Eigentlich hätte Paul Schneider aus Rugendorf am 19. April seinen großen Tag gehabt. Für die Konfirmation in der St.-Jakob-und-St.-Erhard-Kirche war schon alles geplant und vorbereitet: die Einladungen verschickt, Gaststätte reserviert, Blumenschmuck und Küchla bestellt, der Anzug gekauft und und und. Dann kam Corona. Der Lockdown legte erst einmal alles auf Eis und machte auch den Konfirmanden und Kommunionkindern in Stadt und Landkreis Kulmbach einen Strich durch die Rechnung.

"Da haben wir erstmal alles abgesagt, abbestellt und auch die Gäste wieder ausgeladen. Das war alles kein Problem, jeder hatte Verständnis", erzählt Mama Daniela Schneider. Die Befürchtung war eher: "Kriegen wir unser Restaurant wieder?" Auch das hat zum Nachholtermin am 6. September geklappt, nur der Anzug passte nicht mehr. Eine zweite Garnitur musste her, und so hat der 14-Jährige nun - wie wohl viele andere Konfirmanden und Kommunionkinder auch - zwei schicke, schwarze Anzüge im Schrank hängen.

In jeder Gemeinde anders

In vielen Kirchengemeinden werden jetzt die Termine nachgeholt. Die meisten Konfirmationen und Kommunionen finden im September statt, Mainroth, Weismain und Buchau haben es sogar schon im Juli durchgezogen, Limmersdorf Anfang August. Wie die Kirchenfeste in Corona-Zeiten durchgeführt werden, entscheidet letztendlich jede Gemeinde selbst, aber immer nach den Hygiene- und Sicherheitsvorgaben der Landeskirche beziehungsweise des Erzbistums. Ausschlaggebend sind in erster Linie die Zahl der Kinder und Jugendlichen sowie die Größe der Kirche.

In Rugendorf waren sich die sechs Konfirmanden und ihre Eltern gleich einig, dass noch in diesem Jahr alle zusammen feiern sollen. "Ich finde das schön, denn es ist ja auch der Abschluss einer gemeinsamen Zeit", sagt Pfarrerin Sigrun Wagner. Angesichts der zu erwartenden Gästezahl von über 100 Gottesdienstbesuchern und der Tatsache, dass bis vor kurzem (inzwischen gab es eine Lockerung) nur 41 Personen aus unterschiedlichen Haushalten in die Rugendorfer St.-Erhard-und-St.-Jakob-Kirche durften, entschieden sich die Familien für eine Open-Air-Konfirmation auf der Kirchwiese direkt neben dem Gotteshaus.

Feier im Garten

"150 bis 200 Besucher kriegen wir mit dem nötigen Abstand in den Garten rein. Wir können die Türen der Kirche offen lassen, dann kann auch die Orgel spielen, und der Posaunenchor könnte vom Vorplatz aus musizieren", erläutert Sigrun Wagner das Konzept. Und bei Regen bliebe immer noch die Option, dass die Konfirmanden mit einem kleinen Gästekreis ins Gotteshaus wechseln. "Ich finde die Idee der Eltern toll, denn die Kirchwiese wurde bisher eh viel zu selten genutzt", so die Pfarrerin. Und auch Konfirmand Paul gefällt die Lösung. "Wir sind die ersten, die dort feiern", sagt er. Neben Rugendorf wird Sigrun Wagner auch die Konfirmation in Stadtsteinach als Open-Air gestalten, und in Kirchleus hat man sich ebenfalls für diese Variante ausgesprochen.

Für eine andere Variante hat man sich in Thurnau entschieden, wie Dekanin Martina Beck erläutert. Dort werden die zehn Konfirmanden auf vier Gruppentermine aufgeteilt, sodass bis zu drei Familien-Einheiten jeweils gemeinsam feiern können. Die Angehörigen sitzen dann als geschlossene Gesellschaft in einem festen Block mit genügend Abstand zur nächsten Gruppe. "Die Platzverhältnisse in der Thurnauer Kirche sind einfach zu beengt, um eine ,normale' Konfirmation halten zu können", sagt Martina Beck. Die Gruppentermine hätten den Vorteil, dass die Konfirmanden diesen Tag mit ihrer ursprünglichen Gästezahl feiern können.

Platzprobleme kennt man in der großen Kulmbacher Petrikirche weniger. Dort haben die 14 Konfirmanden am 20. September um 10 Uhr ihren Festgottesdienst. Pro Familie werden ein bis zwei Bankreihen reserviert, zwischen den Sitzbänken bleibt immer eine Reihe frei, wie Pfarrer Ulrich Winkler erläutert. Nach diesem Konzept stehen immer noch 140 mögliche Sitzplätze für weitere Gottesdienstbesucher zur Verfügung. "Erst dann wäre die Kirche voll und alle nötigen Abstände blieben gewahrt", so Ulrich Winkler. Diese großzügigen Platzverhältnisse sind auch für andere interessant. Und so hält die Friedenskirche ihre Konfirmation am Samstag, 26. September, ebenfalls in der Petrikirche.

Erst im nächsten Jahr

Es gibt auch Gemeinden, die die Konfirmation ganz auf das nächste Jahr verschieben, wie zum Beispiel Mangersreuth. Man habe sich mit allen Modellen beschäftigt, und "es gab viele Diskussionen", so Pfarrerin Bettina Weber. Die Konfirmanden, insgesamt 26 in zwei Sprengeln, wollten auf jeden Fall in ihren Gruppen zusammen konfirmiert werden. Ausschlaggebend sei letztendlich die Enge der Kirche, vor allem auch im Altarraum, gewesen. Es sei unmöglich, die nötigen Abstände einzuhalten, und "man hätte alles weglassen müssen, was so einen Festgottesdienst gerade schön macht". Und so wird es in Mangersreuth im nächsten Mai zwei Konfirmationen (Jahrgang 2020) und im Juni zwei Konfirmationen (Jahrgang 2021) geben.

Auch für die Erstkommunionen im Pfarreienverbund Kulmbach Stadt und Land stehen die Nachholtermine fest, vorausgesetzt natürlich die entsprechenden Lockerungen der Hygienevorschriften werden beibehalten, so leitender Pfarrer Hans Roppelt. Sie sind zwischen dem 20. September und 18. Oktober geplant. "Ich bin mir bewusst, dass wir damit ein gewisses Risiko eingehen. Niemand weiß, wie sich die Pandemie entwickelt und ob es wieder zu Einschränkungen kommen wird. Eine Garantie kann niemand übernehmen", so Roppelt.

Er sei gefragt worden, warum die Kommunionen nicht schnell noch im Juli durchgeführt wurden. "Das hat mehrere Gründe: Die Kinder sollen gut auf die Erstkommunion vorbereitet werden. Das war ja bis jetzt nicht möglich. Und die Eltern sollen auch die Möglichkeit haben, die familiäre Feier vorzubereiten. Ich bin mir bewusst, dass nicht alle mit dieser Planung einverstanden sind. Aber wir versuchen das Bestmögliche für unsere Erstkommunionkinder."

Egal, wann und wie gefeiert wird in den Kirchengemeinden - die Konfirmationen und Kommunionen 2020 werden allen Beteiligten als etwas ganz Besonderes in Erinnerung bleiben. Und das liegt nicht nur daran, dass statt Birkenstämmchen vielleicht Sonnenblumen neben den Altären stehen werden. Konfirmand Paul Schneider und seine Mutter Daniela sind sich sicher: "Das wird ein unvergessliches Erlebnis. Wir freuen uns sehr darauf, weil es bestimmt ein ganz besonderes Fest wird."