Die Eingangstür öffnet sich, Kevin-Jeremy Friedrich und seine Familie betreten als erste Besucher die Dieter-Ganzleben-Halle. Der Weg führt sie zu den Kaninchen, wo sie ihren Lieblingen sogleich Karotten, Äpfel und harte Brötchen zustecken. "Diese Leckerbissen mögen unsere Tiere ganz besonders gerne. Wir haben draußen vor der Tür gewartet, bis die Preisrichter mit ihrer Bewertungsarbeit fertig waren, denn dabei darf man sie nicht stören", erklärt der 15-jährige Wonseeser.

Ausgeglichene Bewertung

"Meine Tiere haben diesmal eine ausgeglichene Bewertung von ,sehr gut' bis ,hervorragend' erhalten. Das ist zwar nicht so gut wie im Vorjahr, denn da war ich Vereinsjugendmeister. Aber ich bin dennoch sehr zufrieden.
Das Ganze muss man sportlich sehen", resümiert er.

Kevin-Jeremy Friedrich züchtet die Kaninchenrasse Deutsche Kleinwidder bereits seit drei Jahren. "Mir gefällt diese wildbraune Fellfärbung ganz besonders, und die herunterhängenden Schlappohren geben den Tieren ein drolliges Aussehen", schwärmt er. Bereits im Januar, verrät er aus seinem Erfahrungsschatz, müssten die weiblichen Zuchttiere gedeckt sein. Die meist zu dieser Zeit herrschende Kälte mache ihnen überhaupt nichts aus. Rechtzeitig vor dem Wurf baue die Häsin dem kommenden Nachwuchs dann ein kuscheliges, warmes Nest - "und gut ist es".

Aufwand hält sich in Grenzen

Auch der Aufwand bei der Haltung der Tiere hält sich laut Kevin-Jeremy Friedrich dank der Familienunterstützung in Grenzen. In der Zeit des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst würden die Kaninchen öfters gekämmt. "Diese Prozedur genießen sie ganz besonders. Bei der Schauvorbereitung werden ihnen die Krallen gereinigt und etwas gekürzt, damit bei der Ausstellung die Hände und Arme der Tierzuträger nicht allzu sehr malträtiert werden", sagt der 15-Jährige und lacht.
Neben den Klein-Widdern werden in der Familie Friedrich noch die Rassen Lohkaninchen und Weißgrannen gezüchtet und ausgestellt.

"Solche hoffnungsvollen Talente wie Kevin-Jeremy sind das Ergebnis der super Nachwuchsarbeit in diesem Verein", stellt Bürgermeister Dietmar Hofmann in seiner Eröffnungsrede fest. "Gerade die hier zu bewundernde Vielfalt an Rassen und Farbenschlägen macht die Lokalschau unserer Thurnauer Kleintierzüchter so einzigartig."

Das hat auch Jahn-Pierre Guilleber festgestellt. Er ist extra aus seinem über 1000 Kilometer entfernten Wohnort Rouen in der Bretagne angereist, um sich in Thurnau für seine Zucht zwei Gimpeltauben und eine Vorwerkhenne zu kaufen. "Mich freut es sehr, dass ich zwei Thurnauer Züchtern diese Tiere abkaufen konnte. Deren Schönheitsmerkmale sind wesentlich besser als in meinem Heimatland", freut sich der Franzose über den Deal.
Die Verständigung mit ihm war kein Problem, denn mit Daniel Hartwig war sofort ein fließend französisch sprechendes Vereinsmitglied zur Stelle.

In Thurnau ist eben alles möglich.