Knapp 50 Bürger aus den Gemeinden Himmelkron und Marktschorgast haben am Mittwoch in Hof an der Wahlkampfveranstaltung zur Europawahl mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Horst Seehofer und der EU-Abgeordneten Monika Hohlmeier teilgenommen. Doch nicht nur, um Reden zu hören, sondern ihren Protest zur geplanten Gleichstromtrasse kundzutun. An der Spitze standen die Bürgermeister beider Gemeinden, Gerhard Schneider (CSU) und Hans Tischhöfer (FW), die auch von Landrat Klaus Peter Söllner (FW) unterstützt wurden. Am Rathaus der Stadt Hof kam es noch zu einem eher zufälligen Treffen mit Hofs Oberbürgermeister Harald Fichtner, der die Gruppe mit einem freundlichen "Hallo" begrüßte.

Mit ihren Protestschildern lief die Gruppe dann die Fußgängerzone hoch bis zur Absperrung an der Marienkirche in der Hofer Altstadt - und harrte dort der Dinge, die dann kamen.
Pünktlich um 17 Uhr erschien die Bundeskanzlerin. Gemeinsam mit Ministerpräsident Horst Seehofer lief Angela Merkel auch unmittelbar an den Trassengegnern vorbei, die natürlich ihrem Protest lautstark Luft machten.

Hohlmeiers Beruhigungsversuche

Im Vorfeld hatte EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier versucht, die Gruppe aus Marktschorgast und Himmelkron sowie aus dem Saale-Orla-Kreis zu beruhigen: "Ich bin froh, dass ihr da seid. Ihr wisst, dass wir eurer Meinung sind." Und auch Horst Seehofer hatte erneut deutlich gemacht, dass die gesamte bayerische Staatsregierung gegen die Gleichstromtrasse ist: "Ihr könnt euch darauf verlassen, dass die bayerische Staatsregierung an eurer Seite steht." Gleichzeitig bat Seehofer, den Auftritt von Angela Merkel schon aus Gründen der Gastfreundlichkeit nicht zu stören.

Die Bundeskanzlerin ließ die Demonstranten wissen: "Ich habe mich mit dem Thema sehr intensiv beschäftigt. Ich kenne die Argumente von Horst Seehofer und ich kenne Horst Seehofer. Wir alle wollen die Energiewende, und wir wollen, dass das mit möglichst geringen Veränderungen geht. Und ansonsten verlassen Sie sich auf Ihren Ministerpräsidenten. Da sind Sie gut beraten."

Seehofer sieht keinen Bedarf

Seehofer machte deutlich, dass er den Bedarf für die Gleichstromtrasse nicht sieht. Die Energiewende darf nach seiner Ansicht nicht bedeuten, aus dem Atomstrom aus- und in den Kohlestrom einzusteigen.

Der Marktschorgaster Bürgermeister Hans Tischhöfer vertrat bei der Kundgebung seinen Standpunkt deutlich: "Wir wollen eine völlig neue Planung auf der Basis dezentralisierter Energieversorgung. Wir hoffen aber auch, dass Ministerpräsident Horst Seehofer von seinem Standpunkt nicht mehr zurückgeht und diese Planung auf der Basis des Erneuerbaren Energien-Gesetzes mit dem zuständigen Minister Sigmar Gabriel abstimmt. Es sollten sich alle Wissenschaftler gemeinsam an einen Tisch setzen, um nach Lösungen zu suchen, damit diese Monstertrasse nicht notwendig wird." Auch aus Fachvorträgen sei zu hören, dass ein Repowering der bestehenden Leitungen möglich wäre, sagte Tischhöfer.

Für Bürgermeister Gerhard Schneider waren die Aussagen des Ministerpräsidenten positiv: "Er hat uns zu verstehen gegeben, dass wir ihn beim Wort nehmen können. Die Bundeskanzlerin war da weitaus pauschaler. Für uns war aber wichtig, dass wir wahrgenommen wurden. Man musste zur Kenntnis nehmen, dass an der ganzen Trasse Widerstand vorhanden ist. Das kann auch die Große Politik nicht ignorieren."