So ein Badezimmer hat Helena Goller noch nie gesehen: der hölzerne Badezuber im Badhaus hat es der Fünfjährigen angetan, und sie freut sich, dass sie sich einmal hineinsetzen darf. Gemeinsam mit zwölf weiteren Kindern und deren Eltern ist die kleine Kulmbacherin zu einer ganz besonderen Stadtführung unterwegs: der ersten speziell für Kinder konzipierten Tour auf den Spuren des mittelalterlichen Lebens.

Ausgedacht hat sich das Angebot Jürgen Treppner vom Kulturamt der Stadt. Eineinhalb Stunden führt er die Teilnehmer durch die Innenstadt und sorgt dabei mit vielen spielerischen Elementen dafür, dass die Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren bei der Sache bleiben: So dürfen sie sich beispielsweise einen mittelalterlichen Beruf aussuchen, dessen Spuren es unterwegs zu entdecken gilt.

Start ist am Zinsfelder Brunnen auf dem Holzmarkt, und der zehnjährige Yannic Strugalla darf gleich die erste Aufgabe lösen. Er muss das Bild eines Landsknechtes finden, und Jürgen Treppner erklärt den Kindern anhand der Figur des "Zinsfelders" die Rolle der Landsknechte im Mittelalter.


Mit dem Handel kam der Reichtum



Vom Holzmarkt geht es durch die Langgasse zum Gewürzbrunnen. Kulmbach lag einst an einer wichtigen Handelsstraße, die Nürnberg und Leipzig verband, und mit den reisenden Kaufleuten kam der Wohlstand. Pfeffer, Muskat, Nelken und Vanille am Brunnen, erkennen die größeren Kinder richtig, und Yannic weiß auch, warum Gewürze früher nur den Reichen zur Verfügung standen: "Die kamen von weit her und fremden Ländern und haben viel Geld gekostet." Dass man die Wohlhabenden damals deshalb etwas abschätzig als "Pfeffersäcke" bezeichnete, wusste der Neunjährige noch nicht. "Das ist lustig. Das merke ich mir."

Die Stadtmauer am Schießgraben weist Löcher auf. Wo die wohl herkommen? Von Schießübungen? Eine nahe liegende Idee, wenn man die Bezeichnung der Straße in Betracht sieht. Doch auf die Mauern wurde nicht geschossen, sondern die Löcher waren für den Transport der Steine notwendig, erklärt Jürgen Treppner. Das wussten auch die Erwachsenen noch nicht. Und warum der Sandstein Sandstein heißt, durften alle an der Mauer selbst erfühlen.

Mehr zur Kulmbacher Stadtführung für Kinder lesen Sie am Dienstag in der Bayerischen Rundschau.