In den sanierten Räumen des Thurnauer Schlosses ist es still - fast wie in einer Kirche. Konzentriert arbeiten Andrea Baumgärtner aus Baden-Baden und Anna Schumacher aus Prag an ihren Werken. Andrea Baumgärtner, zum zweiten Mal beim Europa-Symposium "Kunst baut Brücken" in Thurnau dabei, konzentriert sich auf ihre unbehandelten Leinwände. Sie hat sich der Ölmalerei verschrieben. Das bedeutet: Sie muss Geduld mitbringen. Denn die Ölfarben trocknen langsam.

Spachtel statt Pinsel

Versunken arbeitet die einzige Teilnehmerin aus Baden-Württemberg mit Spachteln und lässt aus farbigen Hintergründen leuchtende Gesichter hervortreten. "Der Mensch steht im Mittelpunkt", sagt sie.

Aus Spaß fertigt Andrea Baumgärtner nebenbei kleine Korkenköpfe, die später gebrannt werden.

Neben ihr ist Anna Schumacher zugange. Sie ist schon ein alter Hase, was das Künstler-Symposium angeht. "Aber so eine Atmosphäre hatte ich noch nie. Allein die Tür zu meinem Atelier - es ist einzigartig. Ich liebe das Schloss, es ist für mich Inspiration", schwärmt sie.

Inspirierende Wetterwechsel

Die Pragerin ist Illustratorin. In diesem Jahr hat sie dank der Wetterwechsel die Mystik des Schlosses entdeckt. Außerdem malt sie Wolkenbilder, die viel Raum zu Interpretation lassen. "In den letzten Jahren habe ich nur Blautöne verwendet, aber diesmal mische ich andere Farben dazu", sagt sie. Anna Schumacher hat auch in der Pandemiezeit etliche Symposien besucht. "Ich bin vollständig geimpft, weil ich reisen möchte, das war kein Problem."

"Wir sind nicht unbeeinflusst von der Covid-19-Situation. Allerdings können wir im Unterschied zum letzten Jahr wieder eine Ausstellung der Werke realisieren, die in der Kunstwoche entstanden sind", freut sich Professor Manfred Gareis vom Europa-Symposium Thurnau schon auf die kreative Schau, die bis zum 26. September im Töpfermuseum zu sehen sein wird. Die größeren Skulpturen würden im Freien verbleiben, im Skulpturengarten von Michael Sauer am Oberen Markt.

Unterstützt wird das 12. Europa-Symposium vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond, von der Sparkasse Kulmbach-Kronach, dem Landkreis Kulmbach und privaten Sponsoren. Die Giech'sche Stiftung und das Institut für fränkische Landesgeschichte haben für die Kunstschaffenden zum ersten Mal die Räume im Schloss geöffnet.

Vom Schloss ins Künstlerhäuschen

Doch nicht alle Künstler nahmen die herrlichen Räume in Anspruch. Doris Bocka zog ins kleine Künstlerhäuschen neben dem Skulpturengarten von Michael Sauer um. Sie arbeitet mit Pigmenten, erschafft abstrakte Werke und hat sich von den Naturtönen des Sandsteins inspirieren lassen. Ihre Passion sind vielschichtige Bilder.

Florian Tully aus Gerolzhofen hat einen 150 Kilo schweren Sandstein vor sich. "Diesen Stein möchte ich in einem zweiteiligen Kunstwerk zum Tanzen bringen. Ich arbeite dabei aus dem Bauch heraus und orientiere mich daran, was der Stein erlaubt", erklärt er. Als gelernter Sachverständiger für Naturstein weiß er genau, was er tut.

Eine ganz andere Arbeitsweise hat dagegen Rudolf Schneidmadl aus Ebelsbach. Auch er fertigt Steinskulpturen. Doch er hat einen genauen Plan. Sein Hauptwerk trägt den Titel "Geteilte Freude". Es ist 1,70 Meter hoch und steht auf drei Stützen.

Michael Sauer hat überdimensionale Hühner aus Sandstein erschaffen. Der Korb mit viereckigen Eiern soll zum Nachdenken anregen.

Ein absoluter Exot

Ein absoluter Exot in der Künstlerszene ist der tschechische Künstler TomᚠDolejš. Er ist für seine einzigartigen Metallskulpturen bekannt. Schon zum sechsten Mal ist er beim Europa-Symposium dabei und lässt sich von der Muse küssen.

Insgesamt sind 14 Künstler aus Deutschland und Tschechien nach Thurnau gekommen, um Kunst zu schaffen und um den internationalen Austausch zu pflegen. Die künstlerische Leitung hat Albrecht Volk.

Die Künstler: Andrea Baumgärtner, Baden-Baden; Doris Bocka, Bindlach; Wolfgang Jäger, Stegaurach; Michael Sauer, Berlin/Thurnau; Rudolf Schneidmadl, Ebelsbach; Robert Siebenhaar, Frankenhaag; Florian Tully, Gerolzhofen; Albrecht Volk, Hallstadt; TomᚠDolejš, Varvara Divisova, Lenka Sárová Malíská, alle Karlsbad; Anna Schumache, Jan Tichy, beide Prag; Anna Vancátová, Dobris

Vernissage: Die Ergebnisse des Europa-Symposiums werden heute um 11 Uhr im unteren Schlosshof vorgestellt. Die Kunstwerke sind dann bis 26. September im Töpfermuseum zu sehen.so