Seit Anfang 2014 hat die Mannheimer MVV Energie AG grünes Licht für den Bau von fünf Windrädern in der Nähe des Küpser Ortsteils Hain und des Weißenbrunner Ortsteils Wildenberg. Doch die Verkehrsanbindung der Baustelle bereitet den Mannheimern Kopfschmerzen. Denn der Stadtrat Burgkunstadt stimmt dem Transport der Bauteile durch das Stadtgebiet bei Gärtenroth nicht zu. Diesen Beschluss fasste das Gremium am Mittwochabend.

"Schwertransport von Windkraftanlagen über städtische Wege" hieß der Tagesordnungspunkt. Die Stadträte störten sich aber weniger an den großen Anlagenteilen als an der Armada von Lastwagen mit Beton und Schotter, die ebenfalls das Stadt gebiet queren könnten. Zunächst hatte es geheißen, der Baustellenverkehr würde von Norden kommen. Nun wird gemunkelt, es könnte Änderungen geben.

Günter Knorr (CSU) sprach das Thema an, weil in einem Zeitungsartikel der Weißenbrunner Bürgermeister Egon Herrmann dahingehend zitiert wurde, dass es wahrscheinlich keinen Baustellenverkehr durch Wildenberg geben werde.


Keine schriftliche Zusicherung

Eine Bürgerinitiative hatte berechnet, dass 2400 Passagen Baustellenverkehr über Wildenberg fahren. Knorr forderte MVV-Vertreter Thorsten Schneider auf, vertraglich auszuschließen, dass kein regulärer Baustellenverkehr über das Stadtgebiet führt. Schneider sagte zwar: "Ich sehe keinen Baustellenverkehr über Burgkunstadt", schriftlich zusichern wollte er das jedoch nicht. Er appellierte an das Solidaritätsprinzip innerhalb der Gemeinden und nannte den Umweltschutzgedanken als politisches Ziel der Bundesregierung, das es zu unterstützen gelte - vergebens.

Ein wichtiger Grund für die Entscheidung des Stadtrats ist die unausgewogene Verteilung von Vor- und Nachteilen zwischen den betroffenen Gemeinden. Die Gewerbesteuer für die Stromerträge aus der Windkraft bekommen nämlich Weißenbrunn, Küps und eventuell Schimmendorf. Wolfgang Sievert (SPD) sagte: "Die Gemeinde Weißenbrunn zieht sich sportlich aus der Affäre, und wir haben nur Ärger und Dreck."

Die Schwertransporte zur Baustelle am Rainberg sollte zunächst nur einen kleinen Teil der Burgkunstadter Wege beanspruchen und hauptsächlich über die Kirchleuser Platte, Wildenberg und vom Samelstein Richtung "Sieben Fuhren" geleitet werden. Im Mai 2015 hat MVV Energie eine neue Route durch das Burgkunstadter Gebiet vorgelegt: über die B 289, die Kreisstraßen Gärtenrother Straße, Mainrother Straße und Schimmendorfer Straße sowie über die öffentlichen Feld- und Waldwege mit den Flurnummern 707/706 und 673.


Zwölf Prozent Gefälle

Geändert wurde der ursprüngliche Plan mit der Begründung, die Variante über "Sieben Fuhren" sei nicht umsetzbar, weil das Gefälle von zwölf Prozent eine besondere Herausforderung sei, lange Strecken aufgeschüttet und wertvolle Buchen- und Eichenbestände gerodet werden müssten. Die Baumaterialien über die Burgkunstadter Wege anzuliefern, wäre mit dem geringsten Eingriff verbunden.

Die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung sah vor, Schwertransporte über diese Strecke zu genehmigen, da die MVV Energie AG zugesichert hatte, die beanspruchten Wege nach allen Regeln der Technik neu auszubauen. Aus straßen- und wegerechtlicher Sicht wäre das sinnvoll, da zum Beispiel der asphaltierte Weg Nummer 673 bereits Schäden aufweist. Die Stadt würde in den nächsten Jahren für Ausbau und Sanierung Kosten sparen, die die Verwaltung vorsichtig auf 100 000 bis 300 000 Euro schätzt - ein großer Betrag angesichts der aktuellen Diskussionen über die Haushaltskonsolidierung.

Applaus für ihre Entscheidung bekamen die Stadträte von den Bürgern aus den Orten rund um den Rainberg, die zahlreich vertreten waren.

Die MVV Energie AG allerdings will noch nicht das Handtuch werfen. Nach Auskünften des Pressesprechers sollen die Gespräche mit allen Beteiligten weitergehen, auch mit Burgkunstadt. Bis Ende Juni 2016 sollen die fünf Windkraftanlagen stehen.