Rund drei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig - mit steigender Tendenz. Viele von ihnen möchten nicht ins Heim, sondern - solange es geht - im gewohnten, häuslichen Umfeld bleiben. Pflegedienste ermöglichen es, diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Zu den größten Anbietern auf diesem Sektor gehört die Caritas, die in Stadtsteinach eine Sozialstation unterhält, mit der sie einen Großteil des Landkreises Kulmbach abdeckt. Jetzt ist diese Einrichtung deutlich schlagkräftiger geworden.
Das Geheimnis für die gesteigerte Leistungsfähigkeit liegt in einem Verbund, den die Stadtsteinacher Einrichtung mit dem Caritasverband für den Landkreis Kronach eingegangen ist. Der hatte bisher drei Sozialstationen mit insgesamt 128 Beschäftigen im ambulanten Dienst unter seinen Fittichen: In der Stadt Kronach, in Hof und in Steinwiesen, wo sich die größte Sozialstation in der gesamten Erzdiözese Bamberg befindet. Nachdem sich die 32 Stadtsteinacher Mitarbeiterinnen nunmehr diesem Organisationsverbund angeschlossen haben, steigt die Zahl der Beschäftigten auf 160. Sie betreuen rund 700 Patienten - tagein, tagaus.


Exotische Stellung

Das Joint Venture mit der Stadtsteinacher Dienststelle hat sich angeboten, weil die juristisch gesehen dem Caritas-Diözesanverband Bamberg zwar angehört, dort aber eine recht exotische Stellung innehat: Die Bamberger betreiben 16 Alten- und Pflegeheime, aber neben Stadtsteinach keine weitere Sozialstation. Damit war die Niederlassung in der Frankenstraße eine Art "Einzelkämpfer": Organisation und Abläufe einer Sozialstation unterscheiden sich erheblich von denen, die in Heimen vonnöten sind.


Erste Bilanz

"Daher lag die Überlegung nahe, uns zusammenzutun", sagt Cornelia Thron, die Geschäftsführerin des Kreis-Caritasverbandes Kronach. Der Startschuss dafür ist am 1. Dezember des vergangenen Jahres gefallen. Erste Bilanz: "Absolut perfekt" läuft laut Thron die Zusammenarbeit mit Stadtsteinach und der dortigen Pflegedienstleiterin Doris Ludwig. Die ist ihrerseits voll des Lobes für den neuen Verbund: "Wir haben viele Vorteile, können uns fachlich besser austauschen und von den Erfahrungen und der Ausstattung unserer Nachbarn profitieren. Wir haben einen starken Partner an unserer Seite."
Doch Doris Ludwig hat auch das ihre dazu getan, die Caritas-Sozialstation Stadtsteinach voranzubringen. Ihre Leistungsbilanz ist beeindruckend: Allein im vergangenen Jahr gelang es der Wirsbergerin, die Zahl der betreuten Patientinnen und Patienten stark zu steigern - um über 50 Prozent.
Diese beeindruckende Erfolgsbilanz aber hat Folgen: Die Niederlassung in der Frankenstraße platzt aus allen Nähten, im kleinen Büro herrscht drangvolle Enge. "Deshalb suchen wir in Stadtsteinach nach neuen Räumen. 70 bis 100 Quadratmeter und acht Parkplätze für unsere Autos - sowas wär genau das Richtige", sagt Doris Ludwig. Und freilich braucht es auch mehr Personal, um dem gestiegenen Arbeitsaufwand gerecht zu werden.
Der Erfolg lässt sich auch an einem anderen Parameter messen: Bei der jüngsten Prüfung des Medizinischen Dienstes der Kassen (MdK) hat die Stadtsteinacher Einrichtung mit der sehr guten Note 1,2 abgeschlossen.
Es geht also gut gerüstet in die Zukunft, die neue Herausforderungen mit sich bringt. So zieht das seit Januar gültige Pflegestärkungsgesetz II Neuerungen nach sich, zu denen die Entbürokratisierung der Pflegedokumentaion zählt. Eine große Aufgabe. Nachdem die Sozialstation Steinwiesen auf diesem Gebiet schon Vorarbeit geleistet hat, kann Stadtsteinach auf deren Methodik und Erfahrungswerte zurückgreifen. Cornelia Thron dazu: "Einer profitiert vom anderen. So soll es auch sein."
Fazit: Der Zusammenschluss der Sozialstationen unter dem Flammenkreuz bietet eine klassische Win-win-Situation.