Jacqueline Reese liebt Franken. So sehr, dass die 50-jährige Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen Kulmbach und seinem Umland einen kompletten Frankenkrimi gewidmet hat: "Spitzberch" heißt das erste größere Werk der Dorstener Schriftstellerin - und diesen Spitzberg gibt es wirklich: Wenn die Autorin, die regelmäßig in Danndorf Urlaub macht, aus ihrer Ferienwohnung blickt, kann sie bis ins benachbarte Schimmendorf schauen, wo sich der Spitzberg erhebt. Jacqueline Reese gewann mit ihren Kurzgeschichten bereits verschiedene Wettbewerbe. In Gladbeck arbeitet sie als Lehrerin an einer Förderschule für Erziehungsschwierige und Lernbehinderte. Im Interview verrät sie infranken.de, warum ihr Kulmbach und Umgebung so sehr am Herzen liegt.

Wie kommt eine Lehrerin aus dem nordrheinwestfälischen Dorsten dazu, einen Frankenkrimi zu schreiben?
Jacqueline Reese: Es ist jetzt fast zwölf Jahre her, als ich mit meiner Familie als ganz normale Touristin das erste Mal nach Kulmbach kam. Mich interessiert vor allem die schöne Landschaft, die Kultur, die Menschen und sogar das Fränkische. Letzteres habe ich am Anfang leider überhaupt nicht verstanden. Nach und nach ist mir und meiner Familie die Gegend richtig ans Herz gewachsen, und seitdem komme ich regelmäßig nach Schimmendorf und Danndorf bei Mainleus, wo wir bei der Familie Bär Urlaub machen. Irgendwann will ich mich hier niederlassen. Durch meine Wanderungen in der schönen Naturlandschaft bin ich auf die Idee gekommen, einen Krimi zu schreiben, der die Besonderheiten der Gegend um Kulmbach mit einbezieht.

Was reizt Sie beim Schreiben, wie sind Sie darauf gekommen?
Ich schreibe schon seit meiner Jugend. In den letzten Jahren kam ich wieder mehr dazu. Durch das Schreiben kann man ganz direkt ausdrücken, was man empfindet. Mir ist es ein Bedürfnis, Kulmbach und alles, was ich hier erlebt habe, in einen Roman auf positive Weise darzustellen, damit vielleicht auch andere Leute hier Urlaub machen.

Eine Polizistin aus dem Ruhrgebiet, ein Schriftsteller mit irischen Wurzeln, der in einem abgelegenen Hof Krimis schreibt, und nicht zuletzt die Familie Bär aus Danndorf - sie alle kommen in ihrem Buch vor. Viele der Figuren deuten auf reale Vorbilder oder auf Ihre eigene Biografie hin. Stimmt das?
Wenn man echte Personen und echte Erlebnisse verarbeitet, wirkt es realistischer. Die Figuren in meinem Krimi sind natürlich frei erfunden, aber trotzdem nicht nur reine Fantasiegestalten: Beim Schreiben stelle ich mir einen bestimmten Typ Mensch vor, den ich in meinem Leben getroffen habe. Beispielsweise gibt es auch Gaststätten tatsächlich, die ich im Buch erwähne, wenn auch ohne Namen.

Der langjährige stellvertretende Chef der Kulmbacher Polizei heißt Fritz Bär. Da fällt es natürlich auf, wenn der Kommissar in Ihrem Krimi Fritz Lux heißt. War das Absicht?
(lacht)
Fritz Bär ist der Eigentümer der Ferienwohnung in Danndorf, in der wir jedesmal wohnen. Mit der Familie Bär sind wir seit Jahren befreundet. Man darf das vielleicht als kleinen Hinweis verstehen, aber die Romanfigur ist frei erfunden. Ob Lux Züge von Herrn Bär trägt, überlasse ich ihm selbst.

Trotz Globalisierung und Internet boomen Regionalkrimis. Woran könnte das liegen?
Eben an der zunehmenden Globalisierung und der immer präsenten Medienwelt. Deshalb ist es für mich wichtig, sich auf das Natürliche und Einfache zu besinnen, auf das, was direkt vor der Nase liegt, was man aber gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Sicher tut es den Leuten mal wieder gut, etwas Positives über ihre Heimat zu erfahren. Von der Regionalkrimi-Welle habe ich natürlich profitiert, aber beeinflusst hat mich das nicht.

Wie sieht es mit einem Nachfolger für den "Spitzberch" aus?
Der ist schon in Arbeit. Als Winterkrimi wird er Ende des Jahres herauskommen. Dafür betreibe ich momentan Recherche. Ich habe schon Kontakt mit dem Landschaftsmuseum auf der Plassenburg aufgenommen.

Das vollständige Interview und eine Buchrezension lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Bayerischen Rundschau