Kräutermischung - das klingt harmlos, ist es meistens aber nicht. Das Auftreten und die Verbreitung immer neuer chemischer Varianten sogenannter psychoaktiver Stoffe stellen laut Gesetzgeber eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Mit einem 2016 erlassenen Gesetz soll der Wettlauf zwischen dem Auftreten immer neuer Mischungen und den anzupassenden Verbotsregelungen im Betäubungsmittelrecht durchbrochen und ein klares Signal an Händler und Konsumenten gegeben werden, dass es sich um verbotene und gesundheitsgefährdende Stoffe handelt.

Ganz legal im Internet

Einer, der mit solchen Kräutermischungen in Kulmbach einen regen Handel betrieben hat, musste sich jetzt vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Nicole Allstadt verantworten. Der 50 Jahre alte Mann wurde am Ende zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Er will nichts davon gewusst haben, dass das Ganze verboten ist.

"Die Mischungen werden doch ganz legal im Internet angeboten", sagte der Mann, der aus betrieblichen Gründen nach über zwei Jahrzehnten urplötzlich von seinem Arbeitgeber in Kulmbach entlassen wurde und von heute auf morgen auf der Straße stand. Mittlerweile musste er seine Wohnung aufgeben, lebt wieder bei seinen Eltern und bekommt Hartz-IV-Leistungen.

"Ist das denn wirklich etwas Schlimmes?"

Der Angeklagte konnte und wollte wahrscheinlich auch nicht verstehen, dass diese Form von Betäubungsmitteln eben nicht so legal ist, wie es scheint und im Internet auf einschlägigen Seiten propagiert wird. "Jeder Mensch kann das bestellen, man muss nicht einmal 18 sein", sagte er. "Ist es denn wirklich etwas Schlimmes, etwas Gefährliches?".

Von der Richterin kam ein klares Ja auf diese Frage. Die gesundheitlichen Folgen könnten immens sein, sagte Allstadt. Gerade bei Heranwachsenden, bei denen das Gehirn noch nicht ganz ausgeprägt ist, könnten die chemischen Verbindungen fatale Folgen haben. Die enthaltenen synthetischen Stoffe hätten nach einer Studie nicht selten ernsthafte physische und/oder psychiatrische Notfälle bis hin zu tödlichen Vergiftungen zur Folge.

Sieben Euro Gewinne pro Gramm

Ganz so naiv wie er tat, war der Mann aber ganz offensichtlich doch nicht. Schließlich hatte er die Nachnahmesendungen aus dem Ausland immer zu einem inzwischen verstorbenen Bekannten liefern lassen. Konkret ging es dabei alle zwei Wochen um rund 60 Gramm, die er mit seinem Bekannten portioniert und verpackt und dann im Bereich zwischen Bahnhof und Zob vertickt hat. Der Einkaufspreis lag bei etwa 5,50 Euro pro Gramm, der Verkaufspreis bei bis zu 12,50 Euro pro Gramm.

Anders wären die Geschäfte bei 440 Euro Hartz IV ja gar nicht machbar gewesen, rechneten ihm Gericht und Staatsanwaltschaft immer wieder vor, auch wenn der Angeklagte bis zuletzt seine Einkünfte herunterspielte und von einem "gegenseitigen Geben und Nehmen" sprach.

Auf den Angeklagten, der selbst auch konsumierte, war die Polizei bei einer Routinekontrolle im Kulmbacher Bahnhof gekommen. Auch da habe sich der Mann komplett ahnungslos gegeben, berichtete ein Beamter.

Abnehmer standen Schlange

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nteressant war auch der Chatverlauf zwischen dem Angeklagten und seinem Bekannten. Die ausgetauschten Nachrichten ließen auf einen schwungvollen Handel schließen und auch darauf, dass der Mann sehr wohl wusste, was er tat. An manchen Tagen seien die Abnehmer regelrecht Schlange gestanden.

Mit einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung blieb das Gericht nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von einem Jahr und vier Monaten. Verteidiger Ralph Pittroff hatte auf acht Monate plädiert. Sein Mandant habe im Zusammenwirken mit dem Bekannten gehandelt und sei mittlerweile auch längst "von dem Dreckszeug" weggekommen.

Wenn alles legal und so einfach wäre, dann hätten es die anderen Abnehmer ja auch selbst im Internet zum wesentlich günstigeren Preis bestellt, sagte Richterin Allstadt in ihrer Urteilsbegründung. Man könne nicht von einem minderschweren Fall reden. "Sie waren da richtig dick im Geschäft", sagte sie. Damit der 50-Jährige auch etwas von der Bewährungsstrafe spürt, muss er 60 Stunden unentgeltliche und gemeinnützige Arbeit ableisten.