Im Rahmen der Landtagswahlen sollen die Direktkandidaten aller Parteien des Wahlkreises vorgestellt werden. Dazu haben wir mit Christiane Zeigler (Bayernpartei) und Reinhard Englert (ÖDP) gesprochen. Michaela Hüttner von der MUT-Partei war trotz mehrfacher Anfragen leider nicht zu erreichen.

Die Bayernpartei gründete sich 1946 und sieht sich als regionalistische Partei mit christlich-konservativem Gedankengut. Die Partei möchte bayerisches Staatsbewusstsein und demokratische Prinzipien pflegen. Sie wünscht sich Bayern als einen unabhängigen Staat. Bei den Landtagswahlen 2013 hatte die Partei 2,2 Prozent der Stimmen erreicht.

Einen Teil dazu beitragen, dass dieses Ergebnis wieder erreicht wird, möchte Christiane Zeigler. Die 57-jährige Musiklehrerin ist die Direktkandidatin für den Wahlkreis Wunsiedel/Kulmbach. Vor sieben Jahren ist die Arzbergerin in die Bayernpartei eingetreten, aus einem einfachen Grund. "Ich bin Sportschützin - und diese sind für viele Parteien oftmals ein Feindbild. Das ist bei der Bayernpartei nicht so", erzählt Christiane Zeigler.

Erst danach setzte sie sich mit dem Programm der Partei auseinander und besuchte 2017 den Landesparteitag in Weiden. Dort war sie dann restlos begeistert. "Ich wurde einstimmig zur Landtagskandidatin gewählt", sagt Christiane Zeigler, die in Wunsiedel geboren wurde.

Bei diesen Wahlen gibt es erstmals in jedem Wahlbezirk einen Direktkandidaten der Bayernpartei. "In Nordbayern ist die Partei noch nicht so erfolgreich wie im Süden. Das möchte ich ändern", sagt Christiane Zeigler zu ihren Zielen für die Wahl.

Mit ihrem Mann bewohnt sie ein Haus am Waldrand in Arzberg, daher liegt ihr in der fränkischen Heimat vor allem das Dorfleben und die dortige Gemeinschaft am Herzen. "Der Zusammenhalt in den Dörfer gehört zu Bayern dazu. Und dafür muss man sich auch politisch einsetzen", erklärt Christiane Zeigler.

Was sie von der Politik erwartet? "Nicht lange diskutieren, sondern auch etwas machen." Mit einem guten Beispiel möchte sie selbst vorangehen.

Politische Schwerpunkte von Christiane Zeigler (Bayernpartei):

Förderung der strukturschwachen Regionen: Christine Zeigler erfährt die Auswirkungen der Strukturschwäche einer Region aus nächster Nähe: "In Arzberg schließen immer mehr Geschäfte, die Infrastruktur ist schlecht, und auch das Internet ist nicht ausgebaut." Die Mobilität auf dem Land sei nur unzureichend. Und da es keine Arbeit gebe, zögen immer mehr Menschen weg. Als Lösungswege sieht sie die Einführung eines Ruf-Bus-Systems, das Schaffen von Anreizen für mittelständische Unternehmen und die Verbesserung des Freizeitangebots für Jugendliche. Und auch Ärzten müsse es attraktiver gemacht werden, eine Praxis auf dem Land zu eröffnen. "Studenten, die sich verpflichten, später auf dem Land zu praktizieren, sollten ein Stipendium erhalten."

Lehrer- und Pflegekräftemangel: "Befristete Arbeitsverträge für Lehrer müssen verboten werden. So kann man nicht für die Zukunft und für eine Familie planen", fordert Christiane Zeigler. Zudem soll das Gehalt von angestellten und verbeamteten Lehrern auf das gleiche Niveau gebracht werden. Und auch in den Pflegeberufen sieht sie Handlungsbedarf: "Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung im Pflegesektor müssen sich verbessern. Jetzt ist der Zeitpunkt, um zu handeln."

Naturnahe Landwirtschaft: "Hier geht es ganz klar ums Geld. Es müssen faire Erzeugerpreise her", fordert Christiane Zeigler. Kleinere Betriebe würden immer mehr aussterben. "Die Bauern haben immer mehr Bürokratie zu bewältigen. Sie verbringen mehr Zeit vor dem PC als auf den Feldern", stellt Christiane Zeigler fest.

Die Ökologisch-Demokratische Partei sieht sich in der politischen Mitte positioniert. 1982 gegründet, möchte die ÖDP die direkte Demokratie stärken und das Prinzip der Nachhaltigkeit vermitteln. Bei der jüngsten Landtagswahl hatte die Partei 2,0 Prozent der Stimmen erhalten.

"Dieses Jahr haben wir eine Chance, in den Landtag einzuziehen", gibt sich Reinhard Englert zuversichtlich. Der Direktkandidat des Stimmkreises Wunsiedel/Kulmbach stammt aus Würzburg und lebt mittlerweile seit 20 Jahren im Burgkunstadter Stadtteil Mainroth.

2009 ist er der ÖDP beigetreten, weil ihn das Programm überzeugt hat: "Die ÖDP ist konsequenter als die Grünen." Reinhard Englert ist Beisitzer im Kreisverband und Delegierter für die Landesparteitage. "Die ÖDP kann die ökologischen, demokratischen Kräfte im Landtag stärken. Besonders die direkte Demokratie wird in keiner anderen Partei so gelebt wie in der ÖDP", sagt Reinhard Englert.

"Die ÖDP kann in die Fußstapfen der CSU treten und die Heimat für viele ehemalige CSU-Wähler werden. Wir sind das Original der ehemaligen CSU", erklärt Reinhard Englert, wodurch er sich den Einzug in den Landtag erklären kann.

Und auch für Sympathisanten der Grünen kann die ÖDP zur Heimat werden. "Die Grünen werden sowieso in den Landtag kommen. Wer uns wählt, kann noch weitere Aspekte in ökologischen Bereichen einbringen", erklärt Reinhard Englert.

Die ökologischen Themen liegen dem 67-jährigen, pensionierten Grundschullehrer am Herzen, da er selbst Besitzer einer Streuobstwiese ist, mit der er die ganze Nachbarschaft versorgt. Die Natur und die Musik liegen ihm besonders am Herzen - ein Ausgleich für die politische Arbeit, bei der er sich besonders auf den Austausch freut. Ihn macht zugleich froh, dass immer mehr ökologischen Themen zu Schwerpunkten werden.

Politische Schwerpunkte von Reinhard Englert (ÖDP):

Erhalt der Landschaften in Bayern: "Wir brauchen eine grundlegende Agrarwende, um mit den Folgen der Erdüberhitzung umgehen zu können. Auch die erneuerbaren Energien müssen weiter ausgebaut werden", fordert Reinhard Englert. Da er sich damit selbst beschäftigt, weiß er, dass noch mehr erreicht werden könne. Nationalparks sollten zu einer komplette Fläche verbunden und Biotope vernetzt werden.

Stärkung und Rückkehr zur Gemeinwohlökonomie: "Momentan steht die Maximierung von privaten Gewinnen an erster Stelle. Wir brauchen aber eine Rückkehr zur Gemeinwohlökonomie", fordert Reinhard Englert. Ein Lösungsansatz ist dabei für ihn, mehr kleinere Einheiten zu schaffen anstatt auf große Einkaufskomplexe zu setzen.

Erhalt von bäuerlichen Betrieben: "Bäuerliche Betriebe sind derzeit gezwungen, entweder größer zu werden oder zu weichen", kritisiert Reinhard Englert. Die Förderungen seien derzeit flächengekoppelt, was für die kleinen Betrieben tödlich sei. Um sie aber besser unterstützen zu können, wäre es sinnvoller, diese mehr zu fördern als die großen Betriebe. Als Notmaßnahme müsse man vorerst einen Mindestpreis für Grundnahrungsmittel festlegen, fordert Reinhard Englert.