Seit über 85 Jahren steht die kleine Kapelle schon auf dem Traischelberg hoch über Wartenfels. Auch wenn sie eher unscheinbar wirkt, so ist die kleine Kapelle für die Wartenfelser doch mehr als nur ein Zeugnis tief verwurzelter Volksfrömmigkeit. Die Traischelkapelle, "des Kapella", ist längst zum heimlichen Wahrzeichen des Orts geworden.

Deshalb setzen die Wartenfelser alles daran, dieses Denkmal auch für nachfolgende Generationen zu erhalten. Zwar ist die Kapelle an sich Eigentum des Markts Presseck und dieser damit auch für deren Unterhaltung verantwortlich, doch lässt die finanzielle Situation der Gemeinde keinen großen Spielraum für umfassende Instandhaltungsarbeiten.



In Eigenregie

Die Wartenfelser Ortsvereine und einige sehr engagierte Wartenfelser unter der Federführung von Gustav Tempel haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihr "Kapella" grundlegend zu sanieren und die Außenanlagen ansprechend zu gestalten. Unzählige Arbeitsstunden wurden geleistet und zahlreiche Geld- und Materialspenden gesammelt, um die Traischelkapelle wieder zu einem echten Schmuckstück zu machen.

Bei den Arbeiten wurde auch die kleine Tafel über dem Eingang wieder freigelegt, die auf die Stifter dieses Kleinods hinweist: "Joh u. Bab Pfister" steht da zu lesen und dazu die Jahreszahl 1930.

Am 9. November 1930 wurde die Kapelle zusammen mit einem Feldkreuz durch Pfarrer Johann Frühwein und Pater Sternius Heilig von den Franziskanern aus Marienweiher geweiht. Im Inneren wurde die Kapelle mit einem Altar ausgestattet, der die Rosenkranzkönigin zeigt, die dem heiligen Dominikus den Rosenkranz reicht.


Im Dunkel der Erinnerung

Doch fragt man nach den Stiftern der Kapelle, ist den meisten heute nur noch vage in Erinnerung, dass die beiden in Amerika lebten. Barbara Pfister wurde 1873 als Tochter des Wagnermeisters Johann Vogler und seiner Ehefrau Margaretha in Wartenfels geboren. Sie stammte aus der Familie der "Papiermüller", die wenige Jahre zuvor die historische Papiermühle im Dorfgrund gekauft hatten.


Aus nächster Nähe

Zuvor lebte die Familie im Haus der ehemaligen Wartenfelser Bäckerei Wunder, wo auch die Familie von Paulus und Kunigunda Kremer mit ihren fünf Kindern wohnte, die 1888 nach Amerika auswanderten, um dort ihr Glück zu suchen.

1893 verließ auch Barbara mit gerade einmal 20 Jahren ihren Heimatort Wartenfels in Richtung Amerika. Dort heiratete sie wenige Jahre später jenen zwischenzeitlich verwitweten Paulus Kremer, den sie bereits als junges Mädchen in Wartenfels kennengelernt hatte. 1926 wurde sie selbst Witwe und heiratete 1928 in Amerika zweiter Ehe den Privatier Johann Pfister. Nach ihrem Tod 1947 fand sie ihre letzte Ruhestätte im Grab der Familie Kremer in Queens, New York.

Der Grund, aus dem Barbara Pfister mit ihrem Ehemann Johann den Wartenfelsern eine Kapelle stiftete, ist nicht mehr bekannt. Vielleicht einfach aus dankbarer Erinnerung an ihre alte Heimat, vielleicht aus Dankbarkeit darüber, dass es ihr im Leben gut erging. Vielleicht aber auch als Erinnerung an die Hochzeit ihres Neffen Georg Vogler, der 1929 in Wartenfels Margarete Pfister, die Tochter ihres zweiten Ehemanns Johann Pfister heiratete.
Die Wartenfelser jedenfalls sind heute noch sehr dankbar für die großzügige Spende, die das Ortsbild bis heute prägt. Dankbar sind die Wartenfelser auch jenen Enthusiasten, die der Kapelle durch ihren selbstlosen Einsatz wieder zu neuem Glanz verholfen haben.

Am Sonntag, 22. Mai, wird die Gemeinde um 14 Uhr an der Traischelkapelle eine Maiandacht feiern, die von der Chorgemeinschaft und dem Musikverein musikalisch umrahmt wird.


Schattenspender

Auch die politische Gemeinde ist dankbar für die Selbsthilfe der Wartenfelser. Dass das sogar über die Gemeindegrenzen hinweg gewürdigt wird, zeigt, dass auch der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel sein Kommen angekündigt hat. Er stiftete einen Baum, der bei der Kapelle seinen Platz finden soll.

Im Anschluss an die Andacht bietet die Gemeinschaft der Vereine den Gästen Kaffee und Streubela. Dabei hoffen sie auf zahlreiche Spenden, denn die Wartenfelser haben schon das nächste Projekt im Blick: Am Kinderspielplatz sind einige Spielgeräte dringend erneuerungsbedürftig.