Regnet es? Oder regnet es nicht? Die bangen Blicke am vergangenen Samstag Richtung Himmel waren leider nicht das einzige Problem vor der Open-Air-Premiere des Buschklopfer-Ensembles im Garten des Kulmbacher Amtsgerichts.

Obwohl die Wettergötter ein Einsehen hatten , mussten die Darsteller kurzfristig umdisponieren. Hatte doch Andrea Sack, eine der Darstellerinnen, am Tag der Generalprobe einen Unfall erlitten und konnte zur Premiere nicht auf der Bühne stehen.


Rollentausch in letzter Minute


Was also tun? Etwas, das man von dem unkomplizierten und kreativen Team erwarten durfte: Aus Adriane wurde kurzerhand ein Adrian, der von Regisseur Uwe Hoppe köstlich verkörpert wurde. Die "Mittsommernachts-Sex-Komödie" zeigte sich noch ein Stückchen bizarrer und bekam noch eine Extra-Portion Woody Allen.

"Ich hatte ein Telefonat mit einem Freund in New York", erzählte Uwe Hoppe, "und der war absolut begeistert von der Idee, ein homosexuelles Pärchen ins Spiel zu bringen, das wäre total im Sinne von Woody Allen!" Ihn als Mann eine Frauenrolle spielen zu lassen, wäre auch Quatsch gewesen und bei weitem nicht so glaubhaft, ergänzte er. "Schade ist nur, dass Andrea Sack nicht selbst auf der Bühne stehen konnte, denn auch sie sorgt in ihrer Rolle für absolut skurrile Momente, auf die sich hoffentlich noch viele Zuschauer freuen dürfen."

Der Premiere zumindest tat es keinen Abbruch, dass der Regisseur kurzfristig einspringen musste - im Gegenteil, dieser Aspekt trug beim Publikum zu großer Erheiterung bei. Aber nicht nur das. Die Inszenierung der Buschklopfer an diesem pittoresken Ort hinter dem Kulmbacher Amtsgericht verzauberte die Zuschauer auch durch eine romantische Kulisse, gelungene Ideen, waghalsige Einsätze der Darsteller und schauspielerisches Können.


Wer mit wem und warum?


Das Stück lebt in und von seiner natürlichen Umgebung, das Publikum sitzt quasi mittendrin im Geschehen, und die Schauspieler kosten ihr "Spielfeld" vollends aus. Eine zauberhafte Stimmung herrschte in dem "Zaubergarten", und an einigen Stellen war unweigerlich Shakespeares Vorlage des Sommernachtstraums zu erkennen, deren sich Allen bedient hatte.

Drei Paare, ein Wochenende, ein Haus mit Garten. Andy (Georg Mädl) und Adrian (Uwe Hoppe) haben zwei befreundete Pärchen geladen. Andys alter Freund Max (Thomas Lindner) hat die unternehmungslustige Krankenschwester Dulzy (Michaela Sonntag) im Schlepptau, und Kunstfreund Leopold (Eberhard Einwag) reist mit seiner Verlobten Arielle (Carolin Wagner) an. Dass sich der ein oder andere schon früher einmal mehr oder weniger intensiv begegnet war, und wieder andere plötzlich aneinander Gefallen finden, bringt die Geschichte rund um Liebe, Sex, Eifersucht und den verpassten Augenblick so richtig in Schwung.

Warum werden zwei Menschen überhaupt ein Paar, und wieso bleiben es manche und andere nicht? Woody Allen spürt in seinem Stück den versteckten Begierden von Mann und Frau nach und holt sie mit gekonnter, dezenter Satire ans Tageslicht. "Unsere Ehe ist ranzig geworden, irgendwo ist sie auf der Strecke geblieben", sagte Andy zu seinem Mann Adrian, nur eine von vielen Erkenntnissen, die den Akteuren so einige Entscheidungen abfordern. Hätte man früher..., ist es jetzt zu spät...?

"Wir sind alle Tiere, wenn es um die Liebe geht", bekommt der Zuschauer als Botschaft mit, "und man muss den Augenblick ergreifen." Keine wirklich neuen Erkenntnisse, aber den Anspruch hat die unterhaltsame Komödie auch nicht. Das Publikum trat bestens amüsiert den Heimweg an.

Termine

Für die weiteren Vorstellungen am 24., 25. und 26. Juni sowie am 17. Juli (bei gutem Wetter) gibt es noch an der Abendkasse, bei Regen sind diese Vorstellungen bereits ausverkauft. Ausreichend Karten gibt es noch für die beiden Vorstellungen auf der Baille-Maille-Allee in Himmelkron am 18. Juni und am 6. August. Karten, Infos und Reservierung in den Geschäftsstellen der Bayerischen Rundschau und bei Schreibwaren Hofmann. up