Stimmengewirr, lachende Gesichter und lobende Worte beherrschten am Donnerstagabend das Badhaus. Der Kulmbacher Kunstverein hatte zu seiner ersten Vernissage im Jahr 2014 geladen, und Vorsitzender Karl-Heinz Greim begrüßte die vielen Gäste. "Dass so viele Besucher gekommen sind, ist eine besondere Anerkennung für unseren Verein und die grandiose Kunst, die hier gezeigt wird", sagte er.

Und in der Tat besticht die Ausstellung nicht nur durch die Qualität der gezeigten Arbeiten, sondern auch durch ihre Vielfalt, die unterschiedlichen Ansätze, mit denen die Künstler sich dem Thema "KunstStoff" genähert haben. Von der Kulmbacher Künstlerin Jovanka Gack sind Werke aus ihren früheren Schaffensjahren als Designerin zu sehen.

Reprisen

Reprisen nennen sich die grundierten und beschichteten Blätter, auf die mit Acryl Stoffdesigns aufgetragen werden.
Wie so etwas in die Praxis umgesetzt aussieht, kann man gleich anhand der beiden ausgestellten Teppiche bestaunen, die nach Vorlagen der Künstlerin in Nepal von dortigen Dorffrauen handgeknüpft wurden.
Fertige Stoffe verarbeitet Theresa Morsch aus Berlin. Während ihrer Auslandsaufenthalte in Großbritannien kam sie zum ersten Mal mit der Kunst des Patchwork-Arbeitens in Kontakt und fing sofort Feuer. In aufwendigen Näh- und Formprozessen entstehen so farbenfrohe, stoffliche Feuerwerke, "ein Symbol für Fülle und Freude in dieser tristen Jahreszeit", wie stellvertretende Vorsitzende Cornelia Morsch anmerkte.

Die Faszination Filz

Irene Reinhardt arbeitet auch mit Stoff, aber auf eine ganz andere Weise. Sie ist seit über 17 Jahren vom Material Filz fasziniert, aus dem man nahtlos nahezu jede Form herstellen kann. "Filz im Fokus" heißt ihre Serie, in der sie Fotos von Momentaufnahmen in Filz strukturell nacharbeitet. "Ich möchte zeigen, was man mit Filz alles machen kann", sagte die gelernte Produktdesignerin, die aus beruflichen Gründen über die Spielzeugindustrie nach Coburg kam.

Stoff zum Greifen

Stoff zum Greifen nah, aber dennoch "nur" auf Leinwand gebannt zeigt Hanna Woodring aus Bayreuth in dieser Ausstellung. Der Kunstverein freut sich besonders, die Werke dieser "Meisterin der Ölmalerei" vorstellen zu können, denn die gebürtige Amerikanerin stellt sonst hauptsächlich in Großbritannien und in den USA aus. In ihren Arbeiten zeigt sie einen Feinsinn für Struktur und wunderschöne Farbnuancen. Das Malen der geklöppelten Deckchen erscheint ebenso aufwendig wie das Klöppeln selbst.

Claudia Schwarz hatte für diese Ausstellung "7 aus dem Verein" eigentlich gar keine passenden Kunstwerke parat, war aber voller Ideen, als sie um eine Teilnahme gebeten wurde. Das Ergebnis ihrer Experimente präsentiert sie in Form von asiatisch anmutenden, 1,60 Meter langen Schriftrollen, auf denen der kalligrafische Schwerpunkt ihrer sonstigen, künstlerischen Arbeit zu erkennen ist. Wachs, Stoffpapier, Beize und Graphit waren unter anderem Arbeitsmittel für diese Darstellungen.

"Künstler des Lichts"

Mit einem ganz anderen Stoff arbeitet Harun Kloppe aus Mainz, der mit seinen Skulpturen aus Acrylglas an die Grenzen der Belastbarkeit des Materials geht und transparente, farbige Fantasieformen schafft. "Er ist ein Künstler des Lichts und seiner Verwandlung", sagte Morsch.

Eine Krönung der Ausstellung ist die "Königliche Familie" von Konrad Ruff aus Chemnitz. "Sein Anliegen ist es, der Poesie in den Falten der menschlichen Beziehungen nachzuspüren", sagte Morsch.
Seine 30 bis 40 Zentimeter großen Figuren aus bemaltem Terracotta strotzen vor Humor und Hintersinn. Der ehemalige Kunsttherapeut wollte ursprünglich seine eigene Familie verewigen. "Irgendwann habe ich jedem eine Krone aufgesetzt, und damit es nicht so protzig aussieht, alle in Badeklamotten gesteckt", sagte der Chemnitzer mit einem Augenzwinkern. Etwa 55 tönerne Familienmitglieder gibt es bereits.

Trommeln aus Kartons

Musikalisch wurde die Ausstellungseröffnung von der Percussion-AG des Frankenwald-Gymnasiums untermalt, die mit Füßen, Händen und selbst gebauten Trommeln aus Kartons Stoff für die Ohren lieferten.
"Das war das erste Einwegschlagzeug in unserem Badhaus", sagte der Kulmbacher Bürgermeister Frank Wilzok in seinem Grußwort.