt Friedhelm Haun aus Kulmbach einen Unterschied.

Die Besucher der Vernissage erfreuen sich nicht nur an den Bildern und dem Fluggerät, sondern auch an den einfühlsamen Pianoklängen, die Fiona Friedrich und Markus Ritschel von der städtischen Musikschule in das Badhaus zaubern.