Auf die Bürger mehrerer Kasendorfer Ortsteile kommt am 1. Oktober eine drastische Erhöhung der Kanalgebühren zu. Im Bereich der Abwasseranlage Neudorf/Reuth/ Welschenkahl steigen sie von 2,10 auf 3,44 Euro pro Kubikmeter, in Zultenberg, Lindenberg und Lopp von 2,26 auf 3,36 Euro sowie in Azendorf von 2,18 auf 3,64 Euro. In Azendorf ist das Ende der Fahnenstange dann aber immer noch nicht erreicht. Nach entsprechende Verbesserungsmaßnahmen könnte der Abwasserpreis dort sogar auf 4,37 Euro klettern.

Wie Bürgermeister Bernd Steinhäuser in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats berichtete, habe das Landratsamt Kulmbach im Rahmen der Haushaltsgenehmigung festgestellt, dass für die für drei genannten Abwasseranlagen Unterdeckungen auflaufen. Der Markt Kasendorf sei aufgrund rechtlicher Grundlagen verpflichtet, die Anlagen kostendeckend zu betreiben.


Aufwendungen schlagen voll durch


Wie Verwaltungsleiter Herbert Schmidt aufzeigte, war eine Neukalkulation für den Zeitraum Oktober 2016 bis September 2020 notwendig. "In diesen vier Jahren sind auch Über- oder Unterdeckungen aus dem vorhergehenden Kalkulationszeitraum auszugleichen."

Den gravierenden Anstieg, der zwischen 48 und 67 Prozent liegt, begründete Verwaltungsleiter Schmidt damit, dass es sich bei allen drei Anlagen um relativ kleine Einrichtungen mit einem sehr geringen Abwasseranfall zwischen jährlich 6800 und 12 000 Kubikmetern handle. So wirkten sich Aufwendungen für notwendige Reparaturen von mehreren Tausend Euro sofort gravierend aus. Zudem sei das Abwasseraufkommen in allen drei Anlagen leicht rückläufig.

Weiterhin ist laut Schmidt im letzten Kalkulationszeitraum viel Geld in die Sanierung und Reparatur der drei relativ alten Anlagen geflossen. Der Verwaltungsleiter verwies darauf, dass in Azendorf die mechanische Belüftungsanlage aufgrund eines Schadens ausgetauscht werden musste.


Stromkosten sind auch gestiegen


Im Pumpwerk Welschenkahl habe man die nahezu 20 Jahre alten Förderanlagen von Grund auf überholt, in Lopp nach nahezu 20 Jahren Betrieb den ersten Klärteich ausgebaggert, den Klärschlamm entsorgt und eine zusätzliche Belüftungsmöglichkeit eingebaut.

"Zu diesen außerordentlichen Aufwendungen kamen die fortgeschriebenen Betreuungs- und Wartungskosten, die im neuen Kalkulationszeitraum zu berücksichtigen sind. Das Gleiche gilt für die Stromkosten, die bei der vorherigen Kalkulation noch deutlich unter dem jetzigen Niveau lagen."

Bürgermeister Bernd Steinhäuser machte deutlich, dass bei dem geringen Abwasseranfall in den drei Anlagen die Aufwendungen für den Betrieb und Unterhalt "voll durchschlagen". Die Situation werde auch in Zukunft prekär bleiben, zumal man das Versorgungsgebiet des Abwasserzweckverbandes Friesenbachtal nicht um diese Anlagen nicht erweitern werden könne.


"Das Landleben ist kein Vergnügen mehr"


Welschenkahls Ortssprecher Reinhold Frankenberger stellte fest, dass die Gebührenerhöhungen nicht bei jedem Bürger gut angekommen werden. Man werde künftig an der Spitze im Landkreis Kulmbach liegen. Die Bürger in den Außenorten werde würden doppelt so hoch belastet wie die im Hauptort. "Die Kosten sind für solche Pumpanlagen zu groß, das ganze Abwassersystem ist falsch. Die Gemeinde muss schauen, dass sie zu einer anderen Lösung kommt. Das Landleben ist kein Vergnügen mehr", sagte er.

Hans Lauer fragte, ob es nicht besser gewesen wäre, die Gebühren bereits vor dem letzten Kalkulationszeitraum anzupassen. "Dann wären sie jetzt nicht so hoch!" Bürgermeister Bernd Steinhäuser entgegnete, dass die Anforderungen an die Abwasserentsorgung vom Gesetzgeber gemacht werden und der Markt danach handeln müsse.

Verwaltungsleiter Herbert Schmidt gab noch bekannt, dass die für die Kalkulation benötigten Unterlagen nach vorheriger Terminabsprache im Rathaus eingesehen werden können.

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