Kein fröhliches Geplapper, kein Plantschen und kein vergnügtes Lachen sind zu hören. Nur wenige Menschen haben sich überhaupt hierher verirrt; die meisten sind nur da, weil sie nicht wussten, dass der See gesperrt ist. Insgesamt ein trauriges Bild: Pünktlich zum Ferienbeginn wurde für die Kieswäsch am Oberauhof ein Badeverbot verhängt.
Grund sind, wie schon im letzten Sommer, Teppiche aus Blaualgen. In schimmernden Blau- und Grüntönen sammeln sich die Algen, Benzinlachen ähnlich, an der Wasseroberfläche und verpesten die Luft mit ihrem penetranten Gestank. Allein der würde sicher manchen vom Baden abhalten. Dass es ein offizielles Badeverbot gibt, liegt aber vor allem daran, dass die Blaualgen bei Hautkontakt zu Reizungen, bei Verschlucken sogar zu Übelkeit und Erbrechen führen können. Besonders Kinder und geschwächte Menschen sind dafür anfällig.
Zu den wenigen Sonnenbadern, die derzeit an der Kieswäsch anzutreffen sind, gehört Herbert Glauch. Der 74-Jährige denkt in erster Linie an die Schulkinder, denen jetzt der Ferien-Badespaß verwehrt bleibt. "Es ist doch schade, dass man jetzt bei diesem schönen Wetter nicht baden kann."

Finanzielle Katastrophe

Auch andere Gäste sind nicht gerade glücklich über das stinkende Übel. Das Ehepaar Anker aus Sachsen zum Beispiel hatte vom schönen Oberauhof gehört und wollte auf der Heimfahrt von einer Motorradtour ein erfrischendes Bad nehmen. Auch den beiden machten die Algen einen Strich durch die Rechnung.
Für Christine Kern, seit Januar Pächterin des "Biergartens am See", sind die Algen eine finanzielle Katastrophe. Wo eigentlich Kinder Schlange stehen sollten, um Eis und Limonade zu kaufen, herrscht gähnende Leere und bedrückende Stille. Einzig der Stammtisch ist besetzt.
Sollten die Sommerferien doch eigentlich die ertragreichste Zeit des Jahres für ihr Geschäft sein, so sind sie momentan eine Pleite auf ganzer Linie. Der Strand ist leer, die Kasse auch.
Die wenigen Stammkunden und Spaziergänger, die bei Christine Kern einkehren, bringen bei weitem nicht genug ein, um den Kiosk zu finanzieren. Christine Kern ist frustriert und verzweifelt. "Wenn die Stadt nicht mehr tut, bin ich bald ruiniert!" sagt sie .

Erste Hilfe mit dem Rechen

Hoffnung macht ihr momentan einzig die Wasserwacht, die seit Tagen in mühevoller Kleinstarbeit mit Rechen so viele Algen wie möglich aus der Kieswäsch fischt. Zudem wird versucht, die Algen mithilfe von Motorbooten ans Ufer zu schwemmen, um sie dort dann oberflächlich abzusaugen, wie Uwe Angermann, Sprecher der Stadt Kulmbach, auf Anfrage dazu erklärt.
Wie lange es allerdings dauert, bis sich ein Erfolg einstellt, ist unsicher: Solange es so heiß bleibt, gedeihen die Blaualgen prächtig.
Ein weiteres Problem des beliebten Badesees ist die große Zahl der Kanadagänse, die sich am Oberauhof heimisch fühlen. Große Mengen Kot, den die großen, braun-weißen Wasservögel auf den Liegewiesen hinterlassen, ärgern die Besucher. Und unter den Mengen an Kot leidet auch die Wasserqualität: Was vom Ufer in den See gelangt, fördert das Algenwachstum noch mehr.
Schon seit dem letzten Jahr wird darüber diskutiert, wie man die Gänse wieder loswerden kann. Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. Ein Badegast, der namentlich nicht genannt werden möchte, drängt auf zeitnahes Handeln, spricht davon dass man die Tiere "einfach abschießen" soll.
Auch Familienvater Thomas Fischer hält eine zeitnahe Lösung des Gänseproblems für notwendig. Er sorgt sich nicht nur um Optik und Gestank, sondern vorwiegend um die Gesundheit seiner Söhne.


"Will man das einfach nur aussitzen?"

Kulmbach — Alle Jahre wieder - Blaualgen-Plage an der Kieswäsch. Muss das sein? Nein, meint Rudolf Götz aus Mainleus und macht seinem Unmut über das Vorgehen der Verantwortlichen in Sachen Algen-Plage in einem Schreiben an die Bayerische Rundschau Luft. "Hunderten, vielleicht Tausenden Menschen wurde letztes Jahr das
Badevergnügen genommen, Kindern und Jugendlichen die Chance verwehrt, an einem Schnupperkurs für Surfer und Segler des Surf- u. Segelclubs teilzunehmen. Nicht zu vergessen der wirtschaftliche Schaden, der dem damaligen Kioskbetreiber entstanden ist, und der letztlich zu seiner Vertragskündigung geführt hat."
Es stelle sich schon die Frage, so Götz, ob der neuerliche Algenbefall in diesem Jahr durch vorbeugende Maßnahmen hätte verhindert werden können. Der Mainleuser erinnert an ein Zusammentreffen von Vertretern von Politik, Stadtverwaltung und Medien auf dem Bootssteg am Badesee nach dem Abblühen der Blaualgen im vergangen Jahr. Er selbst - langjähriges Mitglied des Surf- und Segelclubs - habe eher durch Zufall daran teilgenommen. Es sei darüber diskutiert worden, wie man künftig eine Algen-Plage vermeiden und ungehinderte Badefreuden während der gesamten Saison, vor allem während der Schulferien garantieren könne.
"Ich selbst hatte vorgeschlagen, in Abstimmung mit dem Fischereiverein die Möglichkeit des Einsatzes von Graskarpfen, die Algen vernichten, zu prüfen, alternativ oder zusätzlich in einer Gemeinschaftsaktion von Technischem Hilfswerk, DLRG, Wasserwacht, SSC- Surf- und Segelclub und eventuell Mitarbeitern der Stadt und der Feuerwehr den Versuch zu unternehmen, mit vorhandenen Motorbooten und Schlepprechen einen Großteil der Algen zu entfernen."
Umgesetzt worden seien diese Vorschläge nicht, auch andere wirksame Maßnahmen seien offensichtlich nicht ergriffen worden. "Es wurde lediglich der aus meiner Sicht klägliche Versuch unternommen, die Algen vom Ufer aus mittels Handrechen zu entfernen. Der Erfolg dieser Maßnahme ist nun heute in vollem Umfang erkennbar: Abermals Badeverbot, kurzfristig notwendige Absage des angebotenen Schnupperkurses des SSC und zu erwartender wirtschaftlicher Schaden für den neuen Kioskbetreiber."
Er frage sich nun, so Rudolf Götz, ob wirkungsvolle Maßnahmen eingeleitet werden oder schon wurden, um das Badeverbot kurzfristig wieder aufheben zu können.
"Oder beabsichtigt man, das Ganze einfach auszusitzen, dann wäre die diesjährige Badesaison an der Kieswäsch zum Leidwesen vor allem der Kinder und Jugendlichen vermutlich gelaufen."red