Wo einst hundert Jahre alte Fichten standen, sieht man auf weiter Fläche nur noch Baumstümpfe. Der Borkenkäfer hatte im Sommer 2020 den gesamten Bestand bei Ludwigschorgast befallen, Waldbesitzer Sebastian Pietsch (38) musste alle Bäume fällen, insgesamt 436 Stück.

Gemeinsam mit seiner Familie, allen voran Ehefrau und Schwiegermutter, hat er diese Mammutaufgabe bewältigt. Nun weiß er nicht, ob er stolz sein soll auf diese Leistung oder einfach nur traurig. "Es tut weh, wenn man so einen schönen Baumbestand abholzen muss", sagt er. Innerhalb weniger Monate ist ein Waldgebiet verschwunden, das frühere Generationen für ihre Kinder und Enkel gepflanzt hatten.

Gefräßiger Borkenkäfer

Die Waldfläche bei Ludwigschorgast ist kein Einzelfall, überall im Landkreis und darüber hinaus sieht man solche Kahlschläge. Sie sind das Resultat einer Art Infektionskrankheit. Ähnlich wie das Coronavirus die Gesellschaft auf Trab hält, lässt der Borkenkäfer den Forstleuten keine Ruhe mehr. Seit Jahren schwächen die trockenen Sommer die Fichtenbestände und machen sie anfällig für Schädlinge. Der Borkenkäfer ist in der Lage, lebendige Fichten und auch andere Nadelbäume zu befallen, sich darin fortzupflanzen und sie abzutöten.

Jeder befallene Baum ist der Ausgangspunkt für einen neuen Käferschwarm. Daher müssen Waldbesitzer per Gesetz befallene Bäume aus ihrem Bestand entfernen - und zwar auch, wenn ihnen augenscheinlich noch nichts fehlt. Wenn die Rinde sichtlich abfällt, ist der Käfer bereits ausgeflogen. So bleibt oft keine andere Wahl als eine ganze Fläche abzuholzen.

Forstamtsleiter Michael Schmidt bestätigt: "Der Borkenkäfer hat in unseren Wäldern große Schäden angerichtet. Aktuell gehen wir davon aus, dass man in den Landkreisen Kronach und Kulmbach weit über 2000 Hektar Wald kahlschlagen musste." Einzelne Flächen, hauptsächlich im Kronacher Land, seien über 25 Hektar groß. Derzeit arbeite die Forstbehörde mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen zusammen, um das Ausmaß des Schadens zu ermitteln. Mittels Satellit würden monatlich Veränderungen registriert. "Genaue Auswertungen werden uns in den nächsten Wochen zur Verfügung gestellt", so Schmidt.

Klima ist nicht stabil

Die Kahlflächen sollen so schnell wie möglich wieder zu Wald werden. "Die Natur ist geduldig. Der Wald würde von allein wieder wachsen, aber das dauert zu lange", betont Schmidt. Der Mensch könne auf die Funktionen des Waldes nicht verzichten. Dabei geht es nicht nur um seine Rolle als Rohstofflieferant, sondern auch um die Schutzfunktionen etwa in Sachen Bodenerosion oder Trinkwasseraufbereitung. Also muss der Mensch Hand anlegen und pflanzen oder säen. Die Frage ist nur: was?

"Die entscheidende Überlegung ist: Wie wird das Klima Ende des Jahrhunderts aussehen? Denn einen stabilen Zustand haben wir noch lange nicht erreicht. Der Klimawandel läuft erst an", erklärt Schmidt. Würde man vom schlimmsten Szenario des Weltklimarats ausgehen, dann müsste man Hopfenbuchen pflanzen. Die Laubbäume mit den hopfenähnlichen Blütenständen wachsen im Mittelmeerraum bei heißen, trockenen Temperaturen und milden Wintern. Hierzulande gibt es noch jedes Jahr Frost. Dem sei eine Hopfenbuche nicht gewachsen, so der Forstamtsleiter. "Wir brauchen Baumarten, die Frost, Hitze und Trockenheit aushalten. Das sind beispielsweise Spitz- und Feldahorn, Douglasie, Libanon- und Atlaszeder."

Die Birke verträgt viel Sonne

Doch man müsse gar nicht so weit in die Ferne blicken, auch innerhalb Deutschlands gebe es wärmere Gebiete, zum Beispiel in Unterfranken. Heimische Baumarten wie etwa die Eiche seien dort bereits an das wärmere Klima angepasst und könnten gut wachsen.

Riesige Kahlflächen sind nur schwierig wiederaufzuforsten. "Die nährstoffarmen, ungeschützten Böden trocknet der Wind noch weiter aus. Hier kann nur schwer wieder etwas anwachsen", erklärt Schmidt. Damit hier wieder Wald wachsen könne, gebe es Überlegungen, Birkensaat auszubringen, um sogenannte Vorwälder zu begründen. In deren Schutz könnten dann in fünf bis zehn Jahren andere Bäume gepflanzt werden.

Die Birke ist einer der wenigen Bäume, die in prallem Sonnenlicht wachsen kann und kaum Ansprüche an den Boden stellt. Zusätzlich könne man verbliebenen Tannen oder Kiefern umzäunen und auf Naturverjüngung hoffen.

Neben Hitze und Trockenheit gefährdeten auch Wildtiere wie Rehe, Hasen und Mäuse den Erfolg der Wiederaufforstung. "Sie knabbern die Knospen junger Bäumchen ab und hindern sie so am Wachsen."

Baumartenwahl via App

Ohne Zaun wird es auch in Ludwigschorgast nicht gehen. Etwa 300 Meter davon will Waldbesitzer Pietsch aufstellen, damit im Herbst, nach der Sommertrockenheit, gepflanzt werden kann. "Ich will wieder aufforsten, zum einen weil ich einen Beitrag zur Natur leisten will, zum anderen, weil meine Kinder auch einen Wald haben sollen", erklärt Pietsch. Er will auf eine bunte Mischung setzen aus Vogelkirsche, Spitzahorn, Hainbuche, Rotbuche, Roteiche, Küstentanne, Douglasie und Hybridlärche.

Beraten hat ihn dabei die Stadtsteinacher Revierförsterin Anja Mörtlbauer. Mit Hilfe des Bayerischen Wald-Informationssystems (BayWIS), einer App der Staatsforstverwaltung, hat sie Bodenverhältnisse und Lage ausgewertet und solche Baumarten empfohlen, die hier die besten Chancen haben zu gedeihen.

Somit sind die besten Voraussetzungen für einen neuen Wald geschaffen. Doch der Erfolg der Wiederaufforstung bleibt ungewiss. Die trockenen Sommer fordern ihren Zoll und einige Bäumchen werden wahrscheinlich nicht durchkommen. "Ich befürchte, dass es mit einmal Pflanzen nicht getan sein wird", so Försterin Mörtlbauer.

Garten als Lagerplatz

Sie weiß, dass es für Waldbesitzer im Moment eine schwere Zeit ist. "Ohne die staatliche Förderung wäre es für viele ein Draufzahlgeschäft", betont sie. Die Wiederaufforstung wird finanziell unterstützt genauso wie das Beseitigen des Schadholzes. Mindestens 500 Meter vom Wald entfernt soll vom Käfer befallenes Holz gelagert werden.