Mit einer Spende des Baugeschäfts Müller wurde das Atelier in erster Linie ermöglicht und im Beisein von Ramona Müller offiziell eröffnet. "Heute ist der Tag, über den ich mich sehr freue", sagte die Leiterin der Kindertagesstätte, Kerstin Lobe. "Wir sind mit dem Geld gut ausgekommen. Wir mussten etwas draufsetzen, aber es blieb im Rahmen."

Idee von Lena Büchel

Die Idee, ein Krippenatelier einzurichten, hatte Lena Büchel, die vor zwölf Jahren als Vorpraktikantin erstmals Kontakt zur Tagesstätte bekam und sich mittlerweile zur Krippenerzieherin und Entspannungspädagogin ausbilden ließ. Das Wort Atelier stammt aus dem Französischen und bedeutet "Werkstatt des Künstlers". Lena Büchel hat das Konzept im Raum München kennen gelernt: "Das ist schon seit langem ein Traum von mir, denn während meiner Zeit in München hatte ich die
Gelegenheit, in vielen Krippen zu hospitieren. Ich war sofort davon begeistert, welche große Experimentierfreiheit dort die Kleinen haben und wie wertvoll das Konzept für ihre Entwicklung ist."

Wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt, brauchte Lena Büchel als Leiterin der "Mäusegruppe" nicht viel Überredungskunst, um ihre Kolleginnen zu begeistern. "Dann wurde geplant, geplant und jeder Baumarkt unsicher gemacht."

Daneben war es aber genauso wichtig, die Eltern zu überzeugen. Die durften dann mit verschiedenen "Aktionswannen" experimentieren - so wie es ihre Kinder tun würden. Gefüllt waren die Wannen mit Linsen, Aqua-Perlen, Erde und Farbe, die für Kleinkinder besonders anziehend wirkt. Es wurde aufgezeigt, dass sich das Leben in einer Kinderkrippe hauptsächlich im Bereich vom Erfühlen zum Erfahren abspielt.

Mit allen Sinnen erleben

"Kleinkinder müssen ihre Umwelt mit allen Sinnen erleben, denn nur so lernen sie. Wen hat es nicht schon in den Wahnsinn getrieben, wenn sein Kind alles in den Mund nimmt, ableckt und auch wirklich alles anfassen muss?", fragt Lena Büchel, die auch den Grund für das Verhalten kennt. "Die Kinder machen das nicht, um uns zu ärgern, sondern es liegt an ihrem natürlichen Drang, die Welt zu entdecken. "

In dem Atelier haben die Kinder "Experimentierfreiheit". Die Erzieher nehmen eine passive Rolle ein. Lena Büchel: "Unsere Aufgabe ist es, den Kindern Materialien und Stoffe bereitzustellen, bei denen die Versuche mit Farben und Malgeräten fruchtbar sind, bei denen vielfältige Spiele aus einem Impuls entstehen können. Unser Leitsatz lautet daher: Wir möchten, dass jedes Kind eine Vielfalt von Handlungsmöglichkeiten erleben kann, denn wer schon früh mit Fingern, Mund, Augen und Leib die Dinge erfährt, der hat die Welt auf eine Weise begriffen, die es ihm später erlaubt, sie auf einer höheren Stufe zu verstehen." Das Atelier stehe im übrigen allen Gruppen im Haus offen, also auch Käfer- und Bärengruppe sind willkommen.

Neben der großen Malwand, dem Spiegel und der Aktionswanne ist ein weiteres Element im Atelier der Arbeitstisch. Auf ihm können die Kinder Aktionen ausführen, die keinen großen Raum benötigen: kneten, kleben, schneiden oder mit Ton arbeiten. Lena Büchel: "All das fördert die Feinmotorik, die im Kleinkindalter noch nicht so ausgereift ist."

Fotos für alle

Das Ziel der Wirsberger Erzieherinnen ist es auch, durch aussagekräftige Dokumentationen in erster Linie den Eltern einen Einblick in die Pädagogik zu verschaffen. "Sie sollen auch selbst daran mitwirken, um die Bedürfnisse der Kinder zu verstehen", erläutert Lena Büchel. Und sie verspricht: "Wir werden einen digitalen Bilderrahmen aufstellen, wo sich jeder die Fotos ansehen kann."